Die russischen Streitkräfte haben im Konflikt um die abtrünnige Provinz Südossetien offenbar auf breiter Front die Oberhand gegen Georgien gewonnen.

Trotz von der Regierung in Tiflis einseitig ausgerufenen Waffenstillstandes gingen die Kämpfe zwischen georgischen und russischen Truppen an diesem Sonntag weiter. Russland warf Georgien vor, sich in dem Konflikt um die abtrünnige Region Südossetien nicht an die eigene Ankündigung zu halten. Zugleich machte Moskau ein schriftliches Waffenstillstandsabkommen zur Voraussetzung für eine Einstellung der Kämpfe.

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Georgische Soldaten befinden sich noch immer in Südossetien. (© Foto: dpa)

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Am Abend versenkte die russische Marine im Schwarzen Meer ein georgisches Kriegsschiff. Nach Angaben Moskaus hatte es zuvor russische Schiffe angegriffen.

Mehrere Städte bombardiert

Russische Kampfflugzeuge bombardierten mehrere georgische Städte. Berichte georgischer Medien, wonach erstmals auch die Hauptstadt Tiflis angegriffen wurde, wies Moskau zurück als "Provokation mit dem Ziel, die internationale Gemeinschaft zu täuschen".

Die USA forderten Moskau ultimativ zur Einstellung der Kampfhandlungen auf. Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad sagte nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York, sollte Russland nicht einlenken und einer sofortigen Waffenruhe zustimmen, werde dies "bleibende Auswirkungen" auf das Verhältnis Moskaus zu Washington und zu anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft haben.

Khalilzad kündigte eine Resolution an, mit der die USA gemeinsam mit anderen westlichen Ländern eine Abstimmung im Sicherheitsrat über die Forderung nach einem Ende der Gewalt erzwingen wollen. Russland lehnte dies ab.

Nachdem georgische Truppen in der Nacht zum Freitag nach Südossetien vorgerückt waren, brachte Russland am Wochenende mit 10.000 Soldaten, Hunderten Panzern und Kampfbombern weite Teile der abtrünnigen Region unter seine Kontrolle. Die georgischen Einheiten zogen sich aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali in die umliegenden Berge zurück.

Opferzahl ungewiss

Der russische Präsident Dmitri Medwedjew beklagte "Tausende Tote" im Konfliktgebiet. Nach unbestätigten Angaben aus Südossetien starben allein in Zchinwali etwa 2000 Menschen. In den Trümmern der weitgehend zerstörten Stadt harrten Tausende Zivilisten aus. In den Straßen lagen Leichen.

Die südossetische Führung sprach von einer humanitären Katastrophe. Tiflis bezifferte die Zahl der bisher bei den Kämpfen getöteten Georgier auf etwa 200. Nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissars António Guterres flohen in den vergangenen Tagen mehr als 30.000 Menschen vor den Kämpfen aus Südossetien ins benachbarte Nordossetien. Tausende säßen zwischen den Fronten fest.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin, der überraschend von den Olympischen Spielen in Peking in die Konfliktregion gereist war, warf den Georgiern "Völkermord" vor. Der russische Präsident Dmitri Medwedjew, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, begründete die russischen Militärschläge in einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush mit "barbarischen Handlungen" Georgiens in Südossetien.

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, ein enger Verbündeter der USA, beschuldigte Russland, Georgien zerstören zu wollen. Er erwarte eine Invasion ganz Georgiens, sagte Saakaschwili der Rhein-Zeitung. Er hatte am Samstag das Kriegsrecht über sein Land verhängt.

Schwere Gefechte

Nach georgischen Angaben wurden nach Verkündung der einseitigen Feuerpause bis Sonntagabend alle "Militäreinheiten aus dem Konfliktgebiet" abgezogen. Russland bestätigte zwar den Erhalt einer entsprechenden Note aus Tiflis. Zugleich kritisierte Moskau aber die Fortsetzung von Kampfhandlungen durch georgische Soldaten in der Konfliktregion.

Die russische Kriegsmarine riegelte die Zufahrt zu den georgischen Schwarzmeerhäfen am Wochenende ab. Mit der Seeblockade sollten Waffenlieferungen an Georgien unterbunden werden. Es kam zu schweren Gefechten mit georgischen Schiffen. Mindestens ein georgisches Kriegsschiff wurde versenkt. Der Raketenträger habe zuvor die Schwarzmeerflotte angegriffen, hieß es laut Agentur Interfax aus dem Moskauer Verteidigungsministerium.

Das ebenfalls von Georgien abtrünnige Gebiet Abchasien kündigte Unterstützung für Südossetien an und verhängte am Sonntag das Kriegsrecht. Die moskautreuen Machthaber in der international nicht anerkannten Republik am Schwarzen Meer riefen die Mobilmachung ihrer Truppen aus. Abchasische Streitkräfte rückten im Landkreis Gali gegen georgische Stellungen vor.

Sarkozy soll vermitteln

Der französische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Bernard Kouchner wurde noch am Sonntag in Tiflis erwartet. Am Montag wollte er nach Moskau weiterreisen, wo Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Angaben des Kreml und des Élysée-Palasts ebenfalls in den nächsten Tagen zu Vermittlungsgesprächen eintreffen soll.

Am Dienstag wollen die Nato-Botschafter zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammenkommen, einen Tag später beraten dort die EU-Außenminister über die Kaukasus-Krise. Die EU-Kommission stellte eine erste Nothilfe in Höhe von einer Million Euro für die Zivilbevölkerung zur Verfügung.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bemühte sich um eine Entschärfung des Konflikts. Wie Staatsminister Gernot Erler der ARD sagte, vermittelte Steinmeier direkte Telefongespräche zwischen dem russische Außenminister Sergej Lawrow und seiner georgischen Amtskollegin Eka Tkeschelaschwili. Damit sei ein "Ende der politischen Sprachlosigkeit zwischen Russland und Georgien" erreicht", hieß es im Auswärtigen Amt.

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(dpa/AP/vw)