Von Daniel Brössler

In den westlichen Ländern wächst die Ungeduld, weil Russland seine Truppen nicht schnell genug aus Georgien abzieht.

Die Regierungen in Washington, Paris und Berlin kritisierten den bisherigen Rückzug der russischen Armee aus dem Nachbarland als unzureichend. Die Bundesregierung forderte Moskau auf, den von der EU vermittelten Sechs-Punkte-Plan zur Beilegung der Feindseligkeiten "unverzüglich" umzusetzen. Russland hat zwar einen Großteil seiner Truppen hinter die vor Kriegsausbruch geltenden Linien zurückgezogen, beansprucht aber Pufferzonen und Kontrollpunkte.

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Russische Soldaten in Georgien: Der Truppenabzug geht den westlichen Ländern nicht schnell genug. (© Foto: dpa)

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"Es gibt offensichtlich eine Unschärfe in den Vereinbarungen, die die Franzosen mit den Russen geschlossen haben", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), am Sonntag der Süddeutschen Zeitung. Unklar sei, ob die Russen zu Recht Pufferzonen beanspruchen und sich dabei auf Waffenstillstandsabkommen aus den frühen neunziger Jahren berufen könnten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekräftigte die Forderung, alle wichtigen Verkehrswege in Georgien müssten freigegeben werden. Das habe er auch seiner georgischen Kollegin Eka Tkeschelaschwili in einem Telefonat versichert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) regte eine Konferenz mit den Nachbarstaaten Georgiens an, um wirtschaftliche Hilfe für das vom Krieg erschütterte Land zu organisieren. Ausrichter soll die französische EU-Ratspräsidentschaft sein. Über die Idee hatte Merkel bereits vor einer Woche mit dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili in Tiflis gesprochen. Russland soll nicht eingeladen werden.

Als Reaktion auf die Georgien-Krise hat der Auswärtige Ausschuss Pläne für eine Russland-Reise verändert, die am 1.September beginnen sollte. Ursprünglich hatten die Obleute des Ausschusses über Moskau bis nach Wladiwostok reisen wollen. Einvernehmlich hätten sie nun eine "Modifizierung" beschlossen, sagte Polenz. Die Delegation reise nach Gesprächen in Moskau nicht in den asiatischen Teil Russlands weiter, sondern in die ukrainische Hauptstadt Kiew. In Moskau wollten die Parlamentarier sich zuvor auch für eine internationale Untersuchung des Krieges und seiner Ursachen einsetzen, sagte Polenz. In einem von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung publik gemachten Vermerk hatte der deutsche Verteidigungsattaché in Moskau die russischen Luftangriffe auf Georgien als "der Operation angemessen" bezeichnet. In Berlin wurde betont, der Vermerk stelle nur einen Puzzlestein in den diplomatischen Berichten aus Moskau und Tiflis dar.

Bei der Reise nach Kiew gehe es um ein "Zeichen, dass wir an einer unabhängigen Ukraine interessiert sind", sagte Polenz. Im Zuge der Georgien-Krise war die Sorge gewachsen, die Spannungen zwischen Russland und der ebenfalls westlich orientierten Ukraine könnten zunehmen.Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko bekräftigte am Sonntag die Forderung nach einer schnellen Aufnahme seines Landes in die Nato. Die Mitgliedschaft sei der einzige Weg, "um das Leben und den Wohlstand unserer Familien zu schützen", sagte Juschtschenko vor einer Militärparade zum ukrainischen Unabhängigkeitstag in Kiew.

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(SZ vom 25.08.2008/wib)