Von Cathrin Kahlweit

Bomben, Panzer und viele Tote: Der Konflikt im Kaukasus hat eine dramatische Wendung genommen. Georgische Truppen sind in Südossetien einmarschiert - Russland übte Vergeltung und schickte Panzer. Weit mehr als 1000 Menschen sollen bei den Kämpfen ums Leben gekommen sein.

Um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien ist ein Krieg zwischen Russland und Georgien ausgebrochen. Nach tagelangen Scharmützeln mit mehreren Toten hatte Tiflis am Donnerstag Truppen nach Südossetien geschickt und begonnen, die Provinz zurückzuerobern.

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In Südossetien sind schwere Kämpfe ausgebrochen. (© Foto: AFP)

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Russische Panzer rückten daraufhin an diesem Freitag in die Kaukasus-Republik vor. Europäische Union, Nato und USA forderten ein sofortiges Ende der Kämpfe und riefen die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf.

Das russische Verteidigungsministerium gab am Freitagnachmittag bekannt, es habe reguläre Truppen nach Südossetien entsandt. Nach Angaben der georgischen Regierung bombardierten russische Kampfflugzeuge georgische Stützpunkte in Südossetien. Bei den Angriffen seien etwa 30 Georgier ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Angehörige des Militärs, sagte der georgische Präsident Michail Saakaschwili.

Abschuss russischer Flugzeuge

Tiflis meldete den Abschuss von fünf russischen Flugzeugen über georgischem Territorium. Der de-facto-Präsident Südossetiens, Eduard Kokoity, sagte, 1400 Menschen seien in den Kampfhandlungen bereits umgekommen. Seit längerem hat Russland in der Provinz 500 Friedenssoldaten stationiert, im benachbarten Nordossetien stehen noch einmal 500.

Saakaschwili forderte in einem Interview mit dem US-Sender CNN die USA auf, helfend einzugreifen. "Nun ist die Zeit, um zu beweisen, dass Amerika friedliebenden Ländern zur Seite steht." Außenminister Eka Tkeschelaschwili präzisierte wenig später, man erwarte vom Westen kein militärisches Eingreifen. Vielmehr solle der Druck auf Moskau erhöht werden, seine Truppen zurückzuziehen.

Die USA versicherten, dass sich ihr militärisches Personal in Georgien komplett aus dem Konflikt mit Russland heraushält. Die mehr als hundert in Georgien stationierten Militärausbilder seien "in keiner Weise in den Konflikt zwischen dem russischen und dem georgischen Militär verwickelt", sagte Pentagon-Sprecher John Dorrian.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew hatte am Freitag bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Moskau "Gegenmaßnahmen" gegen die "Militäroffensive Georgiens" angekündigt. Medwedjew hatte gesagt, er werde den Tod seiner Landsleute "nicht ungesühnt lassen".

Auch Ministerpräsident Wladimir Putin drohte mit Vergeltung. Die Regierung in Moskau wies Saakaschwilis Angaben über russische Bombenangriffe zurück und bezeichnete die georgische Offensive als "schmutziges Abenteuer". Außenminister Sergej Lawrow warf Georgien vor, im Zuge der georgischen Militäroffensive in Südossetien sei es zu "ethnischen Säuberungen" gekommen.

Folge russischer Provokation

Saakaschwili wiederum sagte, der Ausbruch der Kampfhandlungen sei die Folge fortgesetzter russischer Provokationen; Moskau habe die Eskalation des Konflikts bewusst auf den Beginn der Olympischen Spiele terminiert und Truppen dafür zusammengezogen. Der georgische Präsident verkündete eine vollständige Mobilmachung und forderte von Russland ein Ende der Bombardierungen. Der Großteil Südossetiens sei bereits "befreit".

Nach Angaben des Kommandeurs der russischen Friedenstruppen in Südossetien ist Zchinwali, die de-facto-Hauptstadt der Provinz, weitgehend zerstört. Für den Nachmittag wurde eine dreistündige Waffenruhe vereinbart, um Zivilisten die Gelegenheit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Am Abend gingen die Kämpfe allerdings wieder weiter.

Besorgnis im Westen

Im Westen reagierte man sehr besorgt. Die USA, die EU und die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) wollen eine gemeinsame Delegation nach Georgien entsenden. Die Delegation "soll so schnell wie möglich einen Waffenstillstand erreichen", hieß es in einer Erklärung des französischen EU-Ratsvorsitzes am Freitag in Paris.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will trotz der Eskalation des Konflikts am kommenden Freitag in das russische Sotschi 35 Kilometer von der Grenze zu Georgien reisen und dort den russischen Präsidenten Medwedjew treffen. "Gerade jetzt ist es besonders wichtig, Möglichkeiten für direkte Gespräche zu nutzen, um eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen", sagte ein Sprecher Merkels.

Südossetien hat sich 1992 von Georgien abgespalten und betrachtet sich seither de facto als unabhängig. Völkerrechtlich gilt die Region jedoch als Teil Georgiens. Die Mehrheit der Südosseten hat aber russische Pässe, die Regierung in Zchinwali besteht überwiegend aus Russen. Der Nachbarstaat Nordossetien ist Teil der russischen Föderation. Südossetien und Georgien hatten für Donnerstag eigentlich die ersten direkten Gespräche seit einem Jahrzehnt vereinbart, die selbsternannte Regierung von Südossetien sagte das Treffen allerdings ab.

In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen um die Kaukasus-Regionen zugenommen, nachdem Moskau die Aufnahme offizieller Beziehungen zu beiden Regierungen angekündigt hatte. Befeuert worden war der Konflikt auch dadurch, dass Georgien in die Nato strebt, was Moskau ablehnt.

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(SZ vom 9.8.2008/vw)