Der Kreml holt sich in Georgien zurück, was er sein Eigen nennt. Der Westen kann nichts dagegensetzen - und verliert im Machtpoker an Boden.
Vor wenigen Wochen erst waren Moskauer Zeitungen voll von Berichten über den maroden Zustand der russischen Armee und die dringend notwendige Reform der Streitkräfte. Jetzt marschieren diese Streitkräfte beim größten Einsatz außerhalb russischer Grenzen seit dem Zerfall der Sowjetunion in Georgien ein - und jenen Traditionalisten in Russland, die alter Dominanz und militärischer Größe nachtrauern, dürfte das wie christlich-orthodoxes Weihnachten und Ostern an einem Tag vorkommen.
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Ob Dimitrij Medwedjew (l.)und Wladimir Putin den Einmarsch in Südossetien lange schon geplant haben, ist nicht klar. (© Foto: AP)
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Nostalgiker werden zudem erfreut sein, dass sich Moskau wieder traut, den Westen herauszufordern - und damit jene Haltung demonstriert, die dereinst zu seinem Drohpotential als Großmacht beitrug.
Nun wäre es weit übertrieben, einen zweiten Kalten Krieg auszurufen. Dazu ist der Streit um zwei georgische Provinzen zu marginal, und dazu ist Georgien - bei aller Dankbarkeit des Westens über eine außerhalb russischer Reichweite befindliche Pipeline und die demokratische Euphorie der hübschen, ehemaligen Sowjet-Republik - nicht erste Priorität unter den genuinen, amerikanischen Interessen.
Ureigenes Interessengebiet
Aber genau das kommt Russland gelegen. Anhand der Causa Georgien können Präsident, Ministerpräsident und Generalität demonstrieren, dass der Westen besser auf das hören möge, was Moskau seit einigen Jahren proklamiert: Keinen Schritt näher darf die Nato an jene Region heranrücken, die Moskau als ureigenes Interessengebiet versteht.
Dazu gehören traditionell die Kiewer Rus, Ursprung russischen Selbstverständnisses und heute die Ukraine, und auch der Kaukasus mitsamt dem Geburtsland Stalins. Georgien und Ukraine sollten nach Washingtons Wunsch möglichst schnell Aufnahme in der Nato finden. Moskau erklärt das nachdrücklich für "unvorstellbar"; jetzt tritt man den Beweis an, als wären die Zeiten geostrategischer Machtsicherung nicht mit dem Fall des Eisernen Vorhangs eigentlich von Optimisten in Ost und West für beendet erklärt worden.
Der russische Bär ist zurück aus den Wäldern. Aber tatsächlich war er nie verschwunden. Im Westen hatte man lange Zeit gehofft, mit einem geschwächten Moskau gemeinsam eine neue Ära der Kooperation ausrufen zu können. Auch deshalb hatte Washington den Kreml in Tschetschenien ungehindert einen Krieg führen lassen, der in mancherlei Hinsicht an das erinnert, was sich jetzt im Südkaukasus wiederholen könnte.
Das neue Moskau hat Tschetschenien mit Gewalt befriedet und kann sich jetzt anderen Krisengebieten an seiner Peripherie zuwenden. Wer wollte es daran hindern? Eine amerikanische Regierung auf Abruf, die Moskau noch für ein paar unerledigte Großprojekte wie die Auseinandersetzung mit Iran braucht? Eine zerstrittene Allianz, die schon über die Frage uneins war, ob man sich mit Georgien als Nato-Partner einen Risiko-Kandidaten ans Bein binden solle?
Noch ist unklar, ob Moskau Georgien auf Dauer besetzen will, bislang wird das dementiert. Ein solcher Schritt wäre jenseits dessen, was Washington und Brüssel hinnehmen könnten. Mehr als wahrscheinlich ist, dass Moskau besetzt und behält, was es längst als sein Eigen betrachtet: Südossetien und Abchasien. De facto hatte sich Russland beide Provinzen schon längst einverleibt; nur die völkerrechtliche Anerkennung fehlte, die aus einer latenten Provokation unterhalb der internationalen Wahrnehmungsschwelle eine Krise gemacht hätte.
Nun aber, da sich die georgische Führung aus unerfindlichen Gründen dazu hinreißen ließ, Truppen nach Zchinwali zu schicken, nutzt Moskau die Gelegenheit, Fakten zu schaffen. Beobachter in der Region sind sich nicht einig darüber, ob der Kreml diesen Einmarsch lange vorbereitet hat, manches spricht dagegen. Aber das ist vorerst nicht wichtig. Wichtig - vor allem innenpolitisch - für die Moskauer Führung ist, dass sie im Machtpoker mit dem Westen gepunktet hat.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 12.8.2008/segi)
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... war nie weg!! Er war nur einmal etwas krank und schwächlich, später dann feuchtfröhlich (um das Wort 'angesoffen' zuvermeiden), später der russische Bär als 'lupenreiner Demokrat' maskiert und nun zeigt er uns wieder seine Krallen und Zähne. Und wenn er könnte - dann würde der russische Bär auch uns in West- und Mitteleuropaer verschlingen.
Denn eins dürfte sicher sein, auch der russische Bär ist ein Allesfresser.
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Nachtrag: Und wie würde es wohl Georgien mit amerikanischer Hilfe gehen? Die Amerikaner würden Dankbarkeit in Form von Öl erwarten, bis Georgien ausgesogen ist. Wenn nichts mehr zu holen wäre, dann würde Georgien fallen gelassen werden wie eine heiße Kartoffel. Es sei denn, es duldete dann ständige Militärposten, damit der US-Einfluss gewahrt bleibt...
xenia2: genau. warum sollte eine weltmacht wie russland sich durch ein raketenabwehrschild in polen oder amerikanische aufrüstung in georgien düpieren lassen ? wennwie angekündigt die russen auf kuba bomber stationieren wollen als antwort auf die europäischen raketenpläne der amerikaner, ist das nicht verwunderlich.
Keine Eier? Stimmt. Ich würde meinen Kopf wirklich nicht für Georgien hinhalten (ich würde ihn auch nicht einmal hinhalten, wenn z. B. Bayern aus Deutschland rauswollte). Warum müssen Regionen eines Landes immer meinen, unabhängig sein zu müssen? Was haben sie davon? Wären sie bei Russland geblieben, hätten sie sich einige Kosten gespart, und das Land funktioniert selbstständig irgendwie auch nicht besser als zuvor. Dafür Leben riskieren, weil sich bestimmte Schichten bei Unabhängigkeiten Vorteile versprechen und das Volk dafür missbrauchen? Nein, wirklich nicht!
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