Krieg im Gaza-Streifen Terrorwaffen aus China

Mehr als 10.000 Raketen und Mörsergranaten schossen die Palästinenser in den vergangenen sieben Jahren auf Israel. Mit neuen Raketen bedroht die Hamas nun mehr als eine Million Israelis.

Von Thorsten Schmitz

Palästinensische Terroristen haben in den vergangenen sieben Jahren etwa 10.500 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Der Raketenkrieg wurde in Israel zunächst nicht ernstgenommen, weil die selbstgebauten Kassam-Geschosse ihre Ziele oft verfehlten oder vorzeitig explodierten.

Mittlerweile aber sind 32 Israelis durch die Kurzstreckenraketen getötet worden, mehr als 600 Menschen wurden verletzt. Inzwischen besitzen die palästinensischen Terrorgruppen weiterreichende Raketen, die sie seit Beginn der israelischen Vergeltungsoffensive "Operation gegossenes Blei" einsetzen.

Mehrere dieser Grad-Raketen schlugen in den vergangenen Tagen in Aschdod und Beerscheba ein - Städten, die bis zu 40 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt liegen. Laut der israelischen Polizei sind deswegen bis zu eine Million Menschen in Südisrael der Gefahr der Raketen ausgesetzt.

Die Kassam-Geschosse sind zwischen 1,60 und zwei Meter lang und mit bis zu sechs Kilogramm Sprengstoff gefüllt. Zusätzlich mischen die palästinensischen Terrorgruppen noch Bolzen, Nägel und Schrauben unter, um die Wirkung der Detonation zu erhöhen und möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen. Viele der 32 israelischen Opfer starben an Verletzungen, die von Schrauben oder Nägeln verursacht wurden.

Die Grad-Raketen können bis zu drei Meter Länge messen. Sie werden nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums in Einzelteilen durch die Tunnel von Ägypten in den Gaza-Streifen geschmuggelt und dort in Metallwerkstätten wieder zusammengesetzt.

Die Grad-Raketen sind mit bis zu 22 Kilogramm Sprengstoff bestückt. Sie stammen nach Angaben der israelischen Polizei aus Iran. Auch die Hisbollah im Libanon setzt Grad-Raketen bei Angriffen auf Israel ein. Sie werden auch Katjuscha-Raketen genannt.

Die Tatsache, dass Hamas trotz der schweren Luftangriffe Israels mehr und mehr Raketen auf das Land feuert, spricht laut israelischen Militärexperten dafür, dass die Armee ihre Offensive fortsetzen werde. Jonathan Feigel vom Herzlija-Institut für Terrorismusbekämpfung sagt: "Hamas besitzt noch Tausende Waffen, die in Wohngegenden deponiert sind. Die Luftwaffe kann diese Lager nicht ohne viele zivile Opfer zerstören." Es sei daher nötig, dass Israel in einer Bodenoffensive die Depots aushebe.

Bei den jüngsten Raketenangriffen auf die Wüstenstadt Beerscheba sind auch Grad-Raketen "Made in China" eingesetzt worden. Sie seien zielgenauer als die russischen oder iranischen Modelle, heißt es in einem Bericht der israelischen Polizei.

Die vier Raketen aus China seien mit kleinen Metallteilen gespickt gewesen, die noch bis zu 100 Meter vom Einschlagsort entfernt Verletzungen oder Zerstörungen anrichten könnten. Nach Informationen des israelischen Geheimdienstes Schin Beit werden die aus China stammenden Raketen von Iran und Hisbollah gekauft und von Beduinenstämmen über den Sinai von Ägypten aus in den Gaza-Streifen geschmuggelt.