Israel hat Ernst gemacht: Mit dem Vergeltungsangriff auf den Gaza-Streifen will die Regierung die Hamas von dem Abschuss weiterer Raketen auf israelisches Staatsgebiet abbringen. Die Armee hat den Einsatz schon vor vier Wochen vorbereitet - mitten in der Waffenruhe.
Nur wenige Stunden nach dem ersten Bombardement des Gaza-Streifens am Samstagvormittag gab das stets auf Geheimhaltung bedachte Verteidigungsministerium seine Verschwiegenheit für einen Moment auf. In mehreren E-Mails wurden ausländischen Korrespondenten Fotos zugesandt, die hochbrisantes Material enthalten: Jene Gebäude und Warenlager, die von der israelischen Luftwaffe in einem Überraschungscoup innerhalb weniger Minuten dem Erdboden gleichgemacht wurden.
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Palästinensische Feuerwehrmänner kämpfen nach den israelischen Bombenangriffen gegen die Flammen. (© Foto: AP)
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Auf den überwiegend gestochen scharfen Bildern sind etwa Hochhäuser im Gaza-Streifen zu erkennen, in denen sich die Führungsspitze der Hamas aufgehalten haben soll, Trainingslager von Mitgliedern der radikal-islamischen Gruppe, aber auch angebliche Kerker, in denen politisch unliebsame Fatah-Anhänger gefoltert wurden. Auf einigen Fotos sind auch Ansammlungen von Hamas-Mitgliedern in Uniform zu erkennen, die unter freiem Himmel Übungen abhalten.
Der Zeitpunkt des massivsten israelischen Vergeltungsangriffs im Gaza-Streifen nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 mag die Hamas zwar überrascht haben. Schließlich hatte Israels Regierung den Machthabern noch Ende vergangener Woche ein Ultimatum bis Sonntag gestellt.
Auch waren die Islamisten überzeugt, dass Israel es mitten im Wahlkampf nicht wagen werde, sich auf riskante und zeitraubende Militäroperationen einzulassen. Doch die Fotos, die von einem Tag und Nacht über dem Gaza-Streifen schwebenden Zeppelin aufgenommen wurden beweisen, dass die Operation "Gegossenes Blei" von langer Hand geplant wurde.
Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete am Wochenende, dass Verteidigungsminister Ehud Barak bereits vor einem halben Jahr Generalstabschef Gabi Aschkenasi den Auftrag erteilt habe, die Planungen für einen umfangreichen Armee-Einsatz im Gaza-Streifen aufzunehmen.
Zu jenem Zeitpunkt hatte Israel unter Vermittlung des ägyptischen Geheimdienstchefs Omar Suleiman gerade eine zeitlich befristete Waffenruhe vereinbart. Die Waffenruhe, die nicht schriftlich fixiert worden war, wurde mehr oder weniger effektiv eingehalten.
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Warum wird das Bombardement eines abgeriegelten Freiluftgefängnisses als "Vergeltungsangriff" bezeichnet???
Was soll hier vergolten werden? Das ein eingepferchtes Volk nach Jahre langer Belagerung und hunderter "Geziehlter Tötungen" ein paar selbst gebastelte Raketen über die Grenzmauern geschossen hat??
Soll es Vergolten werden, das UN Hilfslieferungen immer wieder - trotz UN Protesten - nicht durch gelassen werden? Soll vergolten werden, das Strom und Wasser immer wieder von den Belagereren abgeschaltet werden???
Barbara