Israel hat erstmals Reserve-Einheiten im Gaza-Streifen eingesetzt - es soll zu den schwersten Gefechten seit Beginn der Militäraktion gekommen sein. Bundesaußenminister Steinmeier ist nach Ende seiner Nahost-Reise dennoch zuversichtlich, dass die Kämpfe bald gestoppt werden können.

Im Kampf gegen die palästinensische Hamas hat Israel erstmals auch Reserve-Einheiten im Gaza-Streifen eingesetzt. Die Streitkräfte drangen am Sonntag tiefer denn je zum Machtzentrum der Organisation vor. Dabei gab es offenbar die bislang schwersten Kämpfe seit Beginn der Militäraktion.

Unter Beschuss: Israel griff erneut Ziele im Gaza-Streifen an (© Foto: AFP)

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Soldaten der Infanterie und Panzer rückten bis kurz vor die Stadt Gaza vor. Dort sind etwa 400.000 Bewohner eingeschlossen. Brigadegeneral Avi Benajahu bestätigte, dass auch Reserve-Einheiten nach Gaza verlegt worden seien.

Zugleich griff die israelische Luftwaffe wieder Ziele an der Grenze zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten an, wo sich zahlreiche Tunnelanlagen für den Schmuggel von Waffen und Versorgungsgütern befinden. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira gab es am frühen Montagmorgen erneut schwere Explosionen.

Pläne für Ausweitung der Angriffe

Analysten gehen davon aus, dass Israel eine neue Phase seiner Offensive eingeleitet hat. Dazu würden die Tausenden Reservisten gebraucht, die bereits im Grenzgebiet stationiert seien. Das israelische Verteidigungsministerium hatte zuvor nach den Luftangriffen und dem Bodeneinsatz eine dritte Phase angedeutet, die auch mit Straßenkämpfen verbunden sei. Es gebe zudem einen Notfallplan für eine vierte Phase - die vollständige Besetzung des Gaza-Streifens und den Sturz der Hamas-Regierung.

Am frühen Montagmorgen setzte Israel auch die Marine ein. Von Kanonenbooten aus wurde die Stadt Gaza beschossen, wo Feuer ausbrachen und einige Gebäude von den Explosionen erschüttert wurden. Ziel waren nach Militärangaben Stellungen der Hamas.

Die Artillerie soll bei ihrem Beschuss des Gaza-Streifens auch Phosphorgranaten eingesetzt haben. Nach palästinensischen Angaben wurden diese auf den nördlichen Grenzort Chusa abgefeuert. Dabei seien eine Frau getötet und 50 Menschen verletzt worden.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch bestätigte, sie haben den Abschuss von Phosphorgranaten im Umkreis der Flüchtlingssiedlung Dschebalija beobachtet. Sie appellierte an die israelische Regierung, solche Waffen in den bevölkerungsdichten Gebieten des Gaza-Streifens keinesfalls zu verwenden.

Appell von Steinmeier

Nach Einschätzung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sind die Chancen für ein Ende der Kämpfe im Gaza-Streifen dennoch gestiegen. Zum Abschluss seiner Nahost-Reise forderte er in der Nacht zum Montag Israel und die Hamas-Miliz zu einer "humanitären Waffenruhe" auf. Im Zentrum seiner Bemühungen habe die Suche nach dem Einstieg in einen dauerhaften Waffenstillstand gestanden.

"Ich bin der Überzeugung: Eine humanitäre Waffenruhe kann jetzt den Weg dafür öffnen", sagte Steinmeier auf dem Rückflug von Tel Aviv nach Berlin. Am Sonntagabend hatte der Vizekanzler noch den israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak getroffen. Anschließend sagte er, die Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen werde "von Tag zu Tag besorgniserregender". Zugleich erneuerte er die deutsche Bereitschaft, Ägypten mit der Entsendung von Experten bei der Eindämmung des Waffenschmuggels in den Gazastreifen zu helfen.

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(AFP/AP/dpa)