Krieg im Gaza-Streifen Hamas sendet Selbstmordattentäter nach Israel

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas steht vor einer neuen Eskalationsstufe: Die Islamisten wollen Palästinenser im Westjordanland aufstacheln - und eine Terrorfront gegen Israel eröffnen.

Die radikal-islamische Hamas will den bislang auf den Gaza-Streifen und dessen Grenzgebiet beschränkten Krieg mit Israel ausweiten. Eine Woche nach Beginn der israelischen Luftschläge versuchen die Islamisten, die Palästinenser im Westjordanland und womöglich auch arabische Israelis in ihrem Sinne zu mobilisieren.

Hamas rief alle Palästinenser zu einem "Tag des Zorns" auf. Zugleich kündigte Hamas-Sprecher Ismail Radwan an, dass die Hamas ihre Operationen ausweiten und auch Selbstmordattentate unternehmen werde.

Das Motiv lieferten die Glaubenskrieger gleich mit: Die Hamas will Vergeltung für den Tod ihres Top-Führers Nisar Rian üben. Rian, dessen vier Frauen sowie elf seiner Kinder waren nach palästinensischen Angaben am Vortag bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus im Flüchtlingslager Dschebalia im nördlichen Gaza-Streifen getötet worden.

Der Aufruf zum Aufstand zeigte Wirkung: Zehntausende Palästinenser protestierten im Westjordanland nach dem traditionellen Freitagsgebet gegen den israelischen Militäreinsatz im Gaza-Streifen.

"Wir sind bereit, unser Blut für Gaza zu opfern"

Allein 3000 Anhänger und Sympathisanten der radikal-islamischen Hamas demonstrierten in Ramallah. Demonstranten riefen unter anderem: "Wir sind bereit, unsere Seele und unser Blut für Gaza zu opfern" skandierten die Demonstranten in Ramallah und israelische Flaggen.

Es kam zu vereinzelten Zusammenstößen mit Anhängern der rivalisierenden Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Die Autonomiebehörde hatte zuvor vergeblich nicht autorisierte Demonstrationen verboten. Israel hat das Westjordanland bis in die Nacht zum Sonntag aus Sorge vor Ausschreitungen abgeriegelt.

Auch im von Israel beanspruchten Osten Jerusalems kam es zu Ausschreitungen. Zunächst hatten mehrere tausend muslimische Gläubige sich an der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg friedlich zum Freitagsgebet versammelt, dann warfen Palästinenser Steine auf israelische Polizisten, die mit dem Einsatz von Tränengas reagierten.

Dutzende verschleierte Frauen zogen mit Hamas-Fahnen durch Jerusalemer Stadttore. Im Stadtviertel Ras el Amud wurden zwei Brandsätze auf israelische Polizisten geworfen.

Nach wie vor ist unklar, ob und, wenn ja, in welchem Umfang, Israel auch auf dem Landweg in den Gaza-Streifen eindringen wird.

Nur jeder fünfte Israeli für Bodenoffensive

Was auf die israelische Armee zukäme, beschreiben die Militärkommentatoren im Detail: Nach Erkenntnissen der Geheimdienste hat die Hamas Tunnel gegraben und mit Sprengstoff gefüllt.

Bomben mit großer Sprengkraft sowie mit Sprengstoff gefüllte Autos sind entlang von Straßen positioniert worden, um im Fall eines Einmarsches so viele israelische Soldaten wie möglich zu töten, zu verletzen und zu entführen. Die Hamas soll Landminen und Panzerfäuste in großen Mengen besitzen. Scharfschützen und Selbstmordattentäter warten schon.

Dementsprechend zögerlich ist die israelische Bevölkerung auch, wenn es um eine Bodenoffensive geht: Einer in der Tageszeitung Haaretz veröffentlichten Umfrage zufolge sprechen sich nur 19 Prozent für einen Landkrieg aus.

52 Prozent der Israelis plädieren dafür, die Luftangriffe fortsetzen. Nur 20 Prozent wollen einen Waffenstillstand.

Bei der seit sieben Tagen andauernden Militäroffensive Israel im Gaza-Streifen sind bislang mindestens 430 Palästinenser getötet worden.

Wie die Gesundheitsbehörde in Gaza mitteilte, wurden mindestens 2200 Menschen verletzt. 380 von ihnen schwebten weiter in Lebensgefahr. Nach Angaben der Behörde wurden bei einem Luftangriff auf ein Ziel in Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen auch drei Kinder getötet.