Von Thorsten Schmitz, Tel Aviv

Israel und die Hamas haben tägliche Feuerpausen vereinbart, um die Bevölkerung zu versorgen - das gibt Vielen Hoffnung. Doch leiden Zivilisten weiter schwer.

Fast zwei Wochen nach Beginn der israelischen Militäroffensive gegen die Hamas im Gaza-Streifen haben beide Seiten am Mittwoch erstmals die Kämpfe für drei Stunden gestoppt.

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Das nährte die Hoffnung, die Kontrahenten könnten einen Vorschlag Ägyptens und Frankreichs annehmen, der die Einstellung der Angriffe auf beiden Seiten vorsieht. In einer befristeten Feuerpause, die nun täglich zwischen 12 und 15 Uhr gelten soll, soll sich die Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen können.

Hamas feuerte am Mittwoch in den drei Stunden keine Raketen auf Israel. Israel kündigte die Einrichtung eines ,,humanitären Korridors'' an. Nach Ablauf der Waffenruhe nahmen beide Seiten den Kampf wieder auf, hieß es im israelischen Rundfunk.

Der Leiter der Hilfsorganisation UNRWA, John Ging, nannte die Pause unzureichend. Für die Zivilbevölkerung sei der Gaza-Streifen "die Hölle auf Erden". Die Zahl der Todesopfer stieg auf 700, laut UN sind die Hälfte Frauen und Kinder.

Israel und Vertreter der Hamas berieten mit Ägypten über eine Einstellung der Kämpfe und äußerten sich optimistisch. Ägyptens Präsident Hosni Mubarak hatte auf einer Pressekonferenz in der Nacht zu Mittwoch mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy einen Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe vorgestellt.

Am Mittwoch teilte Sarkozys Büro in Paris voreilig mit, Israel und die Regierung von Palästinenserpräsident Machmud Abbas hätten den Vorschlag angenommen. Israel widersprach. Regierungssprecher Mark Regev sagte, über den Plan werde noch diskutiert. Ein Berater des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija hielt eine Waffenruhe "innerhalb von 48 Stunden" für möglich.

Eine israelische Delegation unter der Leitung eines engen Mitarbeiters von Verteidigungsminister Ehud Barak werde nach Kairo reisen und "intensive Gespräche" über die französisch-ägyptische Initiative führen, berichteten israelische Medien. Das Sicherheitskabinett billigte trotzdem am Mittwoch eine Ausweitung der Angriffe. In der Nacht sollten die Schmuggeltunnel der Hamas an der Grenze zu Ägypten getroffen werden.

Der Plan Mubaraks ist bisher nicht veröffentlicht worden. Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete am Mittwoch auf ihrer Internetseite, vorgesehen sei, dass unabhängige Beobachter die Grenze zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen kontrollieren und den Bau von Tunneln zum Waffenschmuggel verhindern. Im israelischen Rundfunk hieß es, die Türkei sei bereit, eine Beobachtertruppe zusammenzustellen.

Deutschland signalisierte, es würde sich an der Sicherung einer Waffenruhe zu beteiligen. Die UN wollen die ägyptische Intiative unterstützen, die USA zeigten Interesse, vermieden aber eine klare Festlegung. US-Außenministerin Condoleezza Rice will an den Beratungen teilnehmen.

Der israelische Angriff auf eine Schule der Vereinten Nationen im Flüchtlingslager Dschabalija galt nach Militärangaben Hamas-Kämpfern, die sich dort verschanzten. Nach dem Tod von laut UN 43 Menschen warfen die Streitkräfte den Islamisten vor, die Bevölkerung als Deckung zu missbrauchen.

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(SZ vom 8.1.2009/plin/woja)