Außenpolitisch sind den arabischen Regierungschefs die Hände gebunden, innenpolitisch sitzt ihnen das Volk im Nacken. Und der Krieg im Gaza-Streifen kann jederzeit auf die Nachbarländer übergreifen.
Während Israel den Gaza-Streifen bombardiert und immer mehr Verletzte und Tote vor Notaufnahmen und Leichenhallen liegen, sind die arabischen Präsidenten und Könige zum Zuschauen verdammt.
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Ein Kind verletzt, das andere tot: Samera Baalusha (r.) weint um ihre vierjährige Tochter. Ihr Sohn Mohamad überlebte den israelischen Angriff. Der Krieg stürzt die arabischen Nachbarländer in ein Dilemma. (© Foto: Getty Images)
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Als Beleg für ihre Machtlosigkeit vertagte die Arabische Liga ihre Dringlichkeitssitzung zum Krieg in Gaza; klarer kann sich arabische Schwäche nicht offenbaren. Gleichzeitig füllen Demonstranten die zentralen Plätze von Kairo, Amman oder Sanaa. Sie schreien nach "Vergeltung für die israelische Aggression".
Während den arabischen Regierungschefs also außenpolitisch die Hände gebunden sind, sitzt ihnen innenpolitisch das Volk im Nacken. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kann jetzt jederzeit auf Nachbarstaaten wie den Libanon überspringen. So bringt der Gaza-Krieg das ganze Nahost-Dilemma zum Vorschein.
Operation "Gegossenes Blei" hat die israelische Armee ihre Offensive gegen die Hamas getauft. Operation "Unnütz vergossenes Blut" wäre passender. Die arabischen Führer ahnen nach drei Tagen und 300 palästinensischen Toten: So ist das Hamas-Problem nicht zu lösen. Mit Bomben und Raketen lässt sich kein Keil zwischen die Islamisten und die Bevölkerung im Gaza-Streifen treiben.
Die Erwartung, wonach mehr palästinensisches Leid zu größerer Sicherheit für Israel führen wird, ist unbegründet. Nicht, weil die Menschen die Hamas liebten. Sie tun es längst nicht mehr. Aber wer Bruder, Schwester oder Sohn im Bombenhagel verliert, wird seine Stimme keinem Israel-freundlichen Politiker geben.
Zumindest in den ersten Wochen werden sich die Menschen um die Islamisten-Regierung und ihre Militanten scharen. Allenfalls nach längerer Zeit - und sehr viel mehr Toten - könnte sich dies ändern. Das würde allerdings einen unvorstellbaren Blutzoll erfordern. Auch eine Sicherheitszone wäre nur von begrenztem Nutzen.
Hamas hat immer Wege gefunden, den Terror nach Israel zu tragen. Wenn keine Raketen mehr über den Grenzzaun fliegen, dann sprengen sich in Tel Aviv eben wieder Hamas-Anhänger in die Luft. Allenfalls eine Bodeninvasion und eine neue Besatzung des ganzen Gaza-Streifens könnte vorübergehend zu mehr Kontrolle führen. Aber dies ist angesichts von 1,5 Millionen Gaza-Palästinensern keine Lösung von Dauer.
Während Israel und die Hamas also einen erkennbar unsinnigen Krieg führen, wächst der Unmut in den arabischen Nachbarstaaten. Der libanesische Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ließ den Ägypter Hosni Mubarak wissen, dass dieser mitschuldig werde, wenn er die Grenze zwischen Gaza und Ägypten geschlossen halte.
Nasrallah hat leicht reden. Über die mögliche Massenflucht Zehntausender Palästinenser auf ägyptisches Gebiet muss er sich keine Sorgen machen. Auch nicht über Hamas-Attacken von Ägypten aus. Und schon gar nicht über die Absprache, die Mubarak mit den USA und Israel getroffen hat: Hamas soll in Gaza eingedämmt werden, die zerstrittenen Palästinenser sollen sich versöhnen und so die Bedingungen für israelisch-palästinensische Friedensgespräche erfüllen.
Durch den Gaza-Krieg aber wird Ägyptens pro-westliche Bindung unterspült, wird die Politik Mubaraks gefährdet. Auch ein autoritärer Herrscher wie Mubarak muss auf die Stimmung in der Bevölkerung achten. Also wird er die Grenze nach ein paar Tagen Krieg wohl öffnen müssen. Sonst wird Hamas sie stürmen lassen.
Das Dilemma Mubaraks ist das aller arabischen Regime: Nach einer Weile lassen sich die Leiden der Palästinenser nicht länger ignorieren, wenn der Druck der Straße zu groß wird. Syriens Staatschef Baschar Hafis al-Assad legt bereits die mittelbaren Friedensgespräche mit Israel auf Eis, und die Regierung im Libanon kann der Rhetorik der Islamisten wenig entgegensetzen.
Hisbollah-Chef Nasrallah hat seine Kämpfer an der Grenze zu Israel mobilisiert. Das ist eine Warnung: Der Krieg um Gaza kann leicht den gesamten Nahen Osten entflammen. Selbst wenn der Konflikt auf Gaza begrenzt bleiben sollte, wächst die Instabilität, zeigen sich neue Risse im Fundament der arabischen Regime.
Dieser Krieg schafft keine sichere Zukunft. Mit jeder Bombe liefert Israel seinen Gegnern neue Argumente, schwächt es die gemäßigten Regierungen. Iran, der große Unsicherheitsfaktor im Nahen Osten, nutzt die Stunde. Teheran trommelt schon zum gesamtarabischen Aufstand gegen "das zionistische Gebilde". Iran macht gegenüber Mubarak und den arabischen Königen Punkte im Wettbewerb um regionale Führung.
Der neue Gaza-Krieg bestätigt die alte Binsenweisheit: Ohne Lösung des Palästina-Problems wird es in Nahost keine Ruhe geben, werden die morschen arabischen Regime weiter erodieren. Aber Israel ist nicht friedenswillig. Jedenfalls nicht zu den Bedingungen der UN.
Die Palästinenser sind ebenso wenig bereit zur Aussöhnung. So wird es nach langen Tagen des Tötens in Gaza eine diplomatische Lösung geben, mit der die Probleme nicht gelöst, sondern verkleistert werden. Bestenfalls.
Schlimmstenfalls greift der Konflikt über auf den Libanon oder auf Iran. Als Einsicht bleibt: Bomben können politische Konzepte nicht ersetzen. Derzeit tun sie es dennoch.
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(SZ vom 30.12.2008/cag)
Der Artikel beschreibt gut die situation der arabischen Staaten, deren Regierungen immer mehr unter Druck geraten. Leider wurden die Saudis kaum erwähnt. Der status quo soll möglichst erhalten werden. Schaut man genau hin, was die Hamas Raketen anrichten und im Vergleich dazu die iraelischen Bomber so liegt der Vergleich David gegen Golith nahe.
Der weltimperator USA und sein verlängerter Arm im Nahen Osten Israel haben die palästinensischen Gebiete seit Jahrzehnten dezimiert und in eine Art löchrigen Schweizer Käse verwandelt. Die Eroberung und gewaltsame Landnahme und Vertreibung geschehen ausschliesslich seitens der westlichen Staaten.
Der immer wieder beschworene Terrorismus der Muslime findet nicht statt und hat nicht statt gefunden. die imperialen Kriege oder Stellvertreter Kriege der Supermacht USA hingegen fordern Millionen von Toten.
Das zionistische Regime ist kein Staat des Säkularismus. Die Geisteshaltung dieser Regierung ist die des von Gott bevorzugten Menschengeschlechts, dem andere- Nichtjuden, Araber, Gojs - weichen müssen.
ein Friede im Sinne der zionisten könnte nur erreicht werden, wenn sich die Palästinenser als Menschen zweiter Klasse bekennen und sich freiwillig unterordnen und mit den ihnen dann zugewiesenen almosen zufrieden geben.
Dass eine solche Vorstellung eine Illusion ist, sollte einleuchten.
Sollte Mubarak von der anderen seite des Gefängnisses weiterhin die Türen versperrt halten kann ihn das bald sein Amt oder auch seinen kopf kosten.
Ich glaube, dass auch die Saudis intensiv nachdenken, wie sie sich aus der Umklammerung und den Verpflichtungen der USA abseilen können , ohne einen offenen Konflikt zu riskieren. Das Ende des Petrodollars kann schnell kommen.
ein Schiff mit medizinischen güter aus Katar ist schon bei Gaza angelandet. dies könnte bald weiteren aktionen nach sich ziehen.
Israel zeigt im Moment sehr deutlich seinen Geisteszustand und einer stärker werdenden Weltöffentlichkeit fällt auf, dass sich so ein ehemals geknechtetes Land nicht verhalten kann. Ohne den Tropf der USA und ihrer Vasallen könnte das ein rasches Ende der lokalen Hegemonie bedeuten.
Die Lösung, bei der die Maximalziele der Hamas (Israel zu vernichten) in kürzester Zeit keine Gefolgschaft mehr in der palästinensischen Bevölkerung hätten, ergibt sich im Grunde aus UN-Resolutionen der letzten 50 Jahre und völerrechtlichen Standards. Israel muss alle Siedlungen in der Westbank räumen, einschließlich der Osthälfte Jerusalems und sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückziehen. Die durch ethnische Säuberungen (zionistische Ideologie, leider!) heimatvertriebenen Palästinenser sind für die Enteignung und Vertreibung zu entschädigen und es ist ein palästinensischer Staat zu gründen. Die Unterschrift von Präsident Abbas unter ein solches Konzept wäre gewiss und Israel muss dazu durch die USA gezwungen werden, von deren Waffenlieferungen und Geld Israel abhängt. Das Problem sitzt in den USA. Jede Regierung dort hat Angst vor der übermächtigen jüdischen Lobby, die jeden Politiker abstraft, der eine Lösung nach den gerechten Vorstellungen der UN durchsetzt.
" ... den Protagonisten des Problems den Geldhahn zu zudrehen und hoffen, dass es sich mit der Zeit aus wächst, ähnlich wie die Britten im Nordirland agiert haben."
Offenbar sind Sie über den Friedensprozess in Nordirland nicht so ganz informiert. Dort wurde niemandem der Geldhahn abgedreht und es wurde auch nicht abgewartet. Die Briten haben den Kontakt zur IRA nie abreissen lassen (zu den Loyalistenmilizen ja sowieso nicht, die haben sie tw. ja unterstützt). Es gab _immer_ offene Kanäle, über die verhandelt wurde.
Das unterscheidet die Briten von den Israelis. Und noch etwas anderes unterscheidet sie: Die Briten haben schon Anfang der 70er gewusst, dass sie die IRA militärisch nicht besiegen können (genau so wenig wie umgekehrt). Israel setzt ausschließlich auf Gewalt und hat es immer noch nicht begriffen.
Wann endlich sieht der Westen ein, dass man den Israelis nicht alles durchgehen lassen kann. In Deutschland bist Du gleich ein Antijude, wenn Du diese Art der sogenannten Kole-
teralschäden (menschenverachtend) anprangerst.
Doch nach meiner Meinung kann der jüdische Staat niemals in Frieden leben solange er
auf einer Art Vormacht und Sonderstellung besteht. Hoffentlich ändert sich die Haltung
Amerikas nach der Vereidigung Obam's, von der Deutschen Regierung erwarte ich hier garnichts, im Extremfall schickt Angela Deutsche Soldaten, was Sie ja so gerne macht,
dies soll eine satirisch gemeinte Bemerkung sein.
Alle Welt weiß, dass Israel die Atombombe besizt, ich wage garnicht daran zu denken
wie es werden könnte, wenn sich die arabische (islamische)Welt zu einer gemeinsamen
Haltung im Naostkonflikt zusammenfinden sollte, es könnte ein Inferno werden.
Ich bin völlig Ihrer Meinung : Die Hardcore-Israelis und die Hammas brauchen sich gegenseitig Ich sage immer Hamas, El-kaaida, etc. sind die Geschöpfe Israels, je mehr die Palästinenser leiden, desto mehr profitieren sie. Dagegen bekommen die Zionisten ein Persilschein von Georgie, Angie und co. um diese Terroristen zu bekämpfen und nebenbei die Expansionspolitik und die ethnische Säuberung (die seit mittlerweile mehr als 100 Jahre andauert) weiter und immer brutalerr zu betreiben
Und übrigens es sind EINIGE wenige Palästinenser die nichtan einer Aussöhnung interessiert sind...
Gruß
Paging