Israel hat seine Offensive im Gaza-Streifen unvermindert fortgesetzt. Panzer rücken weiter auf Gaza vor - doch das Ende der Kämpfe könnte langsam in Sicht sein.

Zu Beginn der dritten Woche der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen bleiben die Fronten verhärtet. Israel machte deutlich, dass es sich keinem internationalen Druck beugen werde. Ministerpräsident Ehud Olmert deutete aber ein mögliches Ende an: "Wir nähern uns den selbst gesetzten Zielen an", sagte Olmert zum Auftakt der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem.

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Die Kämpfe im Gaza-Streifen gehen unvermindet weiter. (© Foto: AFP)

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Der amtierende Regierungschef Olmert rief seine Landsleute zu Geduld und Entschlossenheit auf, um nicht in letzter Minute das zu verlieren, was zuvor in einer beispiellosen Anstrengung des ganzen Landes erreicht worden sei. Israel hatte am 27. Dezember seine Offensive begonnen, um nach eigenen Angaben den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser soweit wie möglich zu reduzieren.

Ein "Meer von Blut"

Der Chef der radikal-islamischen Hamas Chaled Maschaal hat Israel unterdessen vorgeworfen, mit der Militäroffensive im Gaza-Streifen einen Holocaust zu betreiben. Der einzige Erfolg der israelischen Invasion sei es, das Palästinensergebiet in ein "Meer von Blut" zu verwandeln, sagte Maschaal in einer Ansprache in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er lehnte die von Israel geforderte langfristige Waffenruhe ab, weil damit das Recht des palästinensischen Volkes auf Widerstand beschnitten werde.

Nach den Worten Maschaals wird die Hamas auch keine internationalen Beobachter im Gazastreifen akzeptierten. Hamas hat gefordert, alle internationalen Initiativen müssten ein Ende der israelischen Angriffe, einen sofortigen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen, ein Ende der Blockade und eine Öffnung aller Grenzübergänge beinhalten.

Israel setzte seine Offensive im Gazastreifen in der Nacht zum Sonntag unvermindert fort. Bodentruppen rückten weiter in die Stadt Gaza vor. Nach Augenzeugenberichten rollten israelische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge etwa einen Kilometer tief in den Süden der Stadt. In dem Scheich Adschlin-Viertel in Küstennähe sei es zu heftigen Kämpfen mit militanten Palästinensern gekommen.

Tausende Verletzte

Zuvor waren bei israelischen Angriffen an verschiedenen Orten im Gazastreifen zwölf Palästinenser getötet worden, darunter sechs bei einem Luftangriff in Bet Lahia. Laut palästinensischen Ärzten starben am Samstag mehr als 30 Menschen. Insgesamt belief sich die Zahl der Toten seit dem 27. Dezember nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza bis Sonntagmittag auf 878, mehr als 3500 seien verletzt worden.

Eine israelische Armeesprecherin sagte am Sonntag, die Luftwaffe habe seit Mitternacht etwa 60 Ziele angegriffen, darunter an der Grenze zu Ägypten mehrere Schmugglertunnel. Die israelische Luftwaffe bombardierte in der Nacht zum Sonntag auch das Haus von Ahmed al- Jabari, einem der wichtigsten Führer der radikal-islamischen Hamas- Organisation im Gazastreifen. Unklar war, ob es dabei Opfer gab. Die Hamas-Spitze ist untergetaucht. Auch Jabari, Kommandeur des militärischen Hamas-Flügels, wechselt aus Furcht vor Anschlägen ständig das Versteck.

Eine dreistündige Feuerpause wurde wieder nicht eingehalten. Nach Angaben eines Armeesprechers feuerten militante Palästinenser während dieser Zeit Raketen auf Israel ab. Mindestens 15 Raketen seien am Sonntag auf israelischem Boden eingeschlagen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier führte am Sonntag Gespräche in Israel. In Jerusalem kam er am Vormittag mit Staatspräsident Schimon Peres zusammen. Peres versicherte Steinmeier, dass Israel den Gazastreifen nicht wiedererobern wolle. Ziel Israels sei auch nicht der Sturz der Hamas. Israel wolle die Raketenangriffe beenden.

Bewohner gewarnt

Israel hatte am Samstag die Bewohner des Gaza-Streifens auf Flugblättern auf Arabisch vor einer möglichen Ausweitung der Militäroperationen gewarnt. Die Einwohner sollten der radikal-islamischen Hamas nicht helfen und sich von Hamas-Mitgliedern fernhalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte unterdessen die grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme Deutschlands an einer internationalen Mission, die sicherstellt, dass die Hamas Israel künftig nicht mehr mit Raketen beschießt. Merkel sagte Bild am Sonntag auf eine entsprechende Frage: "Deutschland ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird ihr gerecht. Das haben wir auch bei der Lösung der Libanon-Krise vor zwei Jahren gezeigt. Ich setze mich intensiv für eine schnelle Waffenruhe ein." Die Hamas, die ebenfalls Gespräche mit der ägyptischen Führung in Kairo über den Weg zu einer Waffenruhe führt, will keine ausländischen Soldaten im Gaza-Streifen.

Abbas erklärte, der von Ägypten und Frankreich unterbreitete Plan für eine Waffenruhe sei das richtige Instrument zur Umsetzung der UN-Resolution 1860. Die am Donnerstag verabschiedete Resolution fordert eine sofortige Waffenruhe, wurde aber bislang sowohl von Israel als auch von der Hamas ignoriert. Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag weltweit gegen die israelische Militäraktion im Gaza-Streifen. Große Kundgebungen gab es etwa in Paris, wo nach Angaben der Veranstalter rund 100.000 Menschen protestierten. Die Polizei machte keine Angaben zu der Zahl der Demonstranten.

Proteste auf der ganzen Welt

In London kam es am Samstagabend zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Drei Beamte wurden bei den Auseinandersetzungen mit etwa 200 Demonstranten verletzt, ein Polizist wurde bewusstlos geschlagen, teilte Scotland Yard mit. Nach einem zunächst friedlichen Marsch warfen die Protestierenden Gegenstände auf die Polizisten und schlugen Schaufenster ein. Die Polizei ging von 40 Festnahmen aus. An der Demonstration hatten nach offiziellen Angaben 20.000 Menschen teilgenommen, nach Medienangaben waren es rund 50.000.

In mehreren Städten Deutschlands protestierten knapp 35.000 Menschen gegen das Vorgehen der Israelis im Gaza-Streifen. Auch in den Hauptstädten Skandinaviens gab es Proteste mit mehreren tausend Teilnehmern. In Washington demonstrierten mehrere tausend Menschen. Der Protest im Lafayette Park vor dem Weißen Haus verlief friedlich. Die Demonstranten forderten auf Schildern und Sprechchören ein "freies Palästina".

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(dpa/Reuters/vw/cmat)