Krieg gegen Gaddafi Nato-Bomber werfen Flugblätter über Libyen ab

Die Nato hat erneut Ziele in der Hauptstadt Tripolis unter Beschuss genommen - darunter angeblich auch ein Wohnviertel. Das Militärbündnis setzt aber noch auf eine andere Strategie, um Gaddafis Soldaten zum Umdenken zu bewegen.

Die libysche Hauptstadt Tripolis ist nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens am späten Dienstagabend erneut von Nato-Flugzeugen angegriffen worden. Den Angaben zufolge sei auch ein Wohnviertel getroffen worden. Die Aufständischen meldeten dagegen in ihren Internetforen, die Nato habe im Al-Furnadsch-Viertel eine Kommandozentrale der Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi angegriffen. Es soll Opfer gegeben haben.

Über der Stadt Zlitan westlich von Misrata warf das Militärbündnis Flugblätter ab, in denen sie die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi zur Aufgabe aufruft. Auf den Flugblättern waren das Symbol der Nato sowie Bilder von einem Kampfhubschrauber und einem brennenden Panzer zu sehen. "Es gibt keinen Ort, um sich zu verstecken. Es ist nicht zu spät, den Kampf zu beenden", heißt es in den Schreiben. "Wenn Ihr weiter Zivilpersonen bedroht, werdet Ihr vernichtet."

Die libyschen Rebellen, die schon seit Wochen mit dem baldigen Ende von Gaddafi rechnen, werden derweil immer ungeduldiger - und begehen deshalb taktische Fehler. Rebellengeneral Chalifa Haftar rief die Kämpfer über die lokalen Medien dazu auf, Ruhe zu bewahren und keine übereilten Offensiven mehr zu wagen. An der östlichen Front nahe der Stadt Al-Brega habe es in den vergangenen Tagen zahlreiche Opfer gegeben, weil Kämpfer ohne einen Befehl der militärischen Führung einfach losmarschiert seien, um Feindkontakt zu suchen. Bei den Kämpfen um die Ölstadt Brega sind nach Angaben der Aufständischen

Allerdings konnten die Rebellen nach einem wochenlangen Stillstand in den Kämpfen gegen die Regierungstruppen am Dienstag Geländegewinne im Osten und Westen des Landes erzielen. Im Westen nahmen die Aufständischen die Stadt Kikla ein und rückten weiter in Richtung Zlitan vor, berichteten Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters. Kikla liegt etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt. Die Aufständischen erlitten aber einen Rückschlag, weil eine Raffinerie in der von ihnen kontrollierten Küstenstadt Misrata von Raketen getroffen und damit die Benzinversorgung unterbrochen wurde.

Kritik am Vorgehen der Nato kommt aus Südafrika: Präsident Jacob Zuma sagte, die Allianz nutze die UN-Resolution, um einen Regierungswechsel zu erzwingen. "Wir sind überzeugt, dass die in guter Absicht entstandene Resolution dazu missbraucht wird, einen Regimewechsel herbeizuführen, politische Morde zu begehen und das Land ausländisch militärisch zu besetzen", sagte Zuma. Südafrika spielt eine wichtige Rolle beim Versuch der Afrikanischen Union, eine Vermittlerrolle einzunehmen.

Auf äußerstes Missfallen beim angeschlagenen Regime von Oberst Gaddafi war am Vortag der Besuch von Bundesaußenminister Guido Westerwelle in der Rebellenhochburg Bengasi. Der deutsche Außenminister hatte bei seinem Besuch am Montag erklärt, den Übergangsrat der Rebellen nun als legitime Vertretung des Volkes anzuerkennen. Auch Kanada folgte diesem Schritt am Dienstag.

Tripolis betrachte dies als "unverantwortlichen Schritt" sowie als "eklatante Verletzung der nationalen Souveränität und Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates und UN-Mitgliedslandes", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums, die am Vortag in der libyschen Hauptstadt veröffentlicht wurde.