Trotz aller Sparappelle haben die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherung nach einem Zeitungsbericht im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht. Sie lägen bei 8,02 Milliarden Euro, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf die neue Jahresstatistik des Gesundheitsministeriums.
1991 hätten die Kassen pro Mitglied 94 Euro für die Verwaltung ausgegeben, im vergangenen Jahr 157 Euro. Auch im ersten Quartal 2003 lagen die Nettoverwaltungskosten dem Bericht zufolge mit 1,8 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum (1,7 Milliarden).
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Kassen-Sprecher waren bereits am Wochenende davon ausgegangen, dass einige Versicherungen ihre Verwaltungsausgaben deutlich senken und die Beiträge reduzieren könnten. "Viele Krankenkassen können ihre Verwaltungskosten um bis zu einem Drittel kürzen", sagte der Sprecher der Gmünder Ersatzkasse der Berliner Zeitung. Der Sprecher der Direktkrankenkasse BIG erklärte, rechnerisch wäre ein 0,3 Punkte niedrigerer Durchschnitts-Beitragssatz möglich.
Der Chef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, prophezeite neue Milliarden-Lasten. "Ab 2005 kommen auf die Kassen rund 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten zu, weil sie dann die medizinischen Behandlungskosten für Pflegefälle übernehmen", sagte er der Financial Times Deutschland. Auch die elektronische Gesundheitskarte, die 2006 eingeführt werden soll, koste die Kassen mindestens 1 Milliarde Euro mehr.
Das Problem sind die Kosten
Baden-Württembergs Sozialminister Friedhelm Repnik (CDU) sagte in der Tageszeitung Die Welt, das Problem im Gesundheitswesen seien weniger die Kosten als vielmehr die fehlenden Einnahmen. Er plädierte dafür, auch auf Einnahmen aus Mieten und Kapitalanlagen Beiträge zu erheben.
Unterdessen stößt der Gesundheitsreform-Kompromiss weiter auf Kritik. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte in der Berliner Zeitung: "Es zeigt sich, dass die Konsensreformen - sogar gemessen an den wenig ambitionierten Zielen - nicht ausreichend sind."
Entscheidend sei es, den Wettbewerb zu stärken. Auch Ärzte, Krankenhäuser, Pharmaindustrie und sonstige Gesundheitsdienstleister sollten sich einem größeren Wettbewerb stellen müssen.
Repnik, der einer der Unionsunterhändler war, wies solche Kritik zurück. "Mit einem Entlastungsvolumen von über 20 Milliarden Euro ist dies die größte Sozialreform seit der Deutschen Einheit", sagte er.
Kritik an Einschränkung von Leistungen für alte Menschen
Derweil kritisierte der Berater des Bundesministeriums, der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, neue Forderungen nach Einschränkung der medizinischen Leistungen für alte Menschen.
Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, hatte am Wochenende gesagt: "Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen." Lauterbach argumentierte im Berliner Tagesspiegel, dass die Kosten ohne Operation durch teure Schmerzmittel und die erforderliche Pflege noch höher sein könnten.
(sueddeutsche.de/dpa)
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