Hunderttausende Erwerbslose sind kaum noch vermittelbar. Warum es schwierig ist, ihnen gemeinnützige Aufgaben zu übertragen: Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Senioren in Altenheimen Bücher vorlesen, in Sportvereinen helfen oder Straßen sauber halten - so stellt sich die stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Hannelore Kraft, die Zukunft von Langzeitarbeitslosen vor, die keinen regulären Job mehr finden. Aber ist es überhaupt möglich, einen "gemeinwohlorientierten Arbeitsmarkt" aufzubauen, wie es die SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) formuliert? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
Ein-Euro-Jobs sind umstritten - auch deshalb, weil Ein-Euro-Jobber dadurch reguläre Beschäftigungsverhältnisse verdrängen. (© Foto: dpa)
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Um welche Arbeitslosen geht es?
Knapp 6,7 Millionen Menschen sind derzeit auf Hartz IV angewiesen. Von diesen Hilfsbedürftigen sind etwa 1,8 Millionen Kinder, 4,9 Millionen sind erwerbsfähig. Nur ein Teil schafft aber den Sprung zurück in ein geregeltes Berufsleben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellte kürzlich fest: "Viele Bedarfsgemeinschaften bleiben lange bedürftig." Das IAB fand heraus, dass seit Einführung der Hartz-Gesetze 2005 bis Ende 2007 1,5 Millionen Hartz-IV-Haushalte durchgehend auf die staatliche Unterstützung angewiesen waren. Kraft selbst spricht von 1,2 Millionen Langzeitarbeitslosen mit besonderen Handicaps.
Sieht die Bundesagentur für Arbeit das genauso wie die SPD-Politikerin?
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen beziffert die BA offiziell mit 933.000. Viele von ihnen haben gleich mehrere Vermittlungshemmnisse, wie es in der BA heißt: Sie haben zum Beispiel Schulden, sind häufig krank, ohne Berufsausbildung. Oder sie sprechen kaum Deutsch. In einem BA-Papier aus dem Jahr 2006 ist von einem "arbeitsmarktfernen Personenkreis von wenigstens 400.000" die Rede. Gemeint sind damit Menschen, die noch nie oder seit mehr als sechs Jahren nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren.
Existiert bereits ein gemeinwohlorientierter Arbeitsmarkt?
Es gibt einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt für gemeinnützige Jobs, die keine reguläre Beschäftigung verdrängen dürfen. Im Februar 2010 registrierte die BA hier 292.000 Stellen. 245.000 waren davon sogenannte Ein-Euro-Jobs, bei denen sich Hartz-IV-Bezieher ein schmales Entgelt hinzuverdienen dürfen. Die Ein-Euro-Jobs sind jedoch umstritten: Der Bundesrechnungshof stellte fest, dass Ein-Euro-Jobber häufig Aufgaben der Kommunen übernehmen - und zum Beispiel als Gärtner arbeiten statt in einer Essens-Tafel warme Mahlzeiten auszuteilen. Geförderte Billig-Arbeiter verdrängen dadurch reguläre Beschäftigungsverhältnisse.
Was will Hannelore Kraft ändern?
Auf dem öffentlich geförderten Arbeitsmarkt sind die Jobs befristet. Die SPD-Politikerin plädiert dafür, Langzeitarbeitslose dauerhaft gemeinnützig zu beschäftigen - auf freiwilliger Basis, finanziert von der öffentlichen Hand. "Es muss darum gehen, dass diejenigen, die arbeiten wollen, sich auch einbringen können", sagt die NRW-Spitzenkandidatin. Bei der Höhe der Bezahlung wollte sie sich nicht festlegen. Es solle aber mehr geben als bei den Ein-Euro-Jobs.
Ist der Vorschlag neu?
Nein, im Koalitionsvertrag der früheren schwarz-roten Koalition stand bereits 2005: "Personen, deren Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist, und die keine Arbeit auf dem regulären Arbeitsmarkt finden können, müssen eine Perspektive bekommen." Es sei deshalb zu prüfen, ob sich für diese Gruppe von Menschen Stellen zur Verfügung stellen lassen, "die eine sinnvolle und den individuellen Möglichkeiten entsprechende Entfaltung zulassen". Entscheidendes passiert ist seitdem jedoch nicht.
Wie lässt sich die Idee umsetzen?
Dies geht nur über regionale Bündnisse. Experten aus der jeweiligen Kommune, der BA, von Arbeitgebern und Gewerkschaften müssten festlegen, welche gemeinnützige Arbeit sinnvoll ist und keine Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt vernichtet. Wie schwierig das ist, zeigt der Vorschlag von Kraft, Langzeitarbeitslose in Altenheimen Bücher vorlesen zu lassen. Das tun bereits jetzt sogenannte "Alltagsbetreuer", die regulär beschäftigt sind.
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(SZ vom 9. März 2010/plin)
Stockender Kita-Ausbau
Die Deutschen neigen traditionell dazu, die Verantwortung beim Staat zu suchen. Das ist leider historisch bedingt.
Der Staat soll ihnen einen Arbeitsplatz besorgen - ansonsten wird geschmollt und über die bösen Politiker geschimpft.
Man darf aber nicht alle Harzer über einen Kamm scheren.
Es gibt redliche Harzer, die ehrlich arbeiten wollen und sich sehr bemühen. Es gibt auch Harzer, die mit einer Krankschreibung ausgestattet, parallel schwarz arbeiten.
In Berlin sind die Zustände besonders schlimm, weil es hier sehr viele junge Harzer gibt, die keinen Schulabschluss haben und nicht vermittelbar sind. Hier gibt es eine parallele Schicht von Schlitzohren, die versuchen, soviel vom Staat zu saugen, wie es eben geht. Man darf auch ruhig mal sagen, dass es in migrantenreichen Quartieren wie Neukölln oder Wedding in dieser HInsicht besonders schlimm aussieht. Sarrazin hat so Unrecht nicht in diesen Punkten.
Insofern sind Sachleistungen und Gutscheine gut, Geldleistungen werden oft missbraucht, für Alkohol, Nikotin oder Spielsucht.
Ausserdem müssten besonders degenerierte Harzer (die durch Fehlernährung übergewichtig und nikotin- oder alkoholabhängig sind) in besonderen Therapiezentren behandelt werden.
Diese Leute sind teilweise völlig abgerutscht. Bei den Harzern mit Migrantenhintergrund sollte man Leistungen nur dann bewilligen, wenn etwa Deutschkurse besucht werden. Leuten mit islamistischem Hintergrund sollte man gar keine Sozialleistungen bewilligen.
Natürlich meine ich das ernst, sonst hätte ich es nicht geschrieben. Aber Sie scheinen nicht zu wissen, was Sozialdemokratie bedeutet oder welche Verpflichtungen sie mit sich bringt. Dabei geht es eben nicht um körperliche Merkmale oder den Unterschieden in den einzelnen Arbeiten, sondern dass jeder seinen Fähigkeiten nach die gleiche Chance erhält, etwas zu leisten, für sich selbst und andere. Kritisieren Sie nichts, was Sie offensichtlich in keiner Weise verstanden haben. Chancen kann man nur nutzen, wenn Sie denn bestehen. Übrigens kann man sich bei Wikipedia hervorragend über die Sozialdemokratie informieren. Vielleicht wird Ihnen dann klar, was ich gemeint habe.
daß die Menschen die Fr. Kraft (und auch Westerwelle) zwangsbeglücken möchten, mit aller Gewalt weiterhin im Hartzmurks gehalten werden sollen.
Eine Entlastung der Sozialkasse durch Abbau der Arbeitslosigkeit ist nicht vorgesehen. Eine Stärkung der Sozialkassen durch Aufbau von soz.vers.pfl. Festanstellungen ein undenkbares Greul.
Sowohl Westerwelles, als auch Krafts Vorschlag impliziert eine erhöhte staatliche Aufwendung. Von momentan 1000€ je Singlehaushalt auf mindestens 1500€.
Nutznießer sind praktisch nur die Unternehmen welche (letztlich zur Freiwilligkeit gezwungene) Arbeitslose übernehmen. Deren Gehaltszahlungen werden restlos vom Staat übernommen.
"Ich kann mich erinnern, dass zu Beginn meiner Berufstätigkeit in jedem Betrieb der eine oder andere "Sozialfall" beschäftigt war."
Das gibt´s auch heute noch, seien Sie sicher. Ich kenne nicht wenige Arbeitgeber, die Ihrer Verantwortung hier sogar mehr als gerecht werden.
Aber ich kenne auch andere. In einer Arbeitswelt, in der heute jeder 2-3 mal soviel leisten muss, wie "früher", ist ein solcher "Sozialfall" nur ein schlechtes Beispiel für die Arbeitsmoral der anderen und ein möglichst umgehend wegzudeligierender Kostenposten.
die Froderungen nach Vollbeschäftigung im ersten Arbeitsmarkt aufstellen, dann aber unisono darauf verweisen, dies hätte die Politik (also immer die Anderen) zu erledigen.
Tatsächlich ist unser System aber so komplex, daß eine nicht durchdachte Zwangsteuerung durch die Politik unerwünschte Zustände an anderen Stellen herbeiführt. Selbst die Rahmenbedingungen eines auskömmlichen flächendeckenden Mindestlohnes und soziale Mindeststandards der Bevölkerung sind von der Verteilungsmasse im Inland und den Gerechtigkeitsansprüchen aller Bürger abhängig. Die Demokratie tariert das nach Wählergusto aus.
Wenn also eine andere Gewichtung erfolgen soll, dann braucht sie Mehrheiten im Parlament. Sich dieses Grundmechanismus unserer Demokratie zu bedienen und für andere Mehrheiten aktiv zu kämpfen, wäre besser, als hier zu resonieren, daß Andere es ständig falsch machten. Die Anderen haben eben andere Überzeugungen und sind offenbar deshalb gewählt worden.
Also schafft Mehrheiten für Eure Überzeugungen - tut was, statt zu lamentieren!
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