Kosten der Energiewende Seltsame Prioritäten im Umweltministerium

Es ist viel für die Armen, die jeden Cent umdrehen müssen, ja, das schon. Es ist aber nicht viel für die Mehrheit; und es ist nicht viel angesichts dessen, um was es geht. Man könnte den Energiewende-Beitrag sogar auf fünf Cent steigen lassen - und würde doch kaum eine Familie ins Unglück stürzen. Warum also stellt Peter Altmaier die Energiewende in Frage? Ein "bezahlbarer" Strompreis habe "höchste Priorität", sagt er. Wenn er den für wichtiger als die Energiewende hält, dann hat das Land jetzt einen Umweltminister mit sehr seltsamen Prioritäten.

Politiker, die die wirtschaftlichen Folgen der Energiewende mildern möchten, sollten den Menschen helfen, weniger Energie zu verbrauchen - mit Anreizen und Vorschriften. Stattdessen verliert Altmaier offenbar den Mut und zweifelt am Ziel der Bundesregierung, bis 2020 zehn Prozent Strom einzusparen.

Wer sich Sorgen um den Strompreis macht, könnte auch dafür eintreten, die Kosten der Energiewende anders zu verteilen. Die Bundesrepublik leistet es sich, Firmen, die besonders viel Strom verbrauchen, weitgehend von der Umlage für erneuerbare Energien zu befreien - was Einnahmeverluste in Milliardenhöhe bedeutet. Solange das möglich ist, scheint Geld nicht das Problem bei der Energiewende zu sein.

Tarifwechsel? Zu anstrengend

Zugegeben, Strom ist für Haushalte erheblich teurer geworden, seit 2007 um fast 30 Prozent. Der Beitrag für erneuerbare Energien macht davon aber nicht einmal die Hälfte aus; der größere Teil geht auf Preiserhöhungen der Stromerzeuger zurück. Die Verbraucher ärgern sich zwar gern über teuren Strom; aber offenbar nicht genug, um etwas dagegen zu tun.

Fast jeder zweite deutsche Stromkunde bezieht Strom von seinem Grundversorger im Standardtarif. Mit einem Tarifwechsel könnte man sparen, mit dem Wechsel zu einem anderen Anbieter noch mehr. Aber schon dieses bisschen Mühe wollen sich die meisten nicht machen.

Die Leute geben Geld für Autos aus, für Hunde, Tennisschläger und Nagellack. Niemand käme auf die Idee, zu beklagen, dass das Geld kostet. Nur Strom und Energiewende sollen möglichst umsonst sein. Und der Umweltminister übernimmt diese Haltung auch noch.