Kosten der Energiewende Was Strom wert ist

Modernes Leben braucht Strom. Deshalb muss Energie für alle bezahlbar bleiben, das fordert auch der Umweltminister. Allerdings scheut er aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen die Kosten der Energiewende - und vergisst, was für uns alle auf dem Spiel steht.

Ein Kommentar von Marlene Weiss

Ein Leben ohne Strom - das hieße, seine Wäsche bei Kerzenlicht und per Hand zu waschen, Lebensmittel nicht im Kühlschrank, sondern unter der Kellertreppe zu lagern; auf Computer, Fernseher und Stereoanlage zu verzichten. Das kann machen, wer das romantisch findet; aber verlangen kann man derlei heute von niemandem mehr. So gesehen ist richtig, was Umweltminister Peter Altmaier sagt: Energiewende hin oder her, der Strom muss bezahlbar bleiben. Bezahlbar - das heißt aber nicht: billig und unbegrenzt verfügbar. Es heißt nur, dass es auch Menschen mit wenig Geld noch zumutbar sein muss, ihre Stromrechnung zu begleichen.

Was aber wäre ein guter Preis für Strom, was ist Strom wert? Ein halbwegs sparsamer Fernseher verbraucht in der Stunde Strom für weniger als drei Cent. Fünf Kilogramm Wäsche bei 40 Grad waschen? Macht 15 bis 30 Cent zusätzlich auf der Stromrechnung. Ein Zimmer einen Abend lang beleuchten? Keine zehn Cent. Die Ausgaben für Strom machen nur 2,5 Prozent des Budgets von privaten Haushalten aus. Das ist kaum mehr, als für Körperpflege ausgegeben wird. Sicher, Körperpflege ist wichtig. Strom aber auch.

Wenn man jedoch sieht, wie die meisten Menschen mit Strom umgehen, muss man sich fragen, ob der vielleicht noch nicht teuer genug ist. Geräte laufen im Stand-by-Betrieb, Lampen brennen Tag und Nacht, alte Kühlschränke fressen Strom, als sei das ihr Hobby. Und das ist nur die Verschwendung in Privathaushalten.

Wenn zum Beispiel eine Autowerkstatt auch am Samstagabend unter Festbeleuchtung steht, ist dies ein Hinweis darauf, dass Energiepreise auch in der Wirtschaft nicht als wirklich belastend empfunden werden. Zwar steigt der gesamte Stromverbrauch in Deutschland nicht mehr dramatisch. Aber er geht auch nicht zurück - obwohl Geräte heute viel effizienter sind als früher.

Der wahre Strompreis ist viel höher

Dabei verursacht Strom viel höhere Kosten als jene, die auf der Stromrechnung stehen. Noch immer stammen etwa 60 Prozent der deutschen Stromproduktion aus fossilen Energieträgern, vor allem Braunkohle und Steinkohle. Der Schaden für Umwelt und Klima wird dem Verbraucher nicht auferlegt, die Natur schickt ja keine Rechnung.

Bezahlen muss er hingegen für den Ausbau erneuerbarer Energien, denn dieser kostet nun einmal Geld. Derzeit beträgt der Beitrag für die Energiewende 3,6 Cent pro Kilowattstunde. Das sind etwa 14 Prozent des Strompreises, den Privatkunden bezahlen; im Durchschnitt etwa zehn Euro pro Haushalt und Monat. Ist das nun viel?

Da geht noch eine ganze Menge

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