Korruptionsvorwürfe Razzia bei Brasiliens Ex-Präsident Lula

Nach der Razzia soll Brasiliens Ex-Präsident Lula zum Verhör mitgenommen worden sein.

(Foto: AFP)

Im größten Korruptionsskandal in Brasiliens Geschichte gerät nun der frühere Star der linken Szene ins Visier. Eine Gefahr für Präsidentin Rousseff?

Im Zusammenhang mit Geldwäsche- und Korruptionsermittlungen hat die brasilianische Polizei am Freitag das Haus des früheren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva durchsucht. Es geht dabei um den seit zwei Jahren schwelenden, milliardenschweren Korruptionsskandal bei Auftragsvergaben des größten Unternehmens des Landes, des Ölkonzerns Petrobras. An der Operation waren insgesamt 200 Polizisten beteiligt.

Lula habe "ruhig reagiert", als die Ermittler am Morgen bei seinem Haus im Bundesstaat São Paulo erschienen, berichtete die Zeitung Folha S. Paulo. Er ließ sich von der Polizei zum Verhör mitnehmen. Unter anderem soll ein Luxus-Appartment Lulas an der Atlantikküste mit Schmiergeldern finanziert worden sein.

Der 70-Jährige und seine Nachfolgerin Dilma Rousseff bestreiten bisher jede Verwicklung in den Skandal. Aber die Ausweitung der Ermittlungen auf den Ex-Präsidenten, der von 2003 bis Januar 2011 regierte, erhöhen den Druck.

Lulas Kampf

Der ehemalige Staatspräsident, Held der Linken in ganz Lateinamerika, würde gern wieder bei der Wahl antreten. Aber er hat Ärger mit der Justiz - und vor allem ein starkes politisches Lager gegen sich. Von Boris Herrmann mehr ...

Der Korruptionsskandal hat das Land lahmgelegt

Rousseffs Zustimmungswerte liegen nur noch bei zehn Prozent, wegen des Korruptionsskandals ist das Land politisch gelähmt. Zudem brach die Wirtschaftsleistung 2015 um 3,8 Prozent ein, es droht die schlimmste Rezession seit 1930.

Auch weitere Objekte, unter anderem das Haus von Lulas Sohn, wurden durchsucht. Erst vor wenigen Tagen hatte der Senator Delcídio Amaral, Mitglied der linken Arbeiterpartei Lulas, ihm vorgeworfen, über ein illegales Bestechungssystem vollständig im Bilde gewesen zu sein.

Seit März 2014 ermittelt die Bundespolizei im Rahmen der Operation "Lava Jato" ("Autowäsche") gegen führende Manager und Politiker des fünftgrößten Landes der Welt. Es ist der größte Korruptionsskandal in dessen Geschichte.

Im Falle Lulas geht es in erster Linie darum, ob er Vorteile für sich, seine Arbeiterpartei oder seine Regierung erschlichen hat. Nach Aussagen von Managern sollen bei überhöhten Vertragsabschlüssen des Petrobras-Konzerns mit anderen Firmen, zum Beispiel für den Bau von Bohrplattformen, über Jahre hinweg mehrere Prozent der Vertragssumme an die Arbeiterpartei, aber auch an andere Parteien geflossen sein.

Neuer Protest gegen Dilma Rousseff

Zehntausende gehen auf die Straße, um den Rücktritt der Präsidentin zu fordern. Die Wirtschaftskrise und die Korruptionsaffäre Petrobras haben ihr Ansehen zutiefst beschäfigt. mehr ...

Der Oberste Gerichtshof hat gerade erst einen Prozess gegen den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, eröffnet. Ihm wird die Annahme von fünf Millionen Dollar an Schmiergeldern vorgeworfen. Der mächtige Politiker der Partido do Movimento Democrático Brasileiro ist ein erbitterter Gegenspieler von Dilma Rousseff und hatte auch das Amtsenthebungsverfahren gegen sie initiiert, dem aber inzwischen kaum noch Chancen eingeräumt werden. Stattdessen könnte bei einer Verurteilung nun Cunhas Karriere ein Ende finden.