Koreakonflikt Was es mit der koreanischen Sportdiplomatie auf sich hat

  • Nordkorea will eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen im Süden entsenden.
  • Ähnliche Termine wurden bisher für versöhnliche Gesten und informelle Gespräche genutzt. Die Teilnahme Nordkoreas an den Spielen in Pyeongchang wird also eher ein sportdiplomatisches als ein sportliches Ereignis.
  • Südkorea hat vorgeschlagen, regelmäßige Treffen getrennter Familien wieder aufleben zu lassen. Das könnte den Boden für eine weitere Entspannung bereiten.
Von Christoph Neidhart, Tokio

Cheerleader sollen aus dem Norden in den Süden reisen, dazu ein Tanztrupp und Taekwando-Kämpfer für Showauftritte. Außerdem einige Offizielle - und auch ein paar Athleten. Zumindest das Eiskunstläufer-Paar Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik, das sich für die Spiele in Pyeongchang qualifiziert hat. So sieht er aus der Vorschlag, den das Regime in Nordkorea dem südlichen Nachbarn für seine Delegation gemacht hat. Er zeigt: Nordkorea ist zwar ein Winterland, aber kaum ein Wintersport-Land. Nur im Eisschnelllaufen (Silber 1964 in Innsbruck) und Shorttrack (Bronze 1992 in Albertville) hat das Land schon Olympia-Medaillen gewonnen.

Zur Antwort schlug Seoul dem Norden vor, zur Eröffnungs- und Schlussfeier sollten die Athleten beider Koreas gemeinsam einmarschieren. Das sagte Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon im Rahmen der ersten gemeinsamen Gespräche seit zwei Jahren.

Eine Einigung über Nordkoreas Beteiligung an den Winterspielen mag eine große symbolische Bedeutung haben. Politisch ist sie bloß die erste und einfachste Hürde eines komplizierten Prozesses zur Entspannung auf der Koreanischen Halbinsel, zu der auch Washington, Peking, Tokio und Moskau beitragen müssen. Also eigentlich nur ein Vorspiel.

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Beide Delegationen geben sich zum Auftakt der Gespräche optimistisch

Die Teilnahme Nordkoreas wird damit eher ein sportdiplomatisches als ein sportliches Ereignis, zumal die Offiziellen, die die Delegation begleiten werden, nicht bloß Sportoffizielle sein werden. Das ist nichts Neues. Zu den Asienspielen 2014 in Incheon tauchten für die Öffentlichkeit völlig überraschend die Nummern zwei und drei der nordkoreanischen Regierungshierarchie zur Schlussfeier auf. Nach der Zeremonie führten sie informelle politische Gespräche mit der südkoreanischen Regierung. Übertreffen könnte Pjöngjang diese Geste nur noch mit einem Abstecher von Kim persönlich - zur Schlussfeier etwa.

Im Waffenstillstandsdorf Panmunjom handeln die beiden Delegationen derzeit die Modalitäten der Teilnahme Nordkoreas aus. Sie müssen zum Beispiel festlegen, wie die nordkoreanische Delegation überhaupt nach Südkorea gelangt. Ganz im Osten der Halbinsel wurde während der Jahre der sogenannten Sonnenschein-Politik zwischen 2000 und 2007, der von Seoul initiierten und finanzierten Tauwetter-Periode, die alte Straßenverbindung von der nordkoreanischen Küstenstadt Wonsan in den Süden wieder aufgemacht. Von diesem Grenzübergang sind es bis nach Gangneung, wo die Eislaufwettbewerbe stattfinden, nur etwa hundert Kilometer. Aber dieser Grenzübergang wurde seit zwei Jahren nicht mehr benutzt.

Seoul unterbreitet einen emotionsbeladenen Vorschlag

In der Nachmittagssitzung der Eröffnungsrunde der Gespräche wollte die südkoreanische Delegation die Wiederaufnahme von Angehörigen-Treffen jener Familien vorschlagen, die vom Koreakrieg (1950-53) getrennt wurden und sich seither nicht mehr gesehen haben, keine Briefe austauschen und schon gar nicht telefonieren können. Seoul wünscht, es solle bereits zum chinesischen Neujahrsfest, das auch in Korea gefeiert wird und dieses Jahr auf den 16. Februar fällt, zu einem ersten Treffen kommen.

Nordkorea hat solche Familienzusammenführungen seit 1985 immer wieder zugelassen. Sie dauerten jeweils zwei bis drei Tage und fanden unter strenger Aufsicht der Staatssicherheit in einem isolierten nordkoreanischen Hotel statt. Kim blockiert diese Treffen seit mehr als zwei Jahren. Dieser emotionsbeladene Vorschlag Seouls dürfte zum ersten Test werden, wie ernst es Kim mit seinem Angebot zur Entspannung ist.

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