Korea-Konflikt Symbol des Unfriedens

Südkorea hat an seiner Grenze einen weithin strahlenden Weihnachtsbaum für den verfeindeten Bruderstaat im Norden aufgestellt. Eine Geste der Versöhnung ist das nicht - schon spricht Nordkorea davon, den Baum zu beschießen.

Von Christoph Neidhart

Südkorea hat für den verfeindeten Bruderstaat einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Dreißig Meter hoch leuchtet an der innerkoreanischen Grenze ein Turm, den eine Kirche mit 100.000 Lämpchen wie einen Christbaum dekoriert hat. Auf seiner Spitze strahlt ein Kreuz.

Als der Baum auf dem Gipfel des Aegibong am Dienstag erstmals angesteckt wurde, sang ein 300-köpfiger Chor Weihnachtslieder. Verstärker plärrten sie nach Nordkorea hinüber.

Der Aegibong etwa dreißig Kilometer nordwestlich von Seoul ist einer der wenigen Punkte im Süden, von denen aus man nach Nordkorea sieht. Bei klarem Wetter kann der Baum sogar in Kaesong, der zweitgrößten Stadt des Nordens, wahrgenommen werden. Ein Pfarrer sprach von einem "Baum der Hoffnung und Versöhnung".

Die südkoreanische Armee hat am Donnerstag allerdings wieder unmittelbar an der Grenze scharf geschossen. Es handle sich um Routine-Manöver, so die offizielle Erklärung. Der Weihnachtsbaum wird von Elite-Soldaten bewacht, verantwortlich für ihn ist der neue Verteidigungsminister Kim Kwan Jin, der Nordkorea neulich mit Luftangriffen drohte.

Südkorea errichtete diesen Christbaum bis vor sieben Jahren immer an Weihnachten - bis Präsident Kim Dae Jung mit dem nordkoreanischen Herrscher Kim Il Jong übereingekommen war, mit dieser psychologischen Kriegführung aufzuhören. Niemand glaubt, dass der Baum eine Geste der Versöhnung sei. Sogar die konservative, regierungstreue Tageszeitung Joongang Ilbo spricht von Anti-Nordkorea-Propaganda.

Die nordkoreanische Parteizeitung Rodong Sinmum drohte, die Armee des Nordens werde den Baum beschießen. Verteidigungsminister Kim konterte: "Wenn der Norden den Baum angreift, werden wir ihn streng bestrafen." Inzwischen werden sogar in Südkoreas Regierungspartei Stimmen laut, der Präsident müsse seine Politik ändern. So könne es nicht weitergehen.