Der Erpressungsversuch irakischer Geiselnehmer hat offenbar das Gegenteil dessen bewirkt, was sie erreichen wollten: Statt die Debatte um das Kopftuchverbot in Frankreich anzuheizen, hat das Ultimatum Muslime und Christen, aber auch sozialistische und bürgerliche Politiker vereint.
Der erbitterte Streit um das Kopftuchverbot in Frankreich ist schlagartig vergessen. Christen und Muslime, vor wenigen Monaten in dieser Frage noch gespalten und zerstritten, stehen jetzt geschlossen in einer "Ablehnungsfront" gegen den brutalen Erpressungsversuch irakischer Entführer.
Frankreichs Innenminsiter Dominique de Villepin auf einer Pressekonferenz mit mit führenden Vertretern der muslimischen Gemeinde. (© Foto: AP)
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Wenn das Kopftuchverbot an französischen Schulen nicht abgeschafft wird, so das Ultimatum der irakischen Geiselnehmer, würden die zwei verschleppten Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot hingerichtet.
Die französische Regierung hat alle Kräfte mobilisiert, um den Sonderkorrespondenten der Zeitung Le Figaro und den Mitarbeiter von Radio France Internationale zu retten.
Der Erpressungsversuch hat offenbar das Gegenteil dessen bewirkt, was die Extremisten eigentlich bezwecken wollten. Statt die Debatte um das Kopftuchverbot wieder anzuheizen, wurden in Frankreich Muslime und Christen, sozialistische und bürgerliche Politiker zusammengeschweißt.
Ein Symbol für dieser "Ablehnungsfront" war auch das Krisentreffen von Innenminister Dominique de Villepin am Sonntag mit Vertretern der muslimischen Gemeinde. Auf dem Gruppenfoto stehen sie einträchtig beisammen, der Innenminister neben einer verschleierten Frau.
"Wichtig war uns die Debatte über das Kopftuch, wir haben unsere Ansicht geäußert, doch jetzt gilt das Gesetz und sollte auch befolgt werden", sagte nach dem Treffen der Präsident des gemäßigten französischen Islam-Rates, Dalil Boubakeur.
Er warf den Entführern vor, das falsche Ziel gewählt zu haben: "Frankreich verdient keine Strafe, sondern ein Dankeschön für seine Irak-Politik." Mit Leuten wie diesen "darf Frankreich nicht verhandeln."
Das Kopftuchverbot soll wie geplant zum Schulanfang am Donnerstag wirksam werden. Die Frage einer Lockerung des Gesetzes stelle sich nicht, sagte Regierungssprecher Jean-François Copé: "Es geht hier um die Werte der Republik, die weltweit gelten."
Zu den Gesetzen der Republik bekennen sich ohne Einschränkung nun auch Fundamentalisten, die bei den Kundgebungen gegen das Kopftuchverbot in vorderster Front mitmarschiert waren und mit scharfen Worten eine "Diskriminierung der Muslime" beklagt hatten.
Der Generalsekretär der radikalen Union Muslimischer Organisationen Frankreichs (UOIF), Fouad Allaoui, forderte junge Mädchen auf, "das Gesetz zu achten".
Noch einen Schritt weiter geht UOIF-Präsident Lhaj Thami Breze: "Diese Entführer sind Feinde des Islam. Ihr völlig unverantwortliches Verhalten schadet der gesamten muslimischen Gemeinde. Alle Muslime Frankreichs sind heute zu Geiseln geworden."
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(dpa)
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