Konzerne fordern EU-Subventionen Atomkraft lohnt sich nicht

Atomkraftbetreiber aus mehreren europäischen Staaten wollen Subventionen von der EU. Ihre Forderung ist ein Eingeständnis, wie überflüssig die Kernenergie ist. Denn die Vorstellung von der Rentabilität der Atomkraft basierte schon immer auf einer schiefen Rechnung. Die EU wäre verantwortungslos, wenn sie dem Drängen nachgibt.

Ein Kommentar von Christopher Schrader

Atomkraft lohnt sich nicht - nicht einmal in Frankreich, das um die 80 Prozent seines Stroms aus seinen 58 Reaktoren bezieht. Anders kann man die Briefe aus Paris, London, Prag und Warschau nicht interpretieren, mit denen die Länder bei der Europäischen Union für die Kernenergie werben. Man solle den Atomstrom doch bitte subventionsfähig machen. Die Betreiber der Meiler möchten Geld aus den Töpfen, die für Solaranlagen, Windparks und Biomassekraftwerke da sind. Diese Briefe sind ein Eingeständnis, wie überflüssig die Kernkraft ist.

Eigentlich galt Atomstrom ja als besonders billig. Die Kraftwerke verschlangen zwar im Bau viele Millionen, aber der Betrieb und der Brennstoff waren so preiswert, dass die Kilowattstunde in der Erzeugung nur wenige Cent kostete. Bloß war das schon immer eine schiefe Rechnung, weil die Betreiber viele Posten auf die Allgemeinheit abgewälzt haben. Die Suche nach einem Endlager des Atommülls überließen die Konzerne den Regierungen, die Sicherung der Transporte ebenso, und Versicherungen gegen die Schäden, die nukleare Unfälle auslösen könnten, gibt es nicht einmal.

Aber inzwischen haben sich die Anforderungen an die Sicherheit der Anlagen überall deutlich verschärft, das steigert die Baukosten. Und in den Stromkonzernen, wo man im Gegensatz zu manchem Regierungssitz rechnen kann, stellen die Manager fest, dass ein Kernreaktor nur dann ein gutes Geschäft ist, wenn alles gutgeht. Die Konzerne zögern darum mit neuen Investitionen, verlangen Garantien über viele Jahrzehnte. Deshalb stocken der (Wieder-)Einstieg in die Kernkraft in Großbritannien und Polen sowie der Ausbau in Tschechien und Frankreich.

Und die Manager wissen auch: Kommt es auch nur in einem Land der EU zu einem ernsten Unfall, werden ihre Anlagen zu Investitionsruinen, ganz egal, was die Regierungen vorher versprochen haben. Den Reaktoren daher ein grünes Mäntelchen überzuwerfen und sich aus den Subventionen für wahrhaft erneuerbare Energien zu bedienen, könnte die Investitionsentscheidung versüßen. Die Europäische Union wäre verantwortungslos, stimmte sie dem zu.