Kontroverse um äthiopische Juden Israel verbietet Zwangsverhütung

Schwere Vorwürfe gegen israelische Gesundheitsbehörden: Sie sollen jüdischen Einwanderinnen aus Äthiopien gegen deren Willen Verhütungsmittel gespritzt haben. Jetzt untersagt die Regierung Ärzten diese Praxis - Bürgerrechtler werten das als Eingeständnis.

Hat Israels Regierung zum ersten Mal zugegeben, jüdischen Einwanderinnen aus Äthiopien - Falaschinnen - ohne deren Wissen Verhütungsmittel gespritzt zu haben?

Das Gesundheitsministerium wies Ärzte in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, an,

"... keine Verhütungsmittel mehr zu verschreiben, wenn den betroffenen Frauen, warum auch immer, die Tragweite dieser Behandlung und mögliche Nebenwirkungen nicht bekannt sind."

Der Sprecher des israelischen Verbandes für Bürgerrechte, Marc Grey, wertete das Schreiben als "implizites Eingeständnis", dass die Praxis bestand. Das Ministerium betonte hingegen, dass es keine Stellungnahme und kein Eingeständnis sei.

Mit dem Brief reagiert das Ministerium auf Berichte über Zwangsbehandlungen von jüdischen Einwanderinnen aus Äthiopien. Wie die isralische Zeitung Haaretz berichtete, hatte ein TV-Team recherchiert, wieso die Geburtenrate in dieser Bevölkerungsgruppe stark zurückging. Zeugen sagten aus, ihnen sei gedroht worden, sie verlören das Einwanderungsrecht, wenn sie sich nicht vorab das Verhütungsmittel spritzen ließen. Eine Frau wird wie folgt zitiert:

"They (medical staff) told us they are inoculations (deutsch: Impfungen). We took it every three months. We said we didn't want to."

In Israel leben mehr als 120.000 äthiopische Juden - Falasha, Falaschen; auch Beta Israel bezeichnet, Haus Israel. Die meisten von ihnen kamen in den Jahren 1984/85 (Operation Moses) und 1991 (Operation Salomon), als die Regierung zwei Alija-Luftbrücken für Einwanderungswillige organisierte. Trotz ihrer Religionszugehörigkeit hatten sie aufgrund der kulturellen Unterschiede jedoch Schwierigkeiten, von der israelischen Gesellschaft akzeptiert zu werden.

Sharona Eliahu Chai, Anwältin beim israelischen Verband für Bürgerrechte, wirft den Behörden des Landes Rassismus vor und begrüßte das Verbot des Gesundheitsministeriums:

"Findings from investigations into the use of Depo Provera [Präparat zur hormonellen Empfängnisverhütung, d. Red.] are extremely worrisome, raising concerns of harmful health policies with racist implications in violation of medical ethics."