Von Nikolaus Piper

Die Belebung des Konsums spielt in den USA eine noch wichtigere Rolle als in Deutschland. Doch die Maßnahmen der Amerikaner sind kein Vorbild für die Bundesrepublik.

Amerika ist das Land des Konsums. Der private Verbrauch macht zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts aus, in Deutschland sind es nur 56 Prozent. Deshalb spielt die Belebung des Konsums in der amerikanischen Wirtschaftspolitik traditionell eine zentrale Rolle. Sowohl nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als auch in der ersten Phase der derzeitigen Finanzkrise hat die Regierung George Bush versucht, durch Konsumförderung die Konjunktur zu stabilisieren. Auch der neugewählte Präsident Barack Obama bereitet ein Konjunkturpaket vor.

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Passanten im New Yorker Rockefeller Center auf der Jagd nach Schnäppchen. (© Foto: AFP)

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Kein Vorbild für Deutschland

Für die deutsche Debatte um Konsumgutscheine liefert Amerika trotzdem keine geeignete Vorlage. Was die Amerikaner sowohl 2001 als auch 2008 von ihrer Regierung bekamen, waren keine Konsumgutscheine, sondern Steuergutschriften, mit denen jeder machen konnte, was er wollte. Das jüngste Programm hatte einen Umfang von ungefähr 150 Milliarden Dollar. Die Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) verschickte von Mai an Schecks mit Beträgen zwischen 300 und 1200 Dollar. Das Programm war so konstruiert, dass Geringverdiener überdurchschnittlich davon profitierten.

In einem zentralen Punkt war das sogenannte Stimulus-Paket ein glatter Fehlschlag: Es konnte den Absturz in die Rezession nicht verhindern. Die drastische Verschärfung der Krise trat im September zu einem Zeitpunkt ein, als viele Amerikaner ihre Schecks vom IRS bereits hatten. Nach der mittlerweile offiziellen Schätzung der amerikanischen Behörden, begann die Rezession in den USA im Dezember 2007, ohne dass das Konjunkturprogramm einen wahrnehmbaren Effekt gehabt hätte. Die Frage ist, ob der Absturz ohne das Programm noch schlimmer gewesen wäre.

Nur 20 Prozent konsumiert

Nach der Datenlage ist dies zweifelhaft. Viele Verbraucher haben das Geld vom Finanzamt verwendet, um erst einmal ihre Schulden abzubauen und ein wenig Reserven zu bilden - ein völlig rationales Verhalten in einer beginnenden Wirtschaftskrise. Am Beginn der Rezession 2001 war dies ähnlich, allerdings hatten die Haushalte seinerzeit nach einer gewissen Verzögerung ihren Konsum dann doch noch gesteigert. Ob sie sich diesmal ähnlich verhalten werden, ist unwahrscheinlich. Die Lage ist düsterer als 2001, außerdem sind die meisten Familien viel stärker verschuldet als vor sieben Jahren- einer der Gründe, weshalb die Krise so gefährlich ist.

Der Harvard-Ökonom Martin Feldstein macht folgende Rechnung auf: Im zweiten Quartal verschickte die Finanzbehörde Schecks für insgesamt 78 Milliarden Dollar, die Konsumausgaben stiegen danach um 12 Milliarden Dollar, was 15 Prozent der Summe entspricht. Wenn das Jahr um ist, so glaubt Feldstein, werden von den dann 150 Milliarden Dollar Steuergutschriften höchstens 20 Prozent konsumiert worden sein, der Schuldenstand der amerikanischen Regierung ist dann jedoch um 80 Milliarden Dollar gestiegen. Vermutlich wäre die Rechnung nicht anders, hätte Bush seinen Landsleuten keine Steuergutschriften, sondern Konsumgutscheine im Sinne des SPD-Vorschlags gegeben: Sie hätten die Gutscheine eingelöst - und an anderer Stelle gespart.

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(SZ vom 04.12.2008)