Konsequenz der Loveparade-Katastrophe Duisburg wählt Adolf Sauerland ab

Hartnäckig sperrte sich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland gegen persönliche Konsequenzen aus der Loveparade-Katastrophe. Jetzt zwingen ihn die Bürger, sein Amt niederzulegen. Mit großer Mehrheit stimmen die Duisburger für die Abwahl ihres umstrittenen Stadtoberhauptes.

Von Bernd Dörries

Normalerweise ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der eine für den anderen einspringt. So gehört sich das in einer Freundschaft. An diesem Sonntagabend könnte sich Peter Greulich aber wahrscheinlich bessere Dinge vorstellen, als sich im Duisburger Rathaus vor die Fernsehkameras zu stellen und das Ergebnis des Abwahlverfahrens gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zu verkünden.

Weil Sauerland das selbst nicht machen kann, muss Stadtdirektor Greulich (Grüne) ran, sein Freund und Stellvertreter. Etwa 129.000 Bürger haben gegen Sauerland gestimmt, sagt Greulich. 92.000 Stimmen hätten die Sauerlands Gegner gebraucht, ein paar zehntausend mehr haben sie zusammenbekommen.

Am Mittwoch muss Sauerland, 56, nun seinen Stuhl räumen und Greulich vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen, bis innerhalb von sechs Monaten ein neues Stadtoberhaupt gewählt ist. Das ist eine Überraschung, die nun auch auf dem Gesicht von Greulich abzulesen ist. Den Robert Redford der Stadtpolitik haben sie ihn genannt wegen seines Aussehens.

Heute spielt er eine recht traurige Rolle. Greulich war einer der ganz wenigen Menschen in Duisburg, die sich in den vergangenen Monaten öffentlich auf die Seite Sauerlands gestellt haben, der ihn immer verteidigte gegen die Kritik wegen dessen Verhaltens vor und nach der Katastrophe auf der Loveparade im Juli 2010 mit 21 Toten.

Unerwarteter Wahlausgang

Das hätten die wenigsten in Duisburg gedacht, dass ein solches Ergebnis zustande kommt, weil das Abwahlgesetz die Hürde sehr hoch gelegt hatte: mit der Mehrheit aller Stimmen und 25 Prozent aller Wahlberechtigten, die gegen den OB stimmen mussten. Viele Zahlen waren in den vergangenen Tagen durch die Stadt gegeistert, von 40.000 abgegebenen Briefwahlstimmen war die Rede gewesen, was den Gegnern Hoffnung machte.

Sauerland und seine Unterstützer hatten argumentiert, dass das Abwahlverfahren wenig mit der Loveparade zu tun habe, sondern vor allem dazu diene, die Stadt für die SPD zurückzuerobern und zu zeigen, dass die Wahl eines Christdemokraten hier nur ein Betriebsunfall war. Kurz nach Schließung der Wahllokale kommt der NRW-Innenminister und Duisburger SPD-Vorsitzende Ralf Jäger ins Rathaus und lässt sich fotografieren. Da ahnen viele schon, dass das auch eine Siegerpose ist.