Trotz Friedensverträgen richten die Konfliktparteien im Sudan und Kongo ihre Länder zugrunde.
Zu Beginn des neuen Jahres gibt es anscheinend eine gute Nachricht aus dem Sudan. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg, der zwei Millionen Menschen das Leben gekostet und fast vier Millionen vertrieben hat, soll am Sonntag der Friedensvertrag für den Süden des Landes unterschrieben werden: Die Rebellengruppe SPLA wird an der Macht in der Hauptstadt Khartum beteiligt, Milizenführer John Garang wird Vizepräsident, und fortan werden alle Öl- und sonstigen Staatseinnahmen aufgeteilt. Nach einer Übergangsphase von sechs Jahren werden die Menschen im Süden abstimmen, ob sie dem Sudan weiter angehören wollen oder nicht. So steht es im Vertrag.
Krieg in der Wüste: Ein Mitglied der sudanesischen Rebellengruppe SLA unterwegs in Darfur, wo seit 2003 mehr als 100.000 Menschen getötet wurden. (© Foto: Reuters)
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Das alles klingt vielversprechend, aber das Papierwerk wird dem Land keinen Frieden bringen. Nicht nur, weil es schwer umzusetzen ist und es große Zweifel gibt, ob es die Konfliktparteien wirklich ernst meinen.
Es klammert auch den derzeit verheerendsten Krieg im Land einfach aus. In Darfur sind seit Februar 2003 vermutlich mehr als 100.000 Menschen getötet und fast zwei Millionen in die Flucht getrieben worden. Die Kämpfe sind zuletzt so eskaliert, dass die UN und Hilfsorganisationen die Flüchtlinge kaum noch versorgen können. Schon jetzt sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jeden Monat 10.000 Menschen - und diese Todesrate steigt weiter, wenn die dringend benötigte Hilfe nicht geliefert werden kann.
Plündernde Kriegsherren
Die Zukunft des Sudan entscheidet sich deshalb nicht im Süden, sondern im Westen des Landes. Und dort ist kein Ende des Konflikts absehbar. Sowohl dem Militärregime in Khartum als auch den beiden Rebellengruppen entgleitet die Kontrolle über ihre Kämpfer. Die von der Regierung unterstützte Reitermiliz Janjaweed mordet, vergewaltigt und raubt. Auch Rebellen-Kommandeure entwickeln sich immer mehr zu plündernden Kriegsherren, die gezielt nicht nur Zivilisten, sondern auch Hilfstransporte überfallen und Helfer ermorden.
Hinzu kommt, dass nun eine dritte Miliz ebenfalls behauptet, gegen die Unterdrückung aus Khartum zu kämpfen. Und als wäre dies noch nicht genug, gibt es auch Aufstände im Osten und im Norden des Landes. Von der bewaffneten Opposition im Süden, die gegen die SPLA kämpft, ganz zu schweigen.
Logistischer Albtraum
Im Sudan zeigt sich zu Beginn 2005 eine ähnliche Entwicklung wie in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo, dem zweiten großen Krisenherd Afrikas. Auch dieses Land zersplittert vor allem im Osten immer mehr in Einflussgebiete verfeindeter Milizen, und dort ist ebenfalls kein Ende der Kämpfe in Sicht - selbst wenn es einen Friedensvertrag und eine Übergangsregierung gibt. Im Juni sollen nach massivem Druck der internationalen Gemeinschaft demokratische Wahlen stattfinden, es wären die ersten seit 1960. Doch zum einen hat keine Konfliktpartei daran ernsthaftes Interesse, weil jede befürchtet, zu verlieren. Zum anderen dürfte dies auch ein logistischer Albtraum werden; der Dschungelstaat ist nach Jahrzehnten der Misswirtschaft und des Krieges weitgehend zerfallen.
Sowohl der Sudan als auch der Kongo werden aus eigener Kraft keinen Frieden finden, nicht nur, weil sie zersplittert und zerstört sind. Es gibt auch keine Regierungen, denen die Zukunft des Staates ein echtes Anliegen wäre. In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa sind die Minister damit beschäftigt, einander zu bekämpfen und sich persönlich zu bereichern. Und in Khartum hat eine im ganzen Land verhasste Militärclique die Macht, die sie nur durch den Kriegs- und Ausnahmezustand sichern kann.
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(SZ vom 5.1.2005)
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