Ein Kommentar von Kai Strittmatter

Erstmals steht die Türkei nicht alleine im Kampf gegen die PKK. Diese einmalige Situation muss Ministerpräsident Erdogan nutzen.

Wann wird die Türkei zuschlagen? Niemand weiß das. Aber Premier Tayyip Erdogan hat erneut klargemacht, dass sie es tun wird. Nach seinem Gespräch mit US-Präsident George W. Bush verkündete er seinen Landsleuten, die Türkei habe "bekommen, was sie wollte".

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Nämlich, so sieht es Erdogan, die zähneknirschende Zustimmung der USA zu Militärschlägen gegen PKK-Lager im Nordirak.

Nun, da die türkische Regierung dieses Pfand zu Hause vorzeigen kann, ist es an ihr, maßzuhalten. Begrenzte Schläge sind noch kein Krieg.

Erdogan wird versuchen, mit Luftangriffen oder schnellen Vorstößen von Eliteeinheiten auf die PKK-Lager die aufgebrachte Öffentlichkeit zu Hause zu besänftigen - die Regierungen des Westens würden das wohl akzeptieren. Weiter darf er nicht gehen.

Die Gefahr einer Eskalation aber ist groß. Was, wenn die kurdische PKK wie angekündigt als Reaktion auf solche Schläge ihren Kampf in die türkischen Großstädte trägt und dort Bomben zündet? Was wäre dann der nächste Schritt?

Noch kann Erdogan die Kurve kriegen. Eigentlich ist der Regierungschef sogar in einer einmaligen Situation: Zum ersten Mal in den letzten 25 Jahren stehen Europa und die USA eindeutig auf der Seite der Türkei im Kampf gegen die PKK.

Wenn Erdogan dieses Kapital klug nützt, kann er die kurdische Organisation zum echten Verlierer machen. Dazu aber müsste die Türkei endlich wieder einen kühlen Kopf bekommen. Bombenangriffe auf Berghöhlen im Nordirak sind reiner Populismus.

Dass der PKK damit nicht beizukommen ist, hat die Vergangenheit oft genug bewiesen. Die Wurzel des Problems ist der Umgang mit den Kurden im Land. Daran muss sich Erdogan baldmöglichst erinnern.

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(SZ vom 7.11.2007)