Konflikt um Golanhöhen Israel feuert Raketen in Richtung Syrien

Der Syrien-Konflikt droht auf die Nachbarländer überzugreifen: Die israelische Armee reagiert mit Raketen auf Mörserbeschuss aus der Krisenregion. Damit ist es erstmals seit Jahrzehnten an der syrisch-israelischen Grenze wieder zu Feuergefechten gekommen.

Nach der Türkei droht nun auch Israel militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien hineingezogen zu werden: Das Militär schoss am Sonntag nach eigenen Angaben mit Rakenten auf Ziele in Syrien. Man habe mit den Warnschüssen auf Mörsereinschläge bei einem israelischen Militärposten auf den Golanhöhen reagiert. "Feuer aus Syrien nach Israel wird nicht toleriert und wird in aller Härte beantwortet", teilte die Armee mit.

Das israelische Militär legte Beschwerde bei der UN-Beobachtertruppe ein, die eine Pufferzone zwischen beiden Ländern kontrolliert. Eine Armeesprecherin betonte alelrdings: "Es war Teil des internen Konflikts in Syrien." Es habe weder Sachschaden noch Verletzte gegeben.

Erstmals seit Jahrzehnten hat das Militär damit wieder in Richtung Syrien geschossen. Bislang hatte Israel nicht - wie zuvor die Türkei - mit Artillerieschüssen auf von Syrien aus abgefeuerte Geschosse reagiert, die in seinem Gebiet einschlugen. Auf den von Israel nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 annektierten Golanhöhen waren in letzter Zeit durch den Bürgerkrieg immer wieder Mörsergranaten eingeschlagen. Israel hatte erklärt, es betrachte dies als Versehen, mache aber dennoch die syrische Regierung dafür verantwortlich. Außerdem drangen bereits syrische Panzer in die entmilitarisierte Zone ein. Die Regierung in Jerusalem hatte Damaskus vor den Grenzverletzungen gewarnt.

Auch aus dem Norden Syriens werden erneut Gefechte in Grenznähe gemeldet: Regierungstruppen griffen nach Angaben von Aktivisten am Sonntag ein Gebiet nahe der Türkei mit Hubschraubern und Artillerie an. Aufständische hatten dort zuvor einen Grenzübergang unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gegend um den Übergang Ras al Ain sei im Belagerungszustand, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Zudem sollen auf ein Gelände in der Nähe des Dorfes Tal Halaf Raketen abgefeuert worden sein.

Syrische Opposition schließt sich gegen Assad zusammen

Unterdessen schlossen sich die syrischen Oppositionsgruppen offiziell zusammen. In Doha im Golfstaat Katar wurde eine Vereinbarung über die Bildung einer "nationalen Koalition" im Kampf gegen die Regierung unter Präsident Baschar al-Assad unterzeichnet, wie einer der Oppositionsführer, der frühere Chef der Muslimbrüder Syriens, Sadreddin al-Bajanuni, der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Dem Durchbruch war ein zähes Ringen über die Einzelheiten der Einigung vorausgegangen. Das Treffen in der katarischen Hauptstadt dauert bereits seit einer Woche an. In der Nacht zum Sonntag hieß es, es sei eine Grundsatzeinigung über die Bildung einer Nationalen Syrischen Koalition erreicht worden. Der Syrische Nationalrat (SNC), der sich bisher als einzige legitime Vertretung der Opposition verstand, willigte schließlich nach Angaben von Teilnehmern ein, Teil einer Koalition der Regimegegner zu werden. Für die SNC-Mitglieder sollen demnach 22 von etwa 55 Sitzen in der neuen Syrischen Nationalen Allianz reserviert werden.

Die zutiefst zerstrittene Opposition war von Staaten aus der Gruppe der Freunde Syriens - allen voran Katar und die USA - zu einem Zusammenschluss gedrängt worden. Unterstützer der Aufständischen hatten den hauptsächlich aus Exilsyrern bestehenden Nationalrat bislang als führende Vertretung der Opposition angesehen. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte den Nationalrat unlängst jedoch öffentlich kritisiert und eine repräsentativere Führung gefordert, der auch Inlandssyrer angehören müssten.