Moskau argumentiert: Was dem Kosovo gewährt wird, kann Südossetien oder Abchasien nicht verweigert bleiben. Doch der Vergleich mit dem Balkan ist falsch.
Als die meisten EU-Staaten und die USA im Februar den Kosovo als Staat anerkannten, da blieben dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nur düstere Drohungen.
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Ein russischer Soldat inspiziert Panzer in der südossetischen Hauptstadt Tskhinvali. (© Foto: AP)
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Der Kosovo statuiere ein gefährliches Exempel, Separatisten allerorten würden dem nacheifern, Staaten zerbrechen. Nach dem Vier-Tage-Krieg im Kaukasus will Moskau nun seine Prophezeiung erfüllt sehen: Was dem Kosovo gewährt wird, kann Südossetien oder Abchasien nicht verweigert bleiben. Eine Volksgruppe muss ihr Schicksal selbst bestimmen können. Georgien in seinen alten Grenzen habe also keinen Bestand, weil Abchasen und Südosseten diesem Staat nicht mehr angehören wollten.
Russlands Vergleich geht hier bereits die Luft aus wie einem Sprinter die Puste auf der Langstrecke nach der ersten Runde. Geschichte, politische Umstände und ein fair erforschter Volkswille stehen gegen den Vergleich. Wer den Kosovo mit dem Kaukasus gleichsetzt, der konstruiert lediglich einen Vorwand, liefert aber keine Begründung für eine Sezession.
Bevor die Nato im Kosovo eingriff, war die albanische Bevölkerung der Vertreibung durch die Truppen Milosevics ausgesetzt, der das serbische Kerngebiet erweitern wollte.
In Abchasien und auch in Südossetien verhält es sich gerade umgekehrt: Die georgische Bevölkerung ist bereits während der Loslösungkonflikte der neunziger Jahre von russisch unterstützten Milizen vertrieben worden.
In Südossetien lebten die Volksgruppen in friedlicheren Zeiten weitgehend problemfrei nebeneinander. In Abchasien stellten die Georgier vor der Vertreibung mit 52 Prozent die Mehrheit, bei 21 Prozent Abchasen. Der Kosovo war hingegen mehrheitlich immer albanisch.
Zweiter Denkfehler: Während im Kosovo die westliche Besatzung über Jahre hinweg einen Modus vivendi mit Serbien auszuhandeln versuchte (Autonomie-Status, Selbstverwaltung), verhinderte Russland in den georgischen Provinzen jeden politischen Fortschritt, indem es die Bevölkerung mit russischen Pässen ausstattete und keine Vermittlungsbemühungen unterstützte. Damit bewies Moskau, dass es die Unruhe an seinen Grenzen einer zukunftsorientierten Annäherung der Gruppen vorzog.
Dritter Unterschied: Die EU hat Serbien immer klargemacht, dass die Unabhängigkeit Kosovos ein Zwischenschritt vor einer Verschmelzung der Region unter dem europäischen Dach ist. Die EU bemüht sich also um eine Perspektive für beide Seiten, die neue serbische Regierung nimmt diese Zusage ernst. Wenn Europa nicht versagt, kann die Region schneller zusammenwachsen, als das während des Kriegs je zu erwarten war.
Russland, das Völkern in seinen Grenzen das Selbstbestimmungsrecht immer verweigerte, macht wenig Hoffnung auf Versöhnung und ist ein unglaubwürdiger Anwalt für das georgische Volksgruppen-Problem. Aber Russland kontrolliert eben die Gebiete. Deswegen ist eine Abspaltung wahrscheinlich, auch wenn der Kosovo-Vergleich falsch bleibt.
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Kann diesen Kommentar von Hr. Kornelius nicht zustimmen. Hier wird versucht etwas zu rechtfertigen, welches man mit ein wenig Geschick auf für den Kaukasus anwenden könnte.
Richtig, der Vergleich mit dem Kosovo hinkt ein wenig, den Kosovo hätte niemals akzeptiert werden dürfen, das war nur der Wunsch der USA weil die Serben niemals Freunde der USA waren, ebenso geht es auch den Kurden, Im Irak gegen Sadam unterstützt und sie hätten auch einen eigenen Staat bekommen, doch leider wohnen auch im Natomilglied Türkei Kurden... so muß das Völkerrecht hinten anstehen
Was sind wir doch für eine verlogene Politgesellschaft...
Die Leser werden sich hoffendlich von Ihrem Kommentar hier hoffendlich nicht irre führen lassen.
Gruß an die SZ-Redaktion !
Toni64
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Wenn der Falke über seine Beobachtungen spricht, muß man beachten, daß es ein Falke ist, der da spricht.
ich verweise auf die Replik von spiegelfechter auf den Artikel Kornelius
u.a. behauptet Kornelius, dass die georgische Bevölkerung bereits während der Loslösungkonflikte der neunziger Jahre von russisch unterstützten Milizen vertrieben worden sei. Ich zitiere spiegelfechter:
"In Südossetien hat sich die demographische Zusammensetzung seit den Loslösungskonflikten nicht verändert, obgleich es auf beiden Seiten zu Vertreibungen kam. Nach offiziellen britischen Zahlen beträgt das Verhältnis Osseten zu Georgier in Südossetien heute, wie in Zeiten der Sowjetunion, unverändert zwei zu eins."
spiegelfechter belegt das durch Verlinkung auf offizielle britische Quellen.
Kornelius behauptet, dass bevor die Nato im Kosovo eingriff,die albanische Bevölkerung der Vertreibung durch die Truppen Milosevics ausgesetzt, war der das serbische Kerngebiet erweitern wollte.
Spiegelfechter entgegnet:
"Als sich Südossetien nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von Georgien loslösen wollte, kam es zu einem offenen Bürgerkrieg zwischen georgischen und südossetischen Kräften. Während dieses Bürgerkrieges wurden durch ethnische Säuberungen nach Angaben von Human Rights Watch rund 100.000 ethnische Osseten und 23.000 Georgier vertrieben. Russland griff daraufhin in den Bürgerkrieg ein und es kam zu einem Waffenstillstandsabkommen, in dem festgelegt wurde, dass eine internationale Friedenstruppe, die zu 50% von der Russischen Föderation gestellt wird, den Waffenstillstand sichert."
auch diese Angaben belegt sf durch Verweis auf Quellen von Human Rights Watch
Kornelius behauptet, dass in Südossetien die Volksgruppen in friedlicheren Zeiten weitgehend problemfrei nebeneinander lebten.
Ich habe meherere Artikeln zum Konflikt gelesen, die das absolut verneinen, auch spiegelfechter: "Als sich Georgien nach der Oktoberrevolution 1918 inklusive des Gebietes Südossetiens für unabhängig erklärte, gab es mehrere Versuche Südossetiens sich von Georgien abzuspalten. Bei blutigen Auseinandersetzungen kam es auf südossetischer Seite zu tausenden Todesopfern. Die friedliche Ruhe wurde erst wieder hergestellt, als die Rote Armee einmarschierte und beide Gebiete in die Sowjetunion eingliederte."
Dass sie hier mit Zahlen argumentieren ist ziemlich lächerlich... Wenn die Zahlen geringer sind als angegeben, zeigt dies nur, das auf beiden Seiten Propaganda betrieben wird. Versuchen Sie mal z,B in den US-Medien Zahlen zu Opfern in Irak oder Afghanistan zu bekommen, was sie kriegen sind die Zahlen getöteter oder verletzter Amerikaner, sonst nichts! Die Glaubwürdigkeit jeder durch Massenmedien gefilterten Quelle ist zu hinterfragen. Aber hier geht es nicht darum, wer wie viele Opfer hat. Hier geht es darum, wer hier den Konflikt geschürt hat...und das war ohne Zweifel Georgien. Selbst in der NewYorkTimes kann man das nachlesen.
www.nytimes.com/2008/08/18/washington/18diplo.html?pagewanted=2&_r=1&partner=rssnyt&emc=rss
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