Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Von der wütenden Öffentlichkeit unter Druck gesetzt, gibt die Regierung dem Militär freie Hand zur Verfolgung der PKK - und stellt so einen gefährlichen Freibrief aus, der Premier Erdogan noch in Bedrängnis bringen könnte.

Türkische Zeitungen tragen Trauerflor, ein Massenblatt rührt gleich die Kriegstrommel.

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Türkische Soldaten: Die Regierung gibt dem Militär freie Hand bei der Verfolgung der kurdischen Extremisten. Doch das Problem PKK ist militärisch überhaupt nicht zu lösen. (© Foto: AP)

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Die kurdische Terrortruppe PKK hat in den letzten Tagen im Grenzgebiet zum Irak so viele türkische Soldaten getötet, wie in so kurzer Zeit seit über zehn Jahren nicht mehr.

Nun beugt sich die Regierung in Ankara der publizistischen Feuerkraft. Sie gibt dem türkischen Militär freie Hand zur Verfolgung der PKK - auch bis in den Irak hinein.

Dies ist ein höchst gefährlicher Freibrief, der Premier Tayyip Erdogan in schwere Bedrängnis bringen könnte.

"Wenn es nötig ist", hat Erdogan in seiner Erklärung zwar hinzugefügt. Das klingt, als wollte der Regierungschef sagen: Es gibt noch einen Weg, den Ernstfall abzuwenden. Die Einschränkung ist als Aufforderung an die USA zu lesen, es endlich nicht länger hinzunehmen, dass die Anführer der PKK im Nordirak über sichere Trutzburgen verfügen.

Die US-Regierung hat denn auch reagiert und versprochen, dem Terror Einhalt zu gebieten - Worte, die in Ankara jedoch kaum einer glaubt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Problem PKK militärisch überhaupt nicht zu lösen ist, weil jede Militäraktion die kurdische Solidarität mit der Guerilla erst wieder so richtig zum Blühen bringen wird.

Wer das Ende der PKK will, muss ihre Führer dazu bringen, den absurden Kampf aufzugeben. Das wäre eine lohnende Aufgabe für die irakischen Kurdenchefs. Mit diesen Nachbarn sollte die Regierung in Ankara eine Verständigung suchen, statt mit dem Militär zu drohen. Erdogan riskiert mit einer Irak-Operation nicht nur die EU-Option der Türkei. Er begibt sich auch selbst in die Hände der Generäle, deren Griff er doch so gerne entfliehen wollte.

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(SZ vom 10.10.2007)