Konflikt mit dem Assad-Regime Syrische Bürgerkriegs-Opfer werden in Deutschland behandelt

Der syrische Bürgerkrieg rückt plötzlich näher: Die Bundeswehr holt 36 schwerverletzte Syrer nach Deutschland, wo sie in Krankenhäusern behandelt werden sollen. Die humanitäre Geste hat auch einen starken politischen Hintergrund - die Bundesregierung will Handlungsfähigkeit zeigen.

Von Daniel Brössler, Berlin

Von Ferne nur dringen die schrecklichen Nachrichten nach Deutschland. Der syrische Bürgerkrieg mit seinen Toten, den vielen Verletzten und den Flüchtlingsmassen ist vor allen Dingen: weit weg. An diesem Montag rückt er ein kleines Stück näher. Von Jordanien kommend wird ein Airbus der Bundeswehr in Stuttgart, Köln, Hamburg und in Berlin landen. An Bord: 36 Schwerstverletzte aus dem syrischen Bürgerkrieg, die bisher in Jordanien versorgt worden waren. Sie werden nun in den Bundeswehr-Krankenhäusern in Berlin, Hamburg, Ulm und Westerstede behandelt.

"Wir sind tief betroffen angesichts der Tausenden von Toten und der noch größeren Zahl von Verletzten, die der grausame Bürgerkrieg in Syrien bislang gefordert hat", sagt Außenminister Guido Westerwelle (FDP). "Einigen der am schwersten verletzten Opfer des Krieges wollen wir mit der jetzt angelaufenen Hilfsaktion eine rasche und möglichst vollständige Genesung hier in Deutschland ermöglichen." Der syrische Oppositionschef Moas al-Chatib hatte Westerwelle persönlich um die Hilfe gebeten. Für die Behandlung der Verletzten stellt das Auswärtige Amt mehrere Millionen Euro bereit. Die Kosten für den Transport mit dem speziell ausgerüsteten Airbus trägt das Verteidigungsministerium.

Bundesregierung will Handlungsfähigkeit zeigen

Die humanitäre Geste hat, daraus macht Westerwelle gar keinen Hehl, einen starken politischen Hintergrund. "Die Bundesregierung leistet damit auch einen Beitrag zur politischen Unterstützung der Nationalen Koalition der Syrischen Opposition, die sich immer mehr für die Syrer zu einer sichtbaren, glaubwürdigen Alternative zum Assad-Regime entwickelt", sagt er. Im Streit über eine Bewaffnung der syrischen Opposition, die von Frankreich und Großbritannien erwogen wird, passt das zur deutschen Line. Die Bundesregierung will am Waffenembargo festhalten und die Aufständischen auf andere Weise stützen.

Der moderaten Opposition soll geholfen werden, sich - etwa durch Hilfe für Schwerverletzte - vor der Bevölkerung zu beweisen. "Die enge Zusammenarbeit mit der Nationalen Koalition bei der Umsetzung dieses komplexen Projekts ist ein Beleg dafür, dass sie bereits Handlungsfähigkeit erlangt hat und als verlässlicher Ansprechpartner für die internationale Gemeinschaft agieren kann", heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

Auch der Bundesregierung selbst geht es darum, Handlungsfähigkeit zu zeigen. Bisher hat Deutschland 125 Millionen Euro für die Syrien-Hilfe bereitgestellt, vor allem für syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern. Diese Summe ändert allerdings nichts am Gefühl der Ohnmacht und feit auch nicht vor Kritik, angesichts des Grauens deutlich zu wenig zu tun. "Man hätte sich sehr viel mehr vorstellen können, was seitens auch der Bundesrepublik Deutschland hier im Lande hätte geschehen können", klagte Rupert Neudeck, der Gründer der Hilfsorganisation Grünhelme, von Syrien aus in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

36 schwerverletzten Syrern wird nun immerhin geholfen. Zumindest sie sollen sich nicht alleingelassen fühlen. Mitglieder der syrischen Gemeinde haben versprochen, sich um die Landsleute zu kümmern.