Die Tibeter nutzen die anstehenden Olympischen Spiele in China, um auf die Situation ihres Landes aufmerksam zu machen. Doch auch Peking betreibt eine Politisierung der Spiele.
Es war ein Fehler, die Olympischen Spiele an China zu vergeben. Die Toten nach dem Militäreinsatz in Tibet lassen keinen anderen Schluss zu. Denn wer mag sich noch auf diese Spiele freuen, während in Lhasa Jagd auf Mönche gemacht wird?
Mit einem riesigen Logo vor Peking weist China auf die anstehenden Olympischen Spiele hin. (© Foto: AP)
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Wer mag sich noch guten Gewissens in Peking in ein Stadion setzen, während auf dem Dach der Welt die Gefängnisse überquellen? Es ist einfach zu viel, was die chinesische Regierung der Weltöffentlichkeit schon im Vorfeld der Spiele zumutet. Hoffentlich ist dieses traurige Spektakel bald vorbei, bleibt als einziger Gedanke übrig; und hoffentlich sterben bis dahin nicht noch mehr unschuldige Menschen.
Peking wirft dem Dalai Lama vor, die Unruhen in Tibet geschürt zu haben. Das ist falsch und plump. Noch angesichts niedergeknüppelter Mönche in Lhasa hat der Friedensnobelpreisträger beide Seiten zur Gewaltlosigkeit ermahnt.
Richtig ist allerdings, dass Exil-Tibeter und Unabhängigkeitsbefürworter in Tibet die Zeit vor den Olympischen Spielen nutzen möchten, um auf die Unterdrückung ihres von Peking besetzten Landes aufmerksam zu machen. Das mag man als Politisierung der Olympischen Spiele bedauern. Es gibt der kommunistischen Führung Chinas aber nicht das Recht, mit Waffengewalt gegen friedlich demonstrierende Menschen vorzugehen.
Pekings Propaganda
Auch sitzt Peking mit diesem Vorwurf im Glashaus. Es hantiert selbst mit der Politisierung dieser Spiele. Ein Beispiel ist die unsensible Entscheidung, den olympischen Fackellauf auch durch Tibet zu schicken.
Besonders die Ankündigung, das Feuer auf den Gipfel des Mount Everest zu tragen, hat viele Tibeter erbost. Peking will hier seinen Herrschaftsanspruch über Tibet mit Hilfe der fünf Ringe untermauern. Das ist billig und unnötig provokativ.
Anstatt den potentiellen Unruheherd Tibet zu meiden, wollen die Strategen aus Peking dort auch noch Propaganda-Siege feiern, indem sie ein olympisches Ritual ausnutzen. Das Ergebnis ist eine neue Variante olympischen Feuers: brennende Polizeiautos und Militärlastwagen auf den Straßen Lhasas.
Was nun? Wie soll der Rest der Welt auf die Brutalität Pekings, auf dessen anhaltende Sabotage der olympischen Idee reagieren? Einen Olympia-Boykott, wie ihn der US-Schauspieler Richard Gere unter dem Eindruck des Blutvergießens in Tibet zur Diskussion stellt, will niemand wirklich.
Das wäre nicht nur all den Sportlern gegenüber unfair, die sich hart auf ihre Wettkämpfe in Peking vorbereitet haben und von einer Medaille träumen. Ein Boykott würde auch den endgültigen Verzicht auf das bedeuten, was diese Olympischen Spiele möglicherweise noch an Gutem bewirken können.
Medien blicken auf China
Es mag wie ein bitterer Trost klingen, während in Tibet noch um die Toten getrauert wird: Immerhin aber beginnt die Weltöffentlichkeit nun dank dieser Pekinger Sommerspiele zu begreifen, was für ein Regime da in Peking wirklich herrscht.
Nur wegen Olympia rückt das Unrecht in Tibet nun wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. China hätte eigentlich wissen müssen, dass die internationalen Medien vor dem 8. August, dem Tag der Eröffnung der Spiele, viel genauer als sonst auf China blicken.
Was Journalisten aus aller Welt beobachten, ist etwas ganz anderes als das, was China gerne zeigen würde: Seht her, wir sitzen fest im Sattel, von der Mongolei bis zum Mount Everest, wir haben wirtschaftlichen Erfolg, wir bauen Prachtbauten und Autobahnen, und alle himmeln uns an, Pekinger Massaker hin oder her! So oder ähnlich lautet die olympische Botschaft der Partei.
Was aber sieht die Welt? Sie sieht verunsicherte Kommunisten, die sich vor harmlosen Dissidenten wie Hu Jia fürchten, dem in dieser Woche der Prozess gemacht werden soll. Sie sieht beeindruckenden wirtschaftlichen Aufschwung, der aber in gewohnter sozialistischer Manier mit einer rücksichtslosen Zerstörung der Umwelt erkauft wird, von der mongolischen Steppe bis zum tibetischen Hochland.
Sie sieht, dass diese kommunistische Partei seit den Massakern von 1989, als erst in Tibet auf Mönche und dann in Peking auf Studenten geschossen wurde, nichts dazugelernt hat.
Zynische Realitätsverweigerung
Wenn nun einigen Menschen im Westen die Augen geöffnet werden, was China betrifft, dann ist das ein Anfang. Denn der Tanz um das Goldene Kalb, der gerade stattfindet, ist geschmacklos. Der Westen hat aus eigenem wirtschaftlichen Interesse begonnen, nur noch die positiven Seiten des chinesischen Reformmarsches wahrzunehmen.
Das boomende Schanghai, die neuen Glitzerstadien in Peking sind in aller Munde. Die Ausbeutung von Wanderarbeitern, die Verhaftung von Katholiken oder die Unterdrückung von Uighuren und Tibetern hingegen werden oft wie Schönheitsfehler verharmlost.
Diese zynische Realitätsverweigerung wird nun glücklicherweise im Olympia-Jahr unhaltbar. Eine Regierung, deren Herrschaft sich auf Gewalt gegen das eigene Volk stützt, so viel lehrt nicht zuletzt die deutsche Geschichte, ist langfristig auch für ihre Nachbarn und den Rest der Welt eine Gefahr.
Das tragische Blutvergießen in Tibet, wenige Monate vor den Olympischen Spielen, zwingt zu einer kühlen Neubewertung Chinas. Aus Fehlern wird man klug.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 17.3.2008/gal)
Die modernen Olympischen Spiele sind seit Berlin 1936 politische Propagandashows und zudem ein Bombengeschäft. Sie fallen also keineswegs in die Kategorie Sport, sondern in die Kategorie Wirtschaft und Finanzen. Und dort sind Anstand, Moral und Menschenrechte im günstigsten Fall Werbegags für Hochglanzbroschüren aber ansonsten vollkommen unwichtig, nicht existent.
Dass aus einem Boykott nichts wird, kann man schon den Äußerungen Schäubles entnehmen, Auch die USA werden sich hüten, wie gegen Moskau mobil zu machen. Wenn nämlich die Chinesen als Reaktion dazu übergingen, ihre riesigen Vorräte an US-Staatsanleihen auf den Markt zu bringen, ihre Dollarreserven in Euro anzulegen, dann wäre die jetzige Bankenkrise ein laues Lüftchen gegen den Taifun, der dann durch den Finanzkapitalismus fegte,
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Menschenrechte sind etwas für Sonntagsreden, nichts was eingeschworene Folterbefürworter wie die jetzige Bush-Regierung zu Reaktionen veranlasste.
Und ist der nicht mit unzähligen Lügen eingeleitet worden? Entgegen den Auskünften der UNO-Experten, die vor Ort Erhebungen durchgeführt hatten. Und ist nicht auch die US-Besatzung mit unzähligen Lügen fortgesetzt worden?
Wieso werden nicht die USA von der Organisation Olympischer Spiele ausgeschlossen? Was soll am Einmarsch der USA im Irak besser gewesen sein als beim Einmarsch der "Russen" in Afghanistan? Oder der Chinesen in Tibet?
Und noch eine Zusatzfrage: In Tibet sind doch einige chinesische Bürger ums Leben gekommen? Oder? Wie viele US-Bürger sind denn durch Einwohner von Falludja ums Leben gekommen, bevor die US-Army die ganze Stadt plattmachte? Mit unzähligen Opfern unter Alten, Frauen und Kindern! Wobei die USA ja auch im übrigen Irak eher durch "flächige" Militäroperationen mit großkalibrigen Waffen (Raketen, Panzergranaten, Artillerie) aufgefallen sind. Wie auch in Vietnam, wo auch in der Regel ganze Gebiete, Dörfer u. dgl. ausradiert wurden. Wer Filmberichte über die großflächigen Napalmbomben- und Streubombenangriffe der USA gesehen hat, weiß, was ich meine. Da haben nicht einmal Stubenfliegen und Regenwürmer überlebt.
Ausschluß der USA von Olympischen Spielen! Jetzt!
Für mich wäre das kein großer Verlust.
Ich glaube, die Wichtigkeit des Ereignisses wird überschätzt. Mein Interesse geht inzwischen wegen der Dopingerwartungen gegen Null. Vermutlich würde ich es nicht einmal merken, wenn wenn sie ausfielen.
Ob ein Boykott den Menschen in Tibet helfen würde? Wer soll das wissen?
Ein frommer Wunsch. Natürlich haben die Olympischen Spiele auch eine politische Komponente. Schließlich treten Nationen zu den Spielen an und die Spiele werden von Nationen ausgerichtet. In diesem Kontext Politik gänzlich auszuklammern wird nicht gelingen, auch wenn die Verantwortlichen immer den friedlichen Wettkampf der Jugend der Welt propagieren, Friedenstauben aufsteigen lassen und mit Symbolen, wie Fackeln und den alles verbindenden Ringen Stimmung machen möchten. Natürlich ist der Gedanke gut und ehrenvoll, ob er allerdings viel zur Völkerverständigung beitragt, konnte die Geschichte bislang leider nicht belegen. Bislang gab es erst einen Byokott bei Olympia. Die Sowjetunion war 1979 in Afghanistan einmarschiert, daraufhin boykottierte die westliche Welt die Olympischen Spiele 1980 von Moskau. Den Afghanen hat das bekanntermassen nicht geholfen.
Was machen wir jetzt mit China? Bereits bei der Vergabe der Olympischen Spiele nach Bejing muss den Verantwortlichen bekannt gewesen sein, dass China die Menschrechte nicht achtet und Tibet seit den fünfziger Jahren besetzt hält. Das IOC betonte damals, dass man dies auch als Chance für China begreifen müsse, schaut doch mit der Vergabe der Spiele die ganze Welt auf dieses Land und das wird eine positive Entwicklung in China zurfolge haben. Nicht wirklich. China hat nach wie vor die höchsten Hinrichtungsraten weltweit, das Individuum mit seiner nach der Carta der Menschenrechte verbrieften Rechten sucht man im Land der Mitte nach wie vor vergebens. Würde ein Boykott der Olympischen Spiele daran etwas ändern? Nein, sicher nicht. Das Land würde düpiert werden, in der asiatischen Empfindung sein Gesicht verlieren und man würde noch mehr Porzellan zerschlagen.
Zudem: Einen Byokott Olympischer Spiele kann es heutzutage nicht mehr geben. Die Spiele sind zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Wirtschaftsspektakel geworden, dass sich die globalen Big Player, die vor allem in China noch einiges vorhaben, nicht wegboykottieren lassen werden. Es gibt keinen Boykott, es gibt nur mehr Business, es gibt nicht mehr Menschenrechte in China und sicher kein freies Tibet.
Ach ja, liebe Nostalgiker, die sechziger Jahre sind vorbei.Zur Faust geballte Black-Panther-Handschuhe wird es nicht geben und auch keine "Free Tibet" T-Shirts, höchstens welche von adidas, Puma oder Nike.
...und spätestens, wenn der erste schwarze Handschuh - ähh...die erste Gebetsmühle auf dem Siegerpodest in den Abend-Himmel gereckt wird, werden die übertragenden Anstalten vor Ort wohl mit einem plötzlichen Stromausfall zu rechnen haben..
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