Israel hat dem Libanon Bedingungen für einen Waffenstillstand gestellt. Offenbar hat sich der italienische Ministerpräsident Romano Prodi dabei als Vermittler eingeschaltet. Telefonisch informierte er seinen libanesischen Kollegen über die Konditionen.

Vier Tage nach Beginn der Militäroffensive im Libanon hat Israel seine Bedingungen für eine Waffenruhe gestellt. Jerusalem fordere die Übergabe der am Mittwoch von der Hisbollah entführten Soldaten sowie einen Rückzug der Miliz aus dem Südlibanon, sagte Informationsminister Ghasi Aridi am Sonntag in Beirut.

Haifa, AFP Bild vergrößern

Rauch steigt dort auf, wo die Raketen in Haifa eingeschlagen sind. Mindestens neun Menschen wurden getötet. (© Foto: AFP)

Anzeige

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi habe seinen libanesischen Kollegen Fuad Saniora angerufen und die Bedingungen des israelischen Regierungschefs Ehud Olmert übermittelt. "Es war eine persönliche Initiative, noch ist nichts offiziell", sagte Aridi zu Journalisten. Die Verhandlungen hätten noch nicht begonnen.

Neben der Übergabe der Soldaten müssten sich die Hisbollah-Kämpfer hinter den Fluss Litani etwa 30 Kilometer nördlich der Grenze zurückziehen. Schon bei seiner Invasion 1978 hatte Israel palästinensische Extremisten hinter den Litani zurückgedrängt, um Angriffe auf die nordisraelischen Grenzdörfer zu unterbinden.

Raketen aus iranischer Produktion

Zuvor schien der Konflikt zu einem offenen Krieg zu eskallieren: Bei einem Raketenangriff der Hisbollah auf die israelische Hafenstadt Haifa wurden am Sonntagmorgen acht Menschen getötet.

Erstmals setzte die libanesische Miliz dabei Raketen vom Typ Fagr ein, die im Iran gefertigt werden und eine wesentlich größere Zerstörungskraft als ihre bisher verwendeten Katjuscha-Raketen haben, wie aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte daraufhin "weit reichende Konsequenzen für die gesamte Region" an. "Nichts wird uns daran hindern."

Alle Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um Deeskalation verpufften bislang. In den frühen Morgenstunden bombardierte die israelische Luftwaffe den zweiten Tag in Folge Beirut und traf auch ein Elektrizitätswerk südlich der Hauptstadt. Laut Augenzeugen waren die Angriffe auf die südlichen Vororte die stärksten, seit Israel am Mittwoch nach der Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah seine Offensive begann. Ganze Häuserzeilen lagen in Trümmern.

Der Hisbollah-Sender Al Manar fiel für mehrere Minuten aus, dem arabischen Sender Al Dschasira zu Folge wurde das Al-Manar-Gebäude bei den Luftangriffen zerstört. Berichte, wonach Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah verletzt wurde, wies die Gruppe zurück.

EU-Bürger verlassen das Land

Seit Mittwoch wurden bei den israelischen Angriffen mehr als hundert Menschen getötet, die meisten Zivilpersonen. Wegen der Kämpfe haben bereits ganze Konvois mit EU-Bürgern das Land verlassen. Mit Hilfe der Bundesregierung reisten auch knapp hundert Deutsche aus. Die USA, Großbritannien und Frankreich bereiteten die Evakuierung ihrer im Libanon lebenden Staatsbürger vor.

In der drittgrößten israelischen Stadt Haifa schlugen an zahlreichen Orten etwa 20 Raketen ein, unter anderem in ein Bahndepot. Das Dach wurde zerrissen und acht Menschen getötet, sieben weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Zahl der israelischen Todesopfer stieg damit auf 23, darunter elf Soldaten.

Die Hisbollah erklärte, sie werde auf weitere israelische Luftangriffe mit Attacken auf die petrochemischen Anlagen im Hafen von Haifa reagieren. Auch in zahlreichen Grenzstädten schlugen am Sonntag Raketen aus dem Libanon ein.

Der General des israelischen Nordkommandos, Udi Adam, erklärte, iranische Soldaten unterstützten die Hisbollah beim Abfeuern im Iran gefertigter Raketen. Der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi wies dies zurück. Weder würden sich iranische Soldaten im Libanon aufhalten, noch habe man der Hisbollah Waffen geliefert, sagte er.

Die Nervosität über eine Verwicklung in den Konflikt steigt auch in Syrien. Man werde jeden israelischen Angriff "hart und unbeschränkt" erwidern, erklärte die Regierung in Damaskus.

Israel setzte am Sonntag auch seine Offensive im Gazastreifen fort. Soldaten drangen unterstützt von Panzern und Kampfhubschraubern in den Norden des Autonomiegebietes ein. Bei Gefechten und Bombardierungen wurden mindestens drei palästinensische Extremisten getötet, wie Krankenhausmitarbeiter berichteten.

Trotz der israelischen Offensive gelang es Extremisten abermals, Raketen auf die israelische Stadt Sderot abzufeuern. Dabei sei unter anderem eine Schule getroffen worden, teilten die Streitkräfte mit. Personen kamen nicht zu Schaden.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AP)