Konflikt im Kongo Armee kehrt nach Goma zurück

Rückzug mit Ultimatum: Die Rebellentruppe M23 hat die ostkongolesische Stadt Goma verlassen - vorerst. Sollte die Regierung in Kinshasa nicht binnen 48 Stunden zu direkten Gesprächen bereit sein, droht eine erneute Offensive.

Von Tobias Zick

In Goma stellt sich wieder so etwas wie Normalität ein. Nach Polizeieinheiten sind nun auch Truppen der kongolesischen Armee in die Stadt im Osten des Landes zurückgekehrt, am Donnerstag soll der Flughafen wiedereröffnet werden, nachdem einige durch Granatbeschuss verursachte Schäden behoben sind. Sogar der Gouverneur der Provinz Nordkivu, der vor den Rebellen geflüchtet war, kehrte am Montag an seinen Amtssitz zurück. Ob die Ruhe von Dauer sein wird, ist allerdings fraglich.

Die Rebellentruppe M23 hatte sich am Samstag aus Goma zurückgezogen, nachdem sie elf Tage zuvor die Stadt eingenommen hatte - ohne auf wesentlichen Widerstand durch staatliche Streitkräfte oder die zahlenmäßig überlegenen, im Rahmen der UN-Mission Monusco stationierten Blauhelmtruppen zu stoßen.

Die Rückkehr der Regierungsarmee folgt nun einem Abkommen, das die Rebellen mit der kongolesischen Regierung unter Federführung der Internationalen Konferenz der Region der Großen Seen (ICGLR) geschlossen haben. Im Gegenzug soll die Regierung in Kinshasa auf die "legitimen Forderungen" der Rebellen eingehen. Was das im Einzelnen bedeutet, soll in genaueren Gesprächen erörtert werden; die sollen laut dem kongolesischen Innenminister Richard Mujey Mangez in den kommenden Tagen beginnen, voraussichtlich in der ugandischen Hauptstadt Kampala. M23 hat seinen Rückzug aus Goma mit einem Ultimatum verknüpft: Wenn der kongolesische Präsident sich nicht binnen 48 Stunden zu direkten Gesprächen mit ihnen bereit erkläre, würden die Rebellen die Stadt erneut einnehmen.

Unterdessen bestreiten die Regierungen der Nachbarländer Ruanda und Uganda nach wie vor vehement, M23 personell und mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Ebendies hatten UN-Beobachter in einem Brief an den Weltsicherheitsrat beschrieben: Demnach seien vor dem Einmarsch in Goma mehr als 1000 ruandische Soldaten auf kongolesischem Gebiet gesichtet worden, 500 seien während der Offensive in die Stadt eingedrungen; zudem habe ein ruandischer General dem M23-Kommandeur Sultani Makenga bei der Koordinierung der Operation zur Seite gestanden.

Ruanda und Uganda wird seit Langem vorgeworfen, im benachbarten Ostkongo wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Die Region ist außerordentlich reich an Rohstoffen, etwa dem für die Herstellung von Mobiltelefonen wichtigen Coltan. M23 wurde gegründet von meuternden Generälen der kongolesischen Armee, die wie Ruandas Regierungsmitglieder ethnische Tutsi sind. Seit Beginn ihres Aufstands im April sind mehr als 500.000 Menschen in der Region vor Kämpfen und Plünderungen geflohen.