Konferenz in Israel Hawkings Absage doch politisch motiviert

Gezielter Boykott oder gesundheitliche Probleme? Warum der Physiker Stephen Hawking nicht nach Israel reisen will, darüber gab es viele Spekulationen. Nun scheint klar: Hawking verzichtet auf die Teilnahme an der Konferenz aus politischen Gründen - die er mit deutlichen Worten untermauert.

Die Verwirrung um den Physiker Stephen Hawking und die Absage seiner Teilnahme an einer israelischen Konferenz war groß in den vergangenen Tagen. Zuerst hieß es, Hawking werde auf der jährlich stattfindenden Konferenz "Facing Tomorrow", die der israelische Präsident Schimon Peres ausrichtet, nicht erscheinen. Er wolle so ein Zeichen gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete setzen.

Am Mittwoch dann das Dementi: Die Universität Cambridge, an der Hawking als Professor lehrt, sagte Süddeutsche.de, hinter der Absage stehe kein politisches Statement. Hawking werde aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Nahost reisen.

Nun folgt die nächste Wende. Wie britische Medien berichten, handelt es sich offenbar doch um einen politisch motivierten Boykott, wie die Universität einräumt. Der Guardian hatte die Universität in Cambridge mit einem Brief konfrontiert, den Hawking den Organisatoren der Konferenz schrieb. Darin ist er nicht um klare Aussagen verlegen:

I accepted the invitation to the Presidential Conference with the intention that this would not only allow me to express my opinion on the prospects for a peace settlement but also because it would allow me to lecture on the West Bank. However, I have received a number of emails from Palestinian academics. They are unanimous that I should respect the boycott. In view of this, I must withdraw from the conference. Had I attended, I would have stated my opinion that the policy of the present Israeli government is likely to lead to disaster.

Ratschläge von palästinensischen Akademikern, dass er den Boykott respektieren sollte, seien es demnach, die Hawking zum Handeln bewegen. Seiner Meinung nach führt die Politik der derzeitigen israelischen Regierung zu einem "Desaster".

Der Boykott eines der führenden Wissenschaftlers der Welt führt zu empörten Reaktionen aus Israel. Der Vorsitzende der Präsidentenkonferenz, Israel Maimon, verurteilte Hawkings Entscheidung als "empörend und unangemessen". Israel sei eine "Demokratie, in der alle Individuen frei ihre Meinung äußern können". Ein Boykott sei unvereinbar mit einem offenen, demokratischen Dialog.

Auch die jüdische Antidiffamierungsliga (ADL) kritisierte Hawkings Absage als "Schlag ins Gesicht der akademischen Freiheit". Der britische Wissenschaftler habe falschen Vergleichen der israelischen Demokratie mit einem Apartheid-Regime Glauben geschenkt. "Es ist traurig, dass ein Mann von überragendem Intellekt wie Dr. Hawking nicht die Doppelmoral und Dämonisierung durchschaut, die diese anti-israelische Bewegung kennzeichnen", hieß es in einer Mitteilung der ADL.