Kommunisten in Frankreich Zwischen Hammer und Amboss

Im Widerstand gegen die Nazi-Besatzer waren die Kommunisten einst Frankreichs stärkste Partei. Heute ist die PFC nur noch von geringer nationaler Bedeutung. Nun trennen sich die französischen Kommunisten von Hammer und Sichel und damit von einer Tradition. Reicht das aus, um die schwächelnde Partei zu modernisieren?

Von Stefan Ulrich, Paris

"Wir sind eine Kraft in Bewegung", hat Parteichef Pierre Laurent auf dem gerade zu Ende gegangenen 36. Kongress des Parti communiste français (PCF) beteuert. Dabei ist es eine Wegwerfbewegung, mit der die französischen Kommunisten auf sich aufmerksam machen: Sie schmeißen Hammer und Sichel zum alten Eisen.

Der Kongress beschloss, die historischen Symbole, die einst eine Allianz von Arbeitern und Bauern symbolisieren sollten, aus den Mitgliedsausweisen zu tilgen. Die PCF, die sich spät vom Stalinismus und von der Sowjetunion emanzipierte, will so seine Modernität unter Beweis stellen. Zugleich bestätigte der Kongress Laurent mit 100 Prozent der Stimmen im Amt. Ein bisschen Tradition soll also schon noch sein.

Lange vorbei sind die Zeiten, da die PCF die größte Partei Frankreichs war. 1920 in Tours gegründet, engagierte sich die Partei stark im Widerstand gegen die Nazi-Besatzer. "Partei der Erschossenen" wurde sie genannt. Bei den Wahlen 1946 wurden die Kommunisten mit 26 Prozent stärkste Partei und zogen in die Regierung unter General de Gaulle ein.

Lange blieben sie die wichtigste Kraft der Linken, bis sie Anfang der achtziger Jahre von den Sozialisten unter François Mitterrand überholt wurden. Heute haben sie nach eigenen Angaben noch 130 000 Mitglieder. Die PCF stellt mehrere Senatoren, Abgeordnete und Europaabgeordnete, Hunderte Bürgermeister und Tausende Gemeinderäte.

In der nationalen Politik ist die Bedeutung der Kommunisten dagegen nur noch gering. Um bei Wahlen Mandate zu erringen, sind sie auf Absprachen mit den regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande angewiesen. Andererseits wollen sie sich von dessen sozialdemokratischer Politik distanzieren, um die eigene, weit links angesiedelte Wählerschaft zufrieden zu stellen.

Parteichef Laurent gebrauchte auf dem Kongress starke Worte. Europa sei eine "Maschine im Dienst der Milieus der Finanziers und Bosse". Die EU werde von den Führungsklassen der mächtigsten Länder, insbesondere Deutschlands, beherrscht. Sie zwängen den Völkern eine fatale Sparpolitik auf.

Linke Franzosen bevorzugen Linkspartei

Laurent versprach seinen Anhängern, er werde versuchen, die Regierung von ihrem sozialdemokratischen Kurs abzubringen. Die Kommunisten fordern, Entlassungen in Großbetrieben zum Teil zu verbieten, das geltende, starre Arbeitsrecht beizubehalten und Ausländern ein Wahlrecht einzuräumen.

Im Senat stimmen die Kommunisten bisweilen gegen Regierungsvorlagen. Doch ihre Manövrierfähigkeit ist begrenzt. Schon drohen die Sozialisten, keine Wahlbündnisse mehr mit ihnen zu schließen, "wenn es dessen einziges Ziel ist, den Präsidenten der Republik und die Regierung zu schwächen".

Viele linke Franzosen wenden sich da lieber der populistischen Linkspartei und deren lautstarkem Vorsitzenden Jean-Luc Mélenchon zu. In Paris heißt es, die Kommunisten befänden sich zwischen Sozialisten und Linkspartei wie zwischen Hammer und Amboss. Der Verzicht auf Hammer und Sichel wird an der Seine mit melancholischem Spott kommentiert. Es sei die einzige Revolution, zu der die Kommunisten fähig seien.