Überall in Deutschland werden massenweise neue Tempo-30-Schilder montiert. Mit dem Wohl der Menschen hat das wenig zu tun.
Das Schild kostet etwa 16 Euro, Halterung, Mehrwertsteuer und Versandkosten kommen bei der Bestellung noch hinzu. Die Zahl 30 steht dort in Schwarz auf weißem Grund, umrandet von einem roten Kreis. "Tempo 30" ist eines der unbeliebtesten Schilder bei deutschen Autofahrern, denn es zwingt sie, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Die Zeichen stehen vor Schulen, Seniorenheimen oder in Wohngebieten. Sie sollen Fußgänger, vor allem Kinder und alte Menschen, vor Rasern schützen. Die sind in Deutschland, wo es auf Autobahnen immer noch kein allgemeines Tempolimit gibt, besonders zahlreich unterwegs.
(© Montage: sueddeutsche.de)
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Doch jetzt, nach dem langen Winter, breitet sich in Rekordgeschwindigkeit eine neue Langsamkeit in vielen Städten und Gemeinden aus: Auf immer mehr Straßen werden neue Tempo-30-Schilder montiert. Das aber hat wenig mit dem Wohl der Menschen zu tun.
Es schützt vor allem Stoßdämpfer, Reifen und Achsen. Und zwar vor den Schlaglöchern, Rissen und Furchen, die der Frost dem Asphalt zugefügt hat. Weil das Geld für die Sanierung fehlt, heißt es immer öfter: bremsen statt reparieren. "Das ist ein Trend, den wir in ganz Deutschland beobachten", sagt Wiebke Dammann vom ADAC: "Statt zu reparieren, werden Schilder aufgestellt und die Geschwindigkeit herabgesetzt." Weil der Winter 2010 besonders hart war, hat diese Maßnahme Hochkonjunktur.
Die Kommunen haben in den vergangenen Tagen Bilanz gezogen, welche Schäden Schnee und Frost auf ihren Straßen angerichtet haben. Das Ergebnis fällt verheerend aus. Der ADAC schätzt die Kosten für die nötigen Reparaturen allein auf den kommunalen Straßen auf drei Milliarden Euro.
In den vergangenen drei Jahren lag dieser Betrag durchschnittlich bei einer Milliarde. Angesichts der angespannten Finanzlage in Städten und Gemeinden sind deshalb Notlösungen und kreative Maßnahmen gefragt. Ein neuer Straßenbelag kostet mindestens 40 Euro pro Quadratmeter. Da wird der Griff zum billigen Schild für viele Kommunen zur Verlockung.
Im Hamburger Bezirk Mitte schützen plötzlich 120 neue Zeichen mit der berüchtigten 30 den unbedachten Autofahrer vor der Fahrt ins Schlagloch und dem anschließenden Besuch in der Werkstatt. Im Bezirk Harburg ist wegen Schäden auf 19 Straßen das Tempo auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt.
Der NDR rief dieser Tage gar einen bundesweiten Notstand an Tempo-30-Schildern aus. Ganz so schlimm ist es nicht, doch in den Straßenmeistereien rund um die Hansestadt findet sich kaum noch eines der begehrten Zeichen. Lieferfristen für die Schilder liegen bei den Herstellern derzeit zwischen sieben und zehn Tagen. Die Lager sind weitgehend leer, es müsse neu produziert werden, heißt es.
Weil die Temperatur im Norden Deutschlands am stärksten zwischen mild und frostig schwankte, sind hier die Schäden am größten und Schilder am gefragtesten. Auch Hannover wird zunehmend ausgebremst. In Berlin ist es fast schon Tradition, dass statt des Teer-Wagens, mit dem Schlaglöcher geflickt werden, der Lkw mit den Schildern an den rissigen Stellen der Straßen vorfährt.
Sind die Schilder einmal aufgestellt, kostet es die Kommunen meist viel Überwindung, sie später wieder einzusammeln. "Gängige Praxis. Erst bremsen, dann überlegen", sagt Michael Wißing von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und ergänzt: "Wenn das so weitergeht, ist bald ganz Berlin eine einzige Tempo-30-Zone."
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(SZ vom 27.03.2010/woja)
Stockender Kita-Ausbau
...ist das Tempo 30 genauso wichtig wie 130 auf der Autobahn um Raser auszubremsen!
Ich gehe sogar noch weiter und fordere den sofortigen Führerscheinentzug auf 1 Jahr bei einer Überschreitung des Tempolimits von 20 kmh! Bei höheren Überschreitungen eine Anklage wegen versuchten Todschlages. Das würde jeden Raser auch zur Akzeptanz zwingen. Zu viele, viel zu viele Fahren nicht Auto Sie benutzen dieses als Waffe!
Dass darunter die immer weniger werdenden Autofahrer leiden die sich an die StVO halten ist leider nicht zu ändern.
Zitat:"Doch jetzt, nach dem langen Winter, breitet sich in Rekordgeschwindigkeit eine neue Langsamkeit in vielen Städten und Gemeinden aus: Auf immer mehr Straßen werden neue Tempo-30-Schilder montiert."
Der Trend besteht hier in Berlin nun seit 2 Jahren und ist weitgehend unabhängig von der Jahreszeit. Baustellenbedingte Tempo 30 Schilder sind natürlich nötig aber was hier in Berlin getrrieben wird, das ist Behördenwillkür. Anfangs habe ich mich über die plötzlich zunehmende Menge an Tempo 30 Schildern nur gewundert. Vierspurige Durchgangsstraßen, die jahrelang normale Tempo 50 Straßen waren wurden plötzlich auf Tempo 30 begrenzt. Wegen spielender Kinder oder wegen Lärmbelästigung. Entsprechend den Zusatzshildern ("Achtung Kinder" oder "Lärm") ist die Tempobeschränkung, tageszeitlich, per Zusatzschild begrenzt. Dann, nach ein paar Monaten und wenn die Autofahrer sich an die Schilder gewöhnt haben, sind die Zusatzschilder plötzlich weg und die Straße ist permanent auf 30 km/h begrenzt. Als wenn die spielenden Kinder auch zwischen 20:00 Uhr abends und 7:00 Uhr morgens unterwegs wären. Oder, als wenn der Lärmschutz auch tagsüber nötig wäre. Natürlich gibt es Straßen an Schulen und Kindergärten wo eine Tempobegrenzung berechtigt ist. Aber in der Mehrzahl der Fälle halte ich die Begründung für vorgeschoben. Dazu paßt, dass zwar die Tempobegrenzungen vorgenommen werden, aber die Ampelschaltungen dem veränderten Verkehrsfluß nicht angepaßt werden. So kricht man dann mit 30 km/h auf eine grüne Ampel zu, die genau dann auf rot umspringt wenn man sie endlich erreicht hat.
Vor kurzem wurde nun von der 'Welt' gemeldet, dass das Land Berlin eine Bundesratsinitiative anstoßen will, die die Höchstgeschwindigkeit innerorts auf 30 km/h begrenzen will. Und zwar überall in Deutschland. Damit würde die Stadt Berlin viel Geld für Schilder sparen.
Leere Kassen und teurer Unterhalt für die Straßen und Brücken sind auch meiner Ansicht nach das treibende Motiv für diese Willkürmaßnamen (immerhin zahlen wir Autofahrer ja einen Haufen Steuern).
Die Temporeduktion wird keine Auswirkung auf die Zahl der Pkw haben. Aber diese werden fast doppelt solange unterwegs sein. Damit wird die Lufbelastung mit Feinstaub und Abgasen eher zunehmen. Herr Heckenberger hat also recht: "Das aber hat wenig mit dem Wohl der Menschen zu tun."
Ich bin total dagegen, weil man damit die Akzeptanz von Geschwindigkeitsbegrenzungen kaputtmacht.
Vor z.B. Schulen und in reinen Anwohnerstraßen macht Tempo 30 (oder evtl. sogar weniger) Sinn. Das sollte man auch kontrollieren um es wirklich durchzusetzen. Wenn aber auch Zubringerstraßen oder sogar weiträumig alle Straßen in Städten auf Tempo 30 reduziert werden kommt zur fehlenden Akzeptanz noch eine scheinbare Sicherheit dazu, die aber wg. der Mißachtung der Regelung in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.
So lustig ist das gar nicht. Wer lange Strecken fahren muss und z.B. die A7 südlich von Hannover nimmt, trifft auf jede Menge Tempo 80 Schilder wg. Straßenschäden.
...tempo 30 auf den autobahnen?
Paging