Um einen Teil der schwarz-gelben Mehrwertsteuersenkung abzugreifen, führen findige Kommunalpolitiker eine Bettensteuer ein. Der Hotelverband hält das für verfassungswidrig.
Billiger hätte es werden sollen, in deutschen Hotels zu übernachten. Mehr ausländische Gäste sollten kommen, Touristen länger bleiben - so hatte es sich die Koalition aus Union und FDP gedacht, als sie im Koalitionsvertrag festlegte, dass die Mehrwertsteuer für Hotel-Übernachtungen nur noch sieben Prozent betragen soll.
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DIe Koalition hat die Mehrwersteuer auf Hotelübernachtungen gesenkt. Auch die Kommunen wollen nun einen Teil dieses Steuergeschenks. (© Foto: ddp)
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Das Steuergeschenk aus Berlin hat allerdings nun findige Stadtkämmerer auf eine Idee gebracht: Die Hoteliers sollen helfen, die Finanzlöcher der Städte und Gemeinden zu stopfen. Mehrere Kommunen wollen von den Zusatzeinnahmen der Hotels profitieren - und so könnten Übernachtungen bald teurer werden statt billiger.
Die Kölner sind die Ersten: Am Dienstagabend hat der Stadtrat mit den Stimmen von SPD und Grünen die "Bettensteuer" beschlossen. Wer in einem Hotel in der Stadt übernachtet, soll künftig fünf Prozent des Zimmerpreises für die Förderung der Kultur bezahlen. Seit die Pläne bekannt sind, haben sich mehr als 20 Kommunen in Köln erkundigt. Unter anderem interessieren sich Augsburg, Bochum, Erfurt, Essen, Freiburg, Heidelberg und Stuttgart für die Hotel-Abgabe.
"Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verlieren wir in diesem Jahr bis zu 30 Millionen Euro", sagt der Kölner Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans. Er muss allein in diesem Jahr ein Loch von mehr als 500 Millionen Euro stopfen. Die bundesweite Steuersenkung für Hotels kam ihm da gelegen: "Unsere Abgabe ist keine zusätzliche Belastung für die Hotellerie, sondern wir verringern lediglich den Vorteil, den die Hotels aus der Mehrwertsteuersenkung ziehen", sagt er. Statt zwölf Prozentpunkten Ermäßigung sei es nun eben nur noch knapp die Hälfte.
SPD und Grüne halten die Idee der Kommunen als legitimen Widerstand gegen Steuergeschenke aus Berlin auf Kosten der Kommunen - die Hotelbesitzer dagegen reden von Spitzfindigkeit. Nur fünf Prozent der Gäste würden das Kulturangebot der Stadt nutzen, die meisten würden Messen besuchen, heißt es bei der Kölner Dependance der Hotelvereinigung Dehoga.
"Verfehlter Finanzausgleich"
Ihr Vorsitzender Wilhelm Wichert sagt, man fühle sich geschröpft: "Ein verfehlter Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden wird auf dem Rücken unserer Branche ausgetragen," sagt er. Der Verband hält - wie die Rathaus-Opposition von CDU und FDP - die Bettensteuer schlicht für verfassungswidrig. Kommunen dürften nur Steuern erheben, die nicht mit Bundessteuern gleichartig sind. Die Bettensteuer entspreche aber der Umsatzsteuer, schreiben Verfassungsrechtler in einem Gutachten für die Hoteliers.
Zudem erwarte die Stadt durch die neue Abgabe Mehreinnahmen von 20 Millionen Euro - durch die bundesweite Steuersenkung für Hotels würden ihr aber nur 200.000 Euro entgehen. Das sei unverhältnismäßig, argumentiert der Hotelverband. Er will gegen das Gesetz klagen, sollte das FDP-geführte Innenministerium von Nordrhein-Westfalen der Bettensteuer zustimmen - und so verhindern, dass andere Städte es Köln nachmachen.
Die Sorgen der Kölner Hotelbesitzer, dass die Gäste wegbleiben, könnte jedoch unbegründet sein. Die Stadt Weimar hat vor fünf Jahren eine Übernachtungssteuer eingeführt; im verganganen Jahr hat sie 504.000 Euro für die Stadtkasse eingenommen. Und trotzdem sind die Übernachtungs-Zahlen jedes Jahr gestiegen. Weimar hat nun zur Hotel-Steuer ein Infoblatt für klamme Kommunen herausgegeben. Es findet reißenden Absatz.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 25.03.2010/liv)
Bilder des Tages
...weniger verlangen die meisten Hotels also warum sollen die Städte nicht vom neuen Reingewinn etwas abgreifen?
Das ist doch auch nichts anderes als die in norddeutschen Seebädern seit Jahr und Tag erhobene "Kurtaxe". Nun also eine analoge (gross-)städtische "Kulturtaxe" - wo bitte soll das verfassungsrechtliche Problem sein? Gerechtfertigt ist dieses Vorgehen der Kommunen meines Erachtens allemal.
Endlich rührt sich mal was, mit "Pfiff" werden Untragbarkeiten umgangen. Leider unter viel Bürokratieaufwand.
Nett auch, daß die Dehoga diesen Vorgang der Stadtkämmerer verfassungswiedrig nennen - dann könnte man die einseitige Steuerreduzierung auch so nennen.
Hinzu kommt, daß Hoteliers überproportional von der Infrastruktur einer Stadt profitieren, somit ist es auch rechtens, daß sie überproportional dafür zur Kasse gebeten werden.
Irgendwie kommen eure politischen Höhenflüge immer wieder zurück und die Zeche wird teurer als gedacht. Die Bürger werden bei den Vorhaben der FDP und der Union mit einem dicken Minus herausgehen. Aber wir leben ja in einer Demokratie und die Wähler haben sich so entschieden. man könnt allerdings erwägen Neuwahlen zu machen bevor das Chaos noch größer wird, das mit den Hoteliers ist aber ein schönes Beispiel was passieren kann wenn man die FDP mit regieren lässt.
Man stelle sich den Ablauf bildlich vor:
Da sitzen Politiker in Berlin. Es wird unter erheblichem Personal-, Zeit-, Büromaterial- und Rechtsberatungsaufwand ein Steuergesetz geändert. - Meier, berechne die Kosten an der Tafel!
Kluge Kämmerer in den Städten finden unter ähnlichem Aufwand eine steuergesetzliche Ausweichmöglichkeit. - Müller, berechne die Kosten an der Tafel und berücksichtige diese für 3 Großstädte wie Köln, Bochum und Dortmund!
Deutscher Michel, an die Tafel! Berechne den Gesamtaufwand, wenn 80% der Städte und Gemeinden in Deutschland diesen Weg beschreiten.
Frage an alle: welche zusätzliche Unterstützung fordern anschließend Städte, Gemeinden, Kommunen und Bundesländer vom Bund zurück?
Das Ganze ist (steuer)politische Masturbation. Es kostet Anstrengung, bringt nix ein und richtig Spaß machts auch nicht.
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