Nach dem Repräsentantenhaus will auch der Senat den Irak-Krieg von George W. Bush beenden. Längst kämpft der US-Präsident seinen Krieg an zwei Fronten - in den staubigen irakischen Gassen und auf den Gängen des Kongresses in Washington.
Längst kämpft George W. Bush seinen Krieg an zwei Fronten. In den staubigen Gassen von Bagdad und Ramadi, wo Amerikas Oberbefehlshaber annähernd 160.000 jungen Landsleuten abverlangt, tagtäglich ihr Leben zu riskieren für den vermeintlich "entscheidenden ideologischen Kampf des 21. Jahrhunderts" gegen den Terror. Und zu Hause auf den Gängen und Korridoren in Washington, wo der Kongress immer energischer auf ein baldiges Ende seiner fatalen Expedition drängt.
Kampf an zwei Fronten: US-Präsident George W. Bush (© Foto: AP)
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Nun scheint dem Präsidenten als Erstes die Heimatfront wegzubrechen: Vorige Woche im Repräsentantenhaus und jetzt auch im Senat ist es den Demokraten gelungen, ein Datum für den Abzug aller US-Kampftruppen ausgerechnet in jenes Haushaltsgesetz zu schreiben, mit dem Bush den Sold seiner Soldaten bezahlen will. Ist das also der Anfang vom Ende, der Beginn der Niederlage in den Schützengräben von Amerikas Innenpolitik? Nein, so weit ist es noch nicht. Noch immer nicht.
Der Eindruck des Augenblicks und das Triumphgeheul der Demokraten über ihren angeblich "historischen Sieg" versperren den Blick auf die Wirklichkeit. Und die sieht so aus: Im heimischen Gefecht bleibt dem Präsidenten noch immer der Griff zu seiner stärksten Waffe, dem Veto gegen jedes unliebsame Gesetz.
Und zugleich melden Amerikas Generäle von draußen aus dem Feld, dass Bushs neue (und allerletzte) Strategie erste Erfolge zeigt. Zumindest in Bagdad und wenigstens kurzfristig ist es den jüngst verstärkten US-Truppen gelungen, die Macht marodierender Milizen einzudämmen. Der entsetzliche Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten ist nicht erstickt - aber wenigstens eskaliert die religiös befeuerte Gewalt nicht mehr.
Fester Glaube an die Mission
Wer glaubt, ausgerechnet jetzt könne sich der Mann im Weißen Haus einsichtig in einen "Helden des Rückzugs" verwandeln, der verkennt die Psyche von George W. Bush. Dieser Präsident glaubt fest an die Mission, notfalls mit Gewalt Freiheit und Demokratie über die Welt zu bringen.
Er weiß, dass sein politisches Schicksal und sein Vermächtnis in den Geschichtsbüchern endgültig besiegelt wären, würde er sich jetzt dem Willen des Kongresses (und von sechzig Prozent des amerikanischen Volkes) beugen. Es bleibt Bush, rein subjektiv jedenfalls, gar keine andere Wahl: Er muss weiter marschieren, bis zum Ende seiner Tage im Amt. Oder so lange, bis seine eigenen Offiziere zum Abzug blasen.
Die Widersacher des Präsidenten plagt zudem ein objektives Dilemma. Niemand, auch nicht Amerikas Demokratische Partei, weiß wirklich Rat, was aus dem Irak werden soll ohne die Präsenz amerikanischer Truppen. Die Szenarien für das zerrissene Land, ja für die gesamte geschundene Region, schwanken zwischen Horror und Hölle für den Fall, dass der Irak auseinanderbricht. Alle, auch die überzeugtesten Kriegsgegner in Amerika wie in Europa, sind längst Gefangene jenes Desasters, das mit dem US-Einmarsch vom März 2003 begann.
Kleine Kurskorrekturen
Zudem hat Bush seine innenpolitischen Gegner geschwächt, indem er - wenigstens außerhalb des Irak - seinen Kurs korrigierte: Gespräche mit Syrien und Iran gelten nicht länger als Tabu. Nach Jahren der Ignoranz müht sich Außenministerin Condoleezza Rice nun ab, irgendeine Art von Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln.
Damit wagt die US-Regierung exakt jene Schritte hin zu mehr Diplomatie, die eine Expertenkommission unter Ex-Außenminister James Baker im Dezember verlangte. Viel mehr fällt derzeit auch den Demokraten nicht ein.
Washington rüstet sich nun zum Showdown, zum großen Duell zwischen Präsident und Kongress. Keine Frage, dieser Machtkampf ist wichtig zur Wiederbelebung von Amerikas Demokratie nach sechs Jahren republikanischer Herrschaft. Nur, die Entscheidung über das Elend und das Ende des Irak-Krieges fällt anderswo - im Irak nämlich.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 29.03.2007)
Stockender Kita-Ausbau
iranischen RevGard nass gemacht.
" Im " Tanker wurden sie erwartet- und Herr Blair
ist a bisserl sauer,
denn dieser Coup der Iraner ist für die Tommys mehr als peinlich.
In der heutigen New York Times (29. März 2007) findet sich ein Artikel mit der Überschrift: "Democrats Are Building on Unity Over Iraq Pullout " der mir sehr gefällt und den ich eigentlich in der Tonart von einem liberalen bundesdeutschen Blatt wie der SZ erwartet hätte. Oder hat Herr Wernicke Sorge von den leckeren Essen oder anderen Annehmlichkeiten in der Nähe der Mächtigen ausgeschlossen zu werden?
Wenn Sie wollen können Sie ja den folgenden Link stehen lassen:
http://www.nytimes.com/2007/03/29/washington/29assess.html?th&emc=th
Nachdem sie so dumm waren, ihrem Commander-in-Chief blind zu folgen, ist den Demokraten jetzt der Beginn eines Befreiungsschlages gelungen. Nur weiter so: Bush legt sein Veto ein und die Republikaner verhindern die nötige Zweidrittelmehrheit. Die Demokraten wiederum können in dem Korruptionssumpf dieses Krieges herum stochern und der moral majority vorführen, welchen Leuten sie vertraut.
Und natürlich, Herr Wernicke: die Demokraten wissen keinen Ausweg. Die sollten sich auch auf alternative Konzepte nur dann einlassen, wenn sie sicher sein können, dass die verantwortungslose und verlogene Administration eine realistische und wahrhaftige Analyse der Lage liefert.
Nur weiter so Pelosi!
Die Dolchstoßlegende schreckt mich weniger, im Vergleich zu Maßnahmen von GWB den "Sieg" noch zu erringen. GWB ist Oberbefehlshaber einer gewaltigen Offensivstreitmacht. Diese kann ein Land, wie Irak, nicht befrieden. Aber fürchterliche militär. Schläge sind möglich. Im Irak und in Afgh. bieten sich solche Ziele nicht. Bliebe nur der Iran. Die Pläne binnen 24 Std. zuschlagen zu können, liegen ja vor (s. Hersh).
Ich befürchte GWB wird sein "Werk" vollenden und die Offensivstreitmacht der USA noch mal voll einsetzen. Also militär. Schlage durch Luftwaffe und Marine (das Heer und Marine Corps ist ja ausgelastet). Sollte der Iran tatsächlich die von Russland entwickelten Anti-Schiffsraketen einsatzbereit besitzen, wäre ein fürchterliches Gemetzel nicht ausgeschlossen (z.B. ein versenkter US-Träger) mit noch umfangreicheneren Militärschlägen gegen den Iran. Die Sperrung der Strasse von Hormus ist vielleicht nicht ausgeschlossen. Dagegen verblasst eine "Dolchstoßlegende".
Die "Medienschlacht" um den vergleichweise geringfügigen Zwischenfall des Aufbringens 2er brit. Schlauchboote stimmt mich doch sehr bedenklich. Über die US-special-forces im Iran (s. Hersh) macht sich in den dt. Medien kaum jemand Gedanken.
genau, siehe Vietnam. Selten so strategisch durschaubare, ohnmächtige, einseitige und kurzsichtige Politik erlebt wie die Bush-Admin. Da hat jeder Groschenroman mehr Anspruch.
Paging