Von Von Stefan Kornelius

George Bush wird wohl das Rennen machen. Die Amerikaner haben sich mehrheitlich für ihn und seinen Kurs der Stärke entschieden. Bush mag ein politisch schwer erträglicher Partner sein. Amerika aber ist mehr als sein Präsident.

Amerika und die Welt werden wohl weitere vier Jahre mit Präsident George W. Bush leben müssen. Diese Nachricht mag zwar 80 Prozent der Deutschen enttäuschen, nicht aber die Mehrheit der Amerikaner. Denn dies ist die gute Botschaft aus der Wahlnacht: Die USA sind zwar eine gespaltene Nation, aber ein Sieg Bushs wäre anders als im Jahr 2000 unumstritten.

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Die zweite Amtszeit wäre demokratisch legitimiert und nicht richterlich verordnet. Für die Stabilität und das Selbstbewusstsein der wichtigsten Demokratie der Erde ist das bedeutsam.

Bushs Erfolg ist - mit europäischen Augen betrachtet - kaum zu erklären. Dies ist der Mann, der in seiner ersten Amtszeit die USA außenpolitisch in schwere See manövriert hat, der einen nicht legitimierten Krieg im Irak führte, ein exorbitantes Haushaltsdefizit und den Verlust von einer Million Arbeitsplätzen zu verantworten hat. Bush ist ein aggressiver und polarisierender Präsident. Und trotzdem wurde er offenbar von einer Mehrheit der Amerikaner gewählt, weil die Menschen seine Geradlinigkeit und Härte schätzen.

Amerika entscheidet aus seiner inneren Befindlichkeit heraus und ist unempfänglich für den Blick von außen. Das Herz Amerikas - auf der Wahlkarte republikanisch rot eingefärbt und tatsächlich geografisch in der Mitte des Landes platziert -, dieses Herz verlangt nach Stärke und einfachen Formeln. Schwierige Probleme müssen simpel gelöst werden.

Zum Beispiel Amerikas Rolle in der Welt: Bushs Wähler sehen das Land nicht in einem Geflecht von Abhängigkeiten und in einem Wust von Problemen verstrickt - sie sehen Amerika als Führungsnation, die gestalten muss.

All dies hat weniger mit ideologischer Aufladung zu tun als mit der Sehnsucht nach Sicherheit und, noch einmal: Stärke. Die Sehnsucht wird Bush in der zweiten Amtszeit noch leichter erfüllen können, weil er mit der Mehrheit der Wähler im Rücken und mit beiden Kammern des Kongresses an seiner Seite noch selbstbewusster auftreten kann. Bush hat nun die Gelegenheit, die USA nachhaltig zu verändern. Er wird diese Chance nutzen.

Anders als Ronald Reagan wird Bush nicht um ein liberaleres, versöhnlicheres Image bemüht sein. Er ist überzeugt, dass sein Bild in der Geschichte von Standfestigkeit, Klarheit und dem konservativ-religiösen Wertebild geprägt sein wird. Die Demokraten werden Bush als Opposition nicht im Wege stehen - der Partei stehen Monate der Selbstzerfleischung bevor.

Diese Selbstzerfleischung sollte die westliche Welt nun tunlichst vermeiden. In einer aufgeheizten Stimmung wird es vielen traditionellen Verbündeten der USA - wie eben den Deutschen - schwer fallen, weiteren vier Jahren mit Bush gelassen entgegen zu sehen. Bush mag ein politisch schwer erträglicher Partner sein. Amerika aber ist mehr als sein Präsident.

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