Die Mehrheit der Nichtraucher wird durch den Rauch einer Minderheit nicht nur belästigt, sondern massiv gesundheitlich geschädigt.

Es gibt Themen, bei denen es die Vernunft in Deutschland besonders schwer hat. Dazu gehört das Rasen auf Autobahnen und Landstraßen. Obwohl längst erwiesen ist, dass ein Tempolimit die Verkehrssicherheit deutlich erhöht. Aber in Deutschland hat die Autolobby bisher abgeblockt, was im benachbarten Ausland längst üblich ist.

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Ähnlich mächtig wirkt die Raucherlobby - ein Musterbeispiel dafür, wie in einer Demokratie eine Minderheit die Mehrheit praktisch in Geiselhaft nehmen kann. Diese Lobby hat wieder einmal gut gearbeitet, denn die überfällige Initiative für einen wirksamen Nichtraucherschutz droht schon vor der parlamentarischen Beratung verwässert zu werden. Ein generelles Rauchverbot in Gaststätten wird es wohl nicht geben.

Wer das für einen Sieg der aufgeklärten Gesellschaft über die Regelungswut des Staates hält, liegt völlig falsch. Denn die Minderheit der Raucher wird in keiner Weise geschädigt oder in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt, wenn sie nicht überall qualmen darf. Es ist vielmehr genau umgekehrt: Die Mehrheit der Nichtraucher wird durch den Rauch einer Minderheit nicht nur belästigt, sondern massiv gesundheitlich geschädigt, das belegen unzählige Studien.

Raucher haben in öffentlich genutzten Räumen - und dazu zählen Gaststätten - nichts zu suchen. Wer rauchen will, soll das zu Hause tun oder für ein paar Minuten an die frische Luft gehen. Deshalb wäre ein generelles Rauchverbot, so wie in anderen Ländern auch, konsequent und richtig. Und wie die Zahlen aus dem Ausland zeigen, machen rauchfreie Kneipen sogar mehr Umsatz als vorher. Vermutlich, weil die Gäste nicht so schnell nach Hause müssen, wenn die Augen brennen oder sie keine Luft mehr kriegen.

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(SZ vom 27. September 2006)