Von bas

Auf die bayerische Landespolitik kommen sehr unterhaltsame Wochen zu.

Der Fahrplan für die Stoiber-Nachfolge sieht nach dem Gipfeltreffen in der Münchner Staatskanzlei etwa so übersichtlich aus wie das Bus-Streckennetz in Kairo. So war das nicht gedacht, als sich gestern CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann, Ministerpräsident Edmund Stoiber sowie die Kandidaten Erwin Huber und Günther Beckstein an einen Tisch setzten. Denn gerade die Landtagsfraktion hatte auf eine schnelle Klärung der Nachfolge-Frage gedrängt, um die Bildung von Fronten zu verhindern.

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Nun soll aber erst am 15.November über den künftigen Ministerpräsidenten abgestimmt werden - einen Tag nach dem CSU-Parteitag. Bis dahin wird der Wahlkampf noch die schönsten Blüten treiben. Das Treffen in der Staatskanzlei wirft einmal mehr ein schlechtes Licht auf Stoibers Fähigkeiten als Krisenmanager. Ihm sind die Zügel in Bayern binnen weniger Wochen völlig entglitten. Zunächst konnte er sich monatelang nicht entscheiden, ob er nach Berlin wechseln sollte. Dann aber konzentrierte sich Stoiber um so mehr auf seine Interessen im künftigen Kabinett Merkel. Den schwelenden Konflikt um seine Nachfolge daheim in Bayern ignorierte er in sträflicher Weise. Jetzt hat er jeden Einfluss auf die Debatte verloren.

Nutznießer des Stoiberschen Egoismus ist Huber: Er hat nun mehr Zeit für einen ausgiebigen Wahlkampf in der Partei. Entsprechend ungehalten reagierte sein Rivale Beckstein gestern auf den Fahrplan bis zur Abstimmung im November, der ihn den sicheren Sieg kosten könnte. Einig ist man sich in der CSU allenfalls in einer Feststellung: Gut, dass Stoiber bald weg ist.

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(SZ vom 20.10.2005)