Von Von Heribert Prantl

Angela Merkel geht mit Wolfgang Schäuble so um, wie einst Helmut Kohl mit Richard von Weizsäcker umgegangen ist: unfair. Sie hält ihn hin, sie will sich nicht erklären - und erklärt durch dieses Verhalten, dass sie ihn eigentlich nicht will.

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Sie demütigt ihren Vorgänger durch demonstrative Nichtbeachtung. Ein Zeichen von Stärke ist das nicht. Nicht jeder Cunctator siegt am Ende.

Angela Merkel wird sich schließlich mit der Nominierung Schäubles zum Präsidentschafts-Kandidaten der CDU/CSU abfinden müssen, weil ihr andere - nämlich Stoiber und die CSU - die Entscheidung mit klammheimlicher Freude aus der Hand genommen haben.

Die Führungsstärke, die man der Parteichefin jüngst nach dem CDU-Parteitag bescheinigt hat, bröckelt bereits wieder. Je länger Merkel braucht, um sich mit Schäuble zu arrangieren, desto größer werden ihre eigenen Schwierigkeiten: Sie muss nämlich eine Nolens-volens-Nominierung Schäubles, die als ihre persönliche Niederlage gelten wird, in einen Sieg der Union bei der Bundespräsidentenwahl verwandeln.

Weil sie aber durch ihr eigenes Verhalten kundgetan hat, dass sie selbst nicht überzeugt ist, wird sie sich schwer tun, Zweifler in der Partei zu überzeugen.

Das heißt: Die Parteichefin macht sich den 23. Mai schwerer, als er es (angesichts eher knapper Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung) schon ist.

Eine Unions-Niederlage bei der Bundespräsidentenwahl aber wäre eine Selbstdemontage sondergleichen, ein verheerender Auftakt für das große Landtagswahljahr - und in ihren Auswirkungen unabsehbar.

Angela Merkel pflegt derzeit ihre persönlichen Vorbehalte. Aber sie spielt mit der Zukunft der Union.

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