Franz Müntefering, dem um Geschlossenheit bemühten SPD-Chef, ist es in bemerkenswerter Weise gelungen, seine Partei gegen sich aufzubringen. Er mache keine Solo-Nummern, hat er in einem Interview versichert; er werde die Auswahl des neuen Generalsekretärs mit allen Verantwortlichen besprechen - und zwar intern.
Zwei Antworten später legt Müntefering jedoch genau jenen Solo hin, den er zuvor ausgeschlossen hat, und schlägt seinen Vertrauten Kajo Wasserhövel vor - und zwar öffentlich.
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Nun hängt von der Besetzung dieses Postens nicht die Zukunft Deutschlands ab, zumal dann nicht, wenn eine große Koalition das Land regieren sollte. Die Entscheidungen in diesem Großbündnis werden nicht in irgendwelchen Parteizirkeln getroffen, sondern im Koalitionsausschuss und im Kabinett.
In einer großen Koalition muss der Generalsekretär vor allem nach innen wirken und dem Parteichef, der in diesem Falle auch Vizekanzler ist, den Rücken frei halten, wenn dieser schwierige Kompromisse eingeht. Offenbar bezweifelt Müntefering, dass die andere Kandidatin, Andrea Nahles, dazu wirklich in der Lage ist und dass er ihr wirklich zu hundert Prozent vertrauen kann. Schließlich hat Nahles im Frühjahr jene Steuerpläne kritisiert, die Müntefering und Schröder zuvor für den Jobgipfel ausgeheckt hatten; sie hat damit den Richtungsstreit in der SPD forciert.
Sollte Nahles, die zu den wenigen halbwegs prominenten Nachwuchs-Talenten in der SPD gehört, tatsächlich eine Kampfkandidatur wagen, wäre dies ein Affront gegen den Parteichef. Müntefering muss alles versuchen, um eine solche Zerreißprobe zu vermeiden. Sie würde ihn schwächen - als SPD-Vorsitzenden und auch als Vize-Kanzler.usc
(SZ vom 25.10.2005)
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