Von Von Stefan Kornelius

Nordkoreas Drohungen werden immer bizarrer, weil das Regime den internationalen Druck spürt.

Das nordkoreanische Außenministerium hat eigentlich Recht, wenn es von der amerikanischen Regierung eine Entschuldigung verlangt für die Feststellung, bei dem Regime in Pjöngjang handele es sich um einen "Vorposten der Tyrannei".

Seltener Einblick in ein krankes Reich: Eine Massenkundgebung in Nordkorea. (© Foto: dpa)

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Nordkorea ist nämlich nicht nur der Vorposten, es ist das Hauptquartier der Tyrannei. Nirgendwo sonst auf der Welt ist eine derart bizarre Mischung aus diktatorischer Brutalität, Unterdrückung, Wahn und Verschlossenheit zu beobachten wie eben im Land von Kim Jong Jl.

Und weil das Regime tatsächlich so etwas wie eine Bastion der Tyrannenherrschaft darstellt, ist es nahezu unmöglich, mit den Mitteln der diplomatischen Einbindung die Mauern zu brechen.

Alle Besänftigungsversuche - diplomatisch oder ökonomisch - haben in den vergangenen Jahren den Zugang zu dem Regime nicht erleichtert, das Land bleibt unberechenbar. Kreml-Astrologie in Sowjet-Zeiten war ein leichtes Hobby, verglichen mit der Spurensuche, die nach jeder Erklärung des nordkoreanischen Nachrichtendienstes von den Fachleuten angestellt wird.

Wenige verbliebene Erpressungsoptionen

So also auch diesmal: Das Außenministerium verlangt eine Entschuldigung für den "Vorposten der Tyrannei" und die "Achse des Bösen". Und in Koreanisch - nicht auf Englisch - kündigt es an, das selbst auferlegte Moratorium für den Test von Langstreckenraketen aus dem Jahr 1999 nicht mehr beachten zu wollen.

Nun sagen die Kimologen, dieser Teststopp habe eigentlich schon 2001 nicht mehr gegolten, als Nordkorea mit der Ankunft der Bush-Regierung alle Vereinbarungen aus den Nichtverbreitungs-Gesprächen mit der Regierung Clinton aufgekündigt hatte. Alles ein alter Hut also. Aber so einfach ist es nicht. Nordkorea setzt die wenigen verbliebenen Erpressungsoptionen ein, wann immer es die Notwendigkeit zur Verwirrung oder zur Drohung sieht.

Am 10. Februar schockte das Regime die Welt mit der Nachricht, es verfüge über Atomwaffen und wolle nicht mehr an den Sechser-Gesprächen, unter anderem mit China und den USA, teilnehmen. Danach aber hat sich die Stimmung schon wieder verbessert, Kim persönlich hat die Rückkehr zu Gesprächen unter bestimmten Voraussetzungen in Aussicht gestellt.

Die Regierung Bush sandte ebenfalls für ihre Verhältnisse fast schon süßliche Werbetöne aus. Und siehe: Schon treibt Kim den Preis wieder in die Höhe, droht mit Raketentests und provoziert fröhlich weiter. Warum also dieser Tanz? Pjöngjang spürt, dass das Klima eisig wird.

Schutzmacht China ist verstimmt

Seitdem die globalisierte Welt intensiv auf Terror und Unterdrückung schaut, wächst die Empörung über die kriminelle Proliferations-Politik des Landes, über die verbrecherische Unterdrückung der Bevölkerung, über die willkürliche Drohpolitik, die das bereits fragile strategische Gefüge in der Pazifik-Region vollends aus dem Gleichgewicht werfen wird.

Die heimliche Schutzmacht China beginnt sich abzuwenden, weil sie fürchtet, dass ein unmittelbar atomar bedrohtes Japan seine pazifistische Grundlinie schnell verlassen könnte.

Dieser Verhandlungs-Poker ist also nichts für schwache Nerven und unterliegt Regeln, die nicht immer logisch und schon gar nicht durchschaubar sind. Ein paar Grundgesetze aber gelten: Die USA und Südkorea werden Nordkorea nicht angreifen, weil der Gegner und seine militärische Reaktion völlig unkalkulierbar sind.

Zweitens wird Nordkorea mit der Nuklearisierung seine Isolation und damit die innere Zerstörung selbst betreiben - siehe die wachsende Distanz Chinas. Und drittens fürchtet das Regime im Norden nichts mehr als die zersetzende Kraft der Kommunikation.

Denn wenn erst einmal Vereinbarungen getroffen sind und Informationen ins Land fließen, dann wird auch der dramatische Reformbedarf sichtbar werden. Ob Isolation oder Öffnung - Kim steckt in der Falle. Sein Regime wird keinen Bestand haben.

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(SZ vom 4.3.2005)