Von Arne Perras

Afrikaner riskieren, beim Sprung über Grenzzäune zu sterben oder auf waghalsiger Fahrt übers Mittelmeer zu ertrinken. Wenn derartige Szenen auf den Bildschirmen auftauchen, lösen sie bei den Betrachtern Erschütterung, Mitleid, aber auch Irritation oder gar diffuse Angst aus. Was eigentlich kommt da auf Europa zu?

Europa kann sich den verstörenden Bildern nicht entziehen. Afrikaner setzen ihr Leben aufs Spiel, um den Kontinent ihrer Träume zu erreichen.

Flüchtling Bild vergrößern

Ein afrikanischer Flüchtling in der spanischen Exlkave Melilla. (© Foto: Reuters)

Anzeige

Sie riskieren, beim Sprung über Grenzzäune zu sterben oder auf waghalsiger Fahrt übers Mittelmeer zu ertrinken. Wenn derartige Szenen auf den Bildschirmen auftauchen, lösen sie bei den Betrachtern Emotionen aus.

Erschütterung und Mitleid einerseits, aber oftmals auch Irritation oder gar diffuse Angst. Was eigentlich kommt da auf Europa zu? Stürmen die elenden Massen in ihrer Verzweiflung die Bollwerke des Wohlstands und der Zivilisation? Sind sie die Vorboten einer Völkerwanderung, die Europa irgendwann nicht mehr aufhalten kann?

Der Politik fällt es in dieser gemischten Stimmungslage schwer, eine schlüssige Strategie zu entwickeln, um die Probleme der Migration von Süd nach Nord zu bewältigen. Europas Innenminister haben am Mittwoch erneut beraten, welche Wege die Union beschreiten soll, aber die Arbeit geht viel zu schleppend voran.

Das Zaudern hat seinen Preis. Es bringt all jenen einen Vorteil, die als Schlepper mit kriminellen Methoden viel Geld verdienen. Und es verschärft das Leid derer, die dringend Schutz und Hilfe brauchen.

Für Europa geht es im Kern darum, nationale Interessen - die Sicherung der Grenzen und den Erhalt seiner Wohlstandsgesellschaften - zu wahren. Dabei darf sich die EU als Wertegemeinschaft aber nicht selbst verraten.

Abschottung ist keine Antwort

Der Schutz von Flüchtlingen und die Gewährung politischen Asyls sind zentral für eine Gesellschaft, die weltweit den Erhalt von Menschenrechten einfordert. Die Antwort auf die Flüchtlingsprobleme in Afrika kann also nicht lauten, sich völlig abzuschotten.

Europa sollte sich dazu durchringen, was in den USA oder in Kanada längst Praxis ist. Die Staaten sollten Kontingente für die Aufnahme von Flüchtlingen festlegen, damit Schutzbedürftige eine Überlebenschance haben.

Dies bedeutet nicht, alle Schleusen zu öffnen. Ungebremste Migration ist kein geeignetes Mittel, um die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu bekämpfen.

Sie wäre gesellschaftlich und wirtschaftlich in Europa nicht zu bewältigen, ganz abgesehen davon, dass afrikanische Staaten auf so viele Arbeitskräfte gar nicht verzichten könnten, schon gar nicht auf diejenigen, die gut ausgebildet sind und zu Hause für den wirtschaftlichen und technologischen Aufbau armer Gesellschaften gebraucht werden.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Fluchtpunkt Europa
  2. Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...