Alle sechs Monate zelebriert die Nato im fernen Kabul dieses Ritual: Ein General steht stramm, salutiert - und ist heilfroh, die grüne Fahne seiner Isaf-Friedenstruppe einem Kameraden aus einem anderen Bündnisstaat in die Hand drücken zu dürfen.
Am Montag stammte der Glückliche aus Kanada: Rick Hillier übergab das Nato-Kommando in Afghanistan an Jean-Louis Py, den französischen General an der Spitze des Eurokorps. Ab sofort bildet nun Europas multinationale Truppe den Kern der knapp 7000 Mann starken Isaf-Mission.
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Von Pys Befehlen, vom Gelingen dieses alliierten Einsatzes hängt nicht weniger ab als die Zukunft des geschundenen Landes am Hindukusch. Anfang Oktober stehen dort Präsidentschaftswahlen an, und überall im Land wetzen die Gegner eines demokratischen Wiederaufbaus die Messer: Im Süden massakrieren Taliban-Milizen potenzielle Wähler, in den übrigen Provinzen bangen finstere Warlords und Drogenbarone um ihre Macht.
Py muss helfen, in dieser heiklen Phase wenigstens ein bisschen Frieden zu sichern. Und er muss dies tun, obwohl ihm seine Auftraggeber, die Nato-Nationen, die dazu nötigen Mittel - mehr Soldaten, mehr Hubschrauber - verweigern.
Zwar wird die Allianz ihren Isaf-Einsatz demnächst auf 9000 Soldaten aufstocken. Aber nach nur acht Wochen wollen die Nato-Haupstädte die Zusatz-Bataillone wieder heimholen. Nicht mal für den Fall, dass Präsident Hamid Karsai einen zweiten Urnengang für seine Wiederwahl benötigt, ist vorgesorgt.
Eskaliert dann die Gewalt, der Nato bliebe kaum mehr übrig, als ihre Isaf-Fahne auf Halbmast zu setzen. Und mit ihr den Anspruch einzuholen, weltweit anzutreten im Kampf gegen den Terror.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.8.2004)
Protest gegen dritte Startbahn