Erst Bali, nun Jakarta: Indonesien bietet mörderischen Extremisten den passenden Kampfplatz.
(SZ vom 6.8.2003) - All das hat Indonesien schon einmal durchlitten: Eine riesige Explosion, Verwüstung, Flammen, schwarzer Rauch, Leichen zwischen den Trümmern, überall Verletzte. Die Bombenexplosion im Marriott-Hotel im Herzen Jakartas sei wie ein "Erdbeben" gewesen, sagte ein geschockter Augenzeuge angesichts der ungeheuren Wucht, die das Luxushotel in einen Ort des Schreckens verwandelte.
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So ähnlich war es auch damals auf der Ferieninsel Bali, als islamistische Terroristen einen Nachtclub in die Luft sprengten. Indonesien hat das Bali-Trauma noch gar nicht verkraftet, da schlägt der Terror erneut zu. Und er trifft dieses Mal sogar das Herz der Republik, die Hauptstadt Jakarta.
Auch wenn sich anfangs noch niemand zu dem Anschlag bekannte - das Muster des Terrors gleicht dem von Bali in vielerlei Hinsicht: Im Marriott-Hotel logieren vor allem Ausländer, die amerikanische Botschaft veranstaltete dort viele Empfänge, auch deshalb, weil die Sicherheitsvorkehrungen im Marriott als besser galten als anderswo in der Hauptstadt.
Umso größer muss nun die Verunsicherung unter den ausländischen Geschäftsleuten, Diplomaten und Reisenden sein. Für Indonesien, dessen Wirtschaft sich ohnehin nur mühsam von den Erschütterungen des Bali-Terrors erholen konnte, hätte es nicht schlimmer kommen können. Investoren werden ihre Aktivitäten überdenken und sich möglicherweise zurückziehen. Ohne sie wird das Land aber niemals aus der Armutsfalle herausfinden.
Auffällig ist, dass die Bombe nur zwei Tage vor dem Urteil gegen einen der mutmaßlichen Drahtzieher des Bali-Anschlags gezündet wurde: ein starkes Indiz dafür, dass die Hintermänner im gleichen Umfeld zu suchen sind wie die Attentäter auf der Ferieninsel.
Zwar hatte Indonesien überraschende Erfolge bei der Anti-Terror-Fahndung vorzuweisen, was die Amerikaner freute. Wenn das Marriott-Hotel aber tatsächlich zum Ziel islamistischer Extremisten wurde, beweist dies, wie schwer terroristische Netzwerke in Südostasien zu zerschlagen sind.
Indonesien ist für Sicherheitsstrategen ein Alptraum, weil der riesige Archipel mit seinen dreizehntausend Inseln, seinen zahlreichen Regionalkonflikten und schwer zugänglichen Regionen militanten Gruppen aller Art Rückzugsräume bietet. Vielfach hat die Gewalt, die Indonesien erschüttert, zunächst regionale Ursachen.
Die Rebellen in Aceh, zum Beispiel, hängen zwar einer strengen Form des Islam an, aber sie verstehen sich als separatistische Bewegung, deren Feind die Zentralregierung in Jakarta ist. Mit den Zielen eines internationalen al-Qaida-Terrors haben sie bislang kaum etwas gemein. Indonesiens Problem besteht aber in der Vielzahl und der Gleichzeitigkeit militanter Konflikte, die den Zusammenhalt des Staates gefährden.
Die Zentralmacht in Jakarta ist nicht fähig, diese Krisenherde - von Nordsumatra über Sulawesi, die Molukken bis nach Irian Jaya - dauerhaft zu stabilisieren. Ein Staat, der so fragil ist, bietet auch gute Voraussetzungen für islamistische Kräfte wie die Jemaah Islamiah, die sich zum Ziel setzt, ganz Südostasien in einem muslimischen Gottestaat zu vereinen.
Dies bedeutet nicht, dass sich große Teile der Gesellschaft mit militanten und terroristischen Formen des Islam identifizierten. Im Gegenteil: Die überwiegende Mehrheit der Indonesier praktiziert noch immer einen toleranten muslimischen Glauben, wie er sich über Jahrhunderte durch das Verschmelzen mit vor-islamischen Kulturen ausgeprägt hat.
Trotz der weit verbreiteten Armut haben sich die Menschen bislang erstaunlich immun gezeigt gegen eine Infizierung mit dem Gedankengut von al-Qaida.
Das muss aber nicht immer so bleiben. Wenn es den extremen Islamisten gelingt, ihren Kampf zu verschmelzen mit lokalen Widerstandsgruppen, dann waren die Bomben von Bali und Jakarta nicht Höhepunkt des südostasiatischen Terrors, sondern nur Ouvertüre.
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(Von Arne Perras)
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