Von Von Peter Burghardt

Der mühsamer Weg zum Frieden: Viele Bürger unterstützen Präsident Alvaro Uribe und seine Politik der harten Hand - doch auch rechte Paramilitärs profitieren davon.

Die Schande der Nation lag noch im Hafen, als der Präsident neulich über Kolumbiens Kurswechsel dozierte. Die Spitzen des weißen Dreimasters mit dem schönen Namen Gloria konnte man vom Kongresszentrum in Cartagena de Indias an der Karibikküste sogar gut erkennen, sie ragten hinter grauen Zerstörern in den blauen Himmel.

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Protest der "Frauen gegen Gewalt" in Kolumbiens Hauptstadt Bogota. (© Foto: dpa)

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In dem Schulschiff der Marine, einer Art schwimmenden Botschaft des südamerikanischen Landes, hatten Zollfahnder vor einigen Wochen 9,5 Kilogramm Kokain und 16,5 Kilogramm Heroin entdeckt - und das ausgerechnet vor einem Besuch von Staatschef Alvaro Uribe.

Statt wie geplant Richtung USA und Europa abzulegen, wo das Rauschgift vermutlich hin sollte, ließ der wütende Uribe die gesamte Besatzung verhaften und die Gloria für unbestimmte Zeit festsetzen. Doch über Drogen, den Treibstoff des Bürgerkriegs, soll künftig weniger gesprochen werden.

"Dieses Land will vorankommen", verkündete Uribe in einem gekühlten Versammlungsraum, zwischen seinen Sätzen machte er wie üblich rhetorische Pausen und starrte durch seine Brille.

Blasser Mann im Tropenhemd

Zwar hatte sein Wirtschaftsminister Jorge Humberto Botero bei der Eröffnung dieses Wirtschaftstreffens darauf hingewiesen, dass 80 Prozent des weltweit produzierten Kokains aus Kolumbien stamme, das weiße Pulver ist immer noch das größte Geschäft der Erde.

Allerdings waren die Mittelständler aus Europa von der kolumbianischen Regierung in die zauberhafte Kolonialstadt Cartagena eingeladen worden, um andere Märkte zu entdecken und legale Verträge zu schließen.

Es ging um Kaffee, Blumen, Textilien. Zuvor hatte Uribe bereits für ein Freihandelsabkommen mit den USA geworben - nun bemühte er sich um den alten Kontinent, wo sein autoritäres Wirken eher kritisch gesehen wird.

Der blasse Mann im Tropenhemd will Kolumbien ein neues Image geben. Mit diesem Ziel war er im Sommer 2002 angetreten, das Land sollte vom Inbegriff für Drogen und Mord endlich zum friedlichen Feld für seriöse Investoren werden.

Mit harter Hand wollte der Dissident aus der Liberalen Partei die linke Guerilla besiegen und die rechten Paramilitärs kontrollieren - also einen Konflikt beenden, der seit den sechziger Jahren Zehntausende Soldaten und Zivilisten das Leben gekostet hat und weitgehend von der blühenden Rauschgiftindustrie finanziert wird.

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