Kolumbien Guerilla entführt Touristen

Auf dem Weg zu einer Ruinenstätte in Nordkolumbien sind acht ausländische Urlauber entführt worden, unter ihnen auch ein Deutscher.

Die Gruppe wollte die Ciudad Perdida besuchen, die abgelegene "Verlorene Stadt" der präkolumbianischen Tayrona-Kultur, wie der kolumbianische Polizeichef Luis Alfredo Rodriguez in Bogota mitteilte. Als Geiselnehmer werden Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) vermutet. Die Entführer hätten die Ausländer aus der Reisegruppe aussortiert, sagte Rodriguez.

Neben dem Deutschen gehörten vier Israelis, zwei Briten und ein Spanier zu der Reisegruppe. Der zunächst ebenfalls als Geisel genommene Reiseleiter wurde später freigelassen, so dass er die Polizei informieren konnte.

Die Urlauber hatten sich auf einem Zeltplatz im Tayrona-Nationalpark an der Atlantikküste aufgehalten und wurden nach Angaben der Polizei auf die knapp 6000 Meter hohe mit Schnee bedeckte Sierra Nevada verschleppt, rund 750 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bogota. Präsident Alvaro Uribe kündigte eine entschlossene Verfolgung der Täter an.

Soldaten auf der Suche nach den Geiseln

Mehrere tausend Soldaten durchkämmten das Gebiet auf der Suche nach den Geiseln. Dichter Dschungel und die bis zu 5.775 Meter hohen Berge der Region erschwerten jedoch die Fahndung, sagte Polizeichef Rodriguez. Ursprünglich hatten sich 15 Touristen auf den Weg nach Ciudad Perdida gemacht, die sich dann in zwei Gruppen aufteilten. Die sieben anderen Touristen blieben unversehrt.

Die FARC ist die größte Rebellenorganisation in Kolumbien und kämpft seit fast 40 Jahren gegen die Regierung in Bogota. In dem südamerikanischen Land werden jedes Jahr fast 3.000 Menschen entführt. Für die meisten der Geiselnahmen wird die FARC verantwortlich gemacht, die sich unter anderem mit der Erpressung von Lösegeld finanziert.

Die linksgerichtete FARC hält derzeit 21 Politiker, 47 Militärs sowie rund 800 Zivilisten in ihrer Gewalt. Mit den Geiseln will die Guerilla Gefangene freipressen. Neben dem Drogenhandel sind Lösegelder zudem eine wichtige Einnahmequelle der Rebellen. )