Nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft ist die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt aus der Gewalt der Farc-Rebellen befreit worden. Die kolumbianischen Streitkräfte retteten sie gemeinsam mit 14 weiteren Geiseln.
Die kolumbianisch-französische Politikerin Ingrid Betancourt ist am Mittwoch nach mehr als sechs Jahren aus der Geiselhaft der linken Guerillabewegung Farc befreit worden. Wie Kolumbiens Verteidigungsminister Juan Manuel Santos am Nachmittag (Ortszeit) in Bogotá bekannt gab, sind bei der Militäraktion insgesamt 15 Entführte gerettet worden, darunter auch drei US-Soldaten. Alle Betroffenen sind nach ersten Angaben gesund.
In einem Video vom November 2007 war Betancourt abgemagert und geschwächt erschienen. Seitdem war die Sorge um ihre Gesundheit gewachsen. (© Foto: dpa)
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Laut Santos wurden die Geiseln durch einen Trick der Armee in einem Urwaldgebiet bei San José de Guaviare im Südwesten des Landes befreit und zunächst auf den Militärstützpunkt bei Tolima gebracht. Die Rebellen hätten geglaubt, ihre Gefangenen in einem gemieteten zivilen Hubschrauber zu transportieren, sagte Santos. Tatsächlich habe es sich aber um eine Maschine der Streitkräfte gehandelt. "Es wurde nicht ein Schuss abgegeben, und die Ex-Geiseln sind in guter Verfassung", sagte der Minister weiter.
Kurze Zeit später bestätigte auch Frankreichs Regierung die Befreiung. Ingrid Betancourt besitzt aus erster Ehe einen französischen Pass, auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich für sie eingesetzt.
Auf einem Video sah sie Ende 2007 schwerkrank aus. Es war ihr bisher letztes Lebenszeichen gewesen. Seither waren die Bemühungen um ihre Freilassung verstärkt worden.
In der Nähe des Einsatzortes war vor Monaten Betancourts einstige Assistentin Clara Rojas freigelassen worden. Der Armee-Einsatz ist der größte Erfolg von Kolumbiens rechtskonservativem Präsidenten Álvaro Uribe, der zuletzt erheblich kritisiert wurde. Betancourts Sohn Lorenzo Delloye-Betancourt sagte, "wenn das stimmt, dann ist es die schönste Nachricht meines Lebens".
Die 46-jährige Franco-Kolumbianerin Betancourt war am 23. Februar 2002 auf dem Weg zu einem Wahlkampftermin von der marxistischen Farc verschleppt worden. Die US-Geiseln gerieten 2003 in die Fänge der Gruppe, die seit vier Jahrzehnten den Staat bekämpft. Insgesamt sind noch 700 Entführte als politisches Faustpfand in der Gewalt der Farc, die sich durch Lösegeld-Erpressung und Drogenhandel finanziert.
Eine Verhandlungslösung schlug fehl, was sowohl der Farc als auch der mangelnden Gesprächsbereitschaft von Uribe angelastet wurde. Als Vermittler hatten sich Venezuelas linker Präsident Hugo Chávez und auch Sarkozy angeboten, allerdings lehnte Uribe den Venezolaner wegen dessen mutmaßlicher Nähe zur Farc ab.
Eine militärische Befreiung lehnte Betancourts Familie ab, nachdem es bei anderen Versuchen Tote gegeben hatte. Das gelungene Manöver zeigt nun, dass die Aufständischen erheblich geschwächt worden sind, und die Armee deutlich an Stärke gewonnen hat. In den vergangenen Wochen war bei einem Angriff auf ecuadorianischem Rückzugsgebiet Farc-Sprecher Raul Reyes getötet worden, danach starb der Farc-Anführer Manuel Marulanda.
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(SZ vom 3.7.2008/beu)